Coole Truppe: Steff Hengstler, Ralf Trouillet, Joo Aiple, Alex Köberlein und Matze Reimann am Freitag in Beffendorf Foto: Bodo Schnekenburger

Köberlein und seine Rottweiler rocken auf Einladung des Oberndorfer Kulturamts die Halle in Beffendorf.

Für viele war’s ein Wiedersehen – oder zumindest Wiederhören –, und für die meisten der Besucher, die am Freitagabend den Weg in die Beffendorfer Halle gefunden haben, eine Neuentdeckung. Denn, ja, Alex Köberlein himself war an Bord und schipperte das Konzertschiff durch die Welt der Welthits, vorbei an himmelhohen Klippen und auch über manche Untiefe. Seine Crew jedoch kennt man – bislang – eher von anderen Törns.

 

Erfahrene Musiker an Bord

Dass Ralf Trouillet (Bass), Steff Hengstler (Keyboard), Joo Aiple (Schlagzeug) und Matze Reimann (Gitarre) keineswegs als Leichtmatrosen werken, hatten auch jene schnell raus, die beispielsweise von „Intakt“, „Old Switchmen“ oder „Milkhouse“ bisher allenfalls den Namen kannten. Und wer kann schon von sich behaupten, bei einem Auftritt in der rappelvollen Schleyer-Halle gefeiert worden zu sein? Die „Franz Mayer Experience“ kann das.

Der Blick aufs Original entlarvt schlechte Kopien. Foto: Bodo Schnekenburger

Wie es zu dem Projekt kam, und wieso sich die neue „Kapelle“ so perfekt ineinander fügt, erfuhren die Besucher auch. Und auch vom geheimnisvollen sechsten Mann in der Coaching-Zone beziehungsweise aus der Theater-Szene. Was für die meisten an diesem Abend wichtiger ist: Auch bei „Alex Köberlein und seine Rottweiler“ – die Mannschaft hinter der „Franz Mayer Experience“ – ist ganz viel Spirit von „Grachmusikoff“ und „Schwoißfuaß“ am Start.

Prominenter Fan

Tatsächlich ist Zwillingsbruder und „Grachmusikoff“-Gründungsmitglied Georg einer der größten Fans des neuen Projekts. Das alleine reicht aber nicht. Die Band muss auch liefern. In diesem Fall tut sie’s mit Verve, großem Einsatz, erstaunlich filigranen musikalischen Figuren, dem Schmackes, den „Welthits im schwäbischen Original“ verdient haben – und stets einem Augenzwinkern.

Das Programm unternimmt nichts weniger als den Beweis anzutreten, dass Songs wie „Paint it Black“, „Locomotive Breath“ oder „Fresh“ schamlose Kopien bekannter schwäbischer Titel sind, schlechte dazu, da lausig übersetzt. Da folgt man Köberlein glatt, denn „She’s fresh“ – was soll das? Da haben „Kool & the Gang“ als potenzielle Plagiatoren einfach platt getextet. Der Ursprungsrefrain soll übrigens „Schiaß Frösch“ gelautet haben. Ein auf der Alb möglicherweise gebräuchliches Vorgehen.

Das Land prägt die Leute

Überhaupt hat die arme, karge Landschaft ihre Spuren hinterlassen. Die Antwort auf die Frage, ob noch Heu da sei („gibt’s a Hai noh?“), ist erwartbar niederschmetternd: Nein („’s gibt koi Hai meh!“). Und während irgendjemand mit dem Cover „Ghost Riders in the Sky“ Kohle machte, musste Köberlein anerkennend erkennen: „Mein Vaddr war ’n harda Hond“.

Man ahnt es: Bekannt wurde der Song in weichgespülter Version als „Papa was a Rolling Stone“. Sollte das alles übrigens nicht so gewesen sein, der Abend mit der „Franz Mayer Experience“ lieferte handwerklich sauber aufbereitete und mit manchem witzigen Detail versetzte Livemusik. Souverän und doch mit viel Vitalität und Spielfreude gemacht.

Angebot für die Stadtteile

Die schwäbische Story setzt als zweite Säule zur Unterhaltung eine ganz spezielle Authentizität daneben. Nicht nur wegen der Idee, sondern wegen der Umsetzung – und weil man’s dem Quintett abnimmt.

Das scheint auch das Publikum so zu sehen, das der Einladung des Kulturamts, das versucht, auch in den Stadtteilen neue kulturelle Angebote zu etablieren, gefolgt ist. Und klar ist: Ganz ohne geht es dann doch nicht.

Klassiker zum Finale

Zwei der alten Nummern durften über die Zugaben mit ins Programm. Es sind die ikonischen „Oinr isch emmr dr Arsch“ („Schwoißfuaß“) beziehungsweise der „Drägglacha Blues“ von „Grachmusikoff“. Da steigt dann das Mitsingpotenzial noch einmal dramatisch an – und im Hinterkopf beginnt es zu rumoren: Das sind nun mal tatsächlich schwäbische Songs, die es weit bringen könnten, denen das Los einer lausigen Übersetzung aber glücklicherweise erspart geblieben ist.