Im Ortenaukreis wurden in sechs Monaten sechs Geldautomaten gesprengt. Steckt eine organisierte Bande dahinter? Und wie ist der Stand der Ermittlungen? Unsere Redaktion hat sich die Fälle nochmal angeschaut und bei der Polizei nachgefragt.
Ein lauter Knall in der Nacht, der Anwohner aus dem Schlaf reißt. Doch bevor klar ist, wer oder was das war, ist meist alles schon vorbei. Was die Polizei findet: Ein aufgesprengter Geldautomat inmitten eines Trümmerfelds. Dieses Szenario hat sich in den vergangenen sechs Monaten sechs Mal in der Ortenau abgespielt. Doch welche Automaten hat es genau getroffen und was sagt die Polizei zu dem Ganzen? Ein Überblick.
17. August 2023: 3.20 Uhr – Zeugen beobachten, wie vier maskierte Unbekannte in einen schwarzen Audi RS7 steigen und mit hoher Geschwindigkeit davonfahren. Hinterlassen haben sie ein klaffendes Loch am Getränkemarkt von Edeka Kohler in Allmannsweier. „Eine Sofortfahndung mit großem Polizeiaufgebot blieb ergebnislos“, heißt es in dem damaligen Bericht unserer Redaktion. Der Schaden am Gebäude: im unteren sechsstelligen Bereich. Die Höhe der Beute: laut Polizeiangaben vergangenen Jahres unklar. Sicher sei jedoch, dass die Täter nicht mit leeren Händen davongekommen waren.
21. September 2023: Spürhunde, Helikopter und Ermittlungen des Landeskriminalamts. Die Sprengung eines Geldautomaten in Zell hat in der Ortenau für großes Aufsehen gesorgt. Besonders im Raum Ettenheim – dort hatte die Polizei gegen 7 Uhr das mutmaßliche Fluchtfahrzeug der Täter verlassen aufgefunden – war ein großes Aufgebot von Beamten aus insgesamt drei Präsidien. Im Verdacht der Polizei war laut damaliger Aussage eine vier- bis fünfköpfige Gruppe, gefahndet wurde unter anderem in einem Waldgebiet südlich von Ettenheim-Münchweier. „Eine heiße Spur hat sich bislang daraus noch nicht ergeben“, erklärte die Polizei auf Anfrage unserer Redaktion im September 2023.
Oktober 2023: Gleich zwei Mal hat es im Oktober vergangenen Jahres geknallt. Das erste Mal schlugen die Automatensprenger am 16. Oktober im Lahrer Stadtteil Sulz zu. Laut Zeugen waren drei Täter am Werk, zwei davon rauschten nach der Tat mit einem Auto in Richtung B3. Der dritte Unbekannte soll zu Fuß unterwegs gewesen sein. Der Schaden wurde zu dem Zeitpunkt auf 30 000 Euro geschätzt. Beute sollen die Täter laut damaligen Polizeiangaben nicht gemacht haben, sie gelangten offenbar nicht an das Bargeld. Nur drei Tage später – am 19. Oktober – traf es erneut einen Edeka-Kohler-Markt. Dieses Mal jedoch in Niederschopfheim. Das Besondere: Dieses Mal wurden die Täter von einem Zeugen gefilmt. Zwar ist nicht zu sehen, wie sie den Automaten sprengen. Jedoch kann man beobachten, wie sie offenbar Beute in ihr Fahrzeug – ein VW Golf – laden und fliehen.
20. November 2023: „Die Serie von Automatensprengungen in der südlichen Ortenau reißt nicht ab“, schrieb unsere Redaktion damals. Getroffen hatte erneut das Mietersheimer Fachmarktzentrum. Bereits im September 2022 geriet dort ein Automat ins Visier von Verbrechern. Das Bild vor Ort war bei beiden Fällen gleich: Fenster und Türen wurden aus den Angeln gehoben, Scheiben geborsten. Die Jagd nach den Verbrechern blieb – auch aus der Luft – erfolglos.
12. Januar 2024: Nachdem es im Dezember 2023 zu keiner Sprengung kam, schlugen Unbekannte im Januar dieses Jahres in Kappel zu. Ihnen gelang die Flucht in einem laut Polizei dunklen Audi mit gelbem Kennzeichen. Schaden und Beutehöhe seien Gegenstand der Ermittlungen. Was dagegen sicher ist: Die betroffene Filiale wurde in arge Mitleidenschaft gezogen.
Das sagt die Polizei: „Die Ermittlungen in den einzelnen Fällen dauern derzeit noch an“, antwortet Kriminalhauptkommissar Volker Olbrisch auf die Frage, ob es Zusammenhänge zwischen den Fällen gebe. Auch darüber, ob bereits Verdächtige vernommen wurden, könnte zum aktuellen Stand der Ermittlungen keine Aussage erteilt werden. Wieso es in den vergangenen Monaten vermehrt zu Sprengungen kam, kann laut Olbrisch vielfältige Gründe haben – etwa die Nähe zur französischen Grenze: „Die Täterschaft versucht natürlich dem Fahndungsdruck der Polizei schnellstmöglich zu entkommen, weshalb in solchen Regionen die Nähe zur Grenze immer einen Faktor spielen kann.“ Und ist auch in Zukunft mit weiteren Sprengungen in der Ortenau zu rechnen? „Wo immer Bargeld aufbewahrt wird, besteht die Möglichkeit, dass Verbrecher versuchen, sich dessen habhaft zu machen“, erklärt der Kriminalhauptkommissar. Das gelte nicht nur für die Ortenau, sondern auch andere Regionen könnten in den Fokus der Täter rücken. Um dem entgegenzuwirken führe die Polizei Präventionsgespräche mit betroffenen Institutionen. Konzeptionelles Vorgehen, insbesondere Erhöhung der Präsenz in diesen Bereichen, sowie die Bündelung von Erkenntnissen, um möglichst täterorientiert vorgehen zu können“, nennt Olbrisch weitere Maßnahmen.
Info – Auch 2022 gab es Fälle
Neben der genannten Sprengung im Mietersheimer Fachmarktzentrum September 2022 kam es zwei Monate später zu einer weiteren. Verbrecher hatten im Dezember 2022 eine Bankfiliale in Grafenhausen ins Visier genommen.