Schwitzen, Ängste, Inkontinenz Die zehn gängigsten Symptome der Wechseljahre – und was hilft
Mit um die 40 beginnen die Wechseljahre. Etwa zwei Drittel der Frauen bekommen dabei Beschwerden. Ein Überblick über die gängigsten Symptome.
Die Wechseljahre? Da habe ich doch noch lange Zeit, die beginnen doch erst mit Anfang 50, denkt noch heute so manche jüngere Frau. Tatsächlich können die hormonellen Veränderungen, auch Klimakterium genannt, laborchemisch jedoch bereits mit Mitte 30 nachgewiesen werden. „Klinisch zeigen sich die ersten Symptome wie Schlafstörungen dann ab etwa Anfang 40“, sagt Georg Sauer, Chefarzt der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) in Stuttgart. Und das kann für einige Turbulenzen sorgen.
Hitzewallungen und Co. stören das Wohlbefinden teils erheblich und bringen den Alltag durcheinander. „Allein in Deutschland leiden neun Millionen Frauen unter Wechseljahresbeschwerden und den gesundheitlichen Folgen der hormonellen Umstellung“, präzisiert Sauer. Die Häufigkeit und Dauer sämtlicher Symptome schwanke und „ist offenbar von einer Reihe von Faktoren abhängig - unter anderem kulturelle Einflüsse, Ethnie, familiäres und soziales Netzwerk, allgemeine Gesundheit und Wohlergehen, Sozialstatus und das gesellschaftliche Verständnis der Menopause“. Wir haben die zehn gängigsten Symptome aufgelistet und zeigen Möglichkeiten, wie man sie lindern kann.
1. Hitzewallungen und Nachtschweiß
Sie können einem die Hölle heiß machen: plötzliche Schweißausbrüche, Hitzewallungen und Nachtschweiß, auch vasomotorische Symptome genannt, sind mit die häufigsten Beschwerden der Wechseljahre. Sie äußern sich als plötzliche Wärmegefühle, oft mit Schweißausbrüchen, die oft das Gesicht und den Oberkörper betreffen und sich wellenartig ausbreiten. Oft kommt Druck im Kopf hinzu. Hintergrund dieses Phänomens, für das sich viele Frauen auch schämen, ist ein sinkender Östrogenspiegel, der die Temperaturregulation im Gehirn beeinflusst. Doch was hilft dagegen? „Gemäß der aktuellen Leitlinie sollen Frauen mit vasomotorischen Beschwerden eine Hormonersatztherapie angeboten werden“, sagt Professor Sauer vom RBK. Das führe bei 75 Prozent der Betroffenen zu einer Symptomreduktion – „solange keine Kontraindikationen bestehen“.
Die Behandlung, kurz HRT genannt, zielt darauf ab, den Hormonspiegel im Körper wieder auszugleichen, wenn dieser aufgrund verschiedener Faktoren abgesunken ist. Die Ersatzhormone werden als Tabletten eingenommen oder über Pflaster, Cremes, Gele oder Sprays über die Haut. „Die HRT ist allerdings durch die Veröffentlichung dreier Studien und deren Fehlinterpretation vor etwa 25 Jahren in Verruf geraten, weil relevante Risiken wie eine vermeintlich erhöhte Infarkt- und Thrombosegefahr beobachtet wurden.“ Bis heute seien die Verordnungen daher stark rückläufig – „das ist aber nicht gerechtfertigt“, so Sauer. Trotzdem sollten Notwendigkeit, Nutzen und Risiken einer HRT ausführlich ärztlich abgeklärt werden.
Weitere, nicht hormonelle Therapieansätze sind eine Änderung des Lebensstils: „Regelmäßiger Ausdauersport kann helfen“, so Sauer. Gleiches gelte für eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht. Auch Entspannungsübungen und Yoga versprechen eine Linderung. Zudem wird oft auch Akupunktur, Hypnose sowie eine kognitive Verhaltenstherapie empfohlen. So manche Frau schwört auf pflanzliche Mittel, auch wenn hier die Wirkung klinisch nicht unbedingt nachgewiesen ist: etwa auf Traubensilberkerze und Salbei. „Phytotherapeutika wie Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze) entfalten ihre moderate Wirksamkeit gegen Hitzewallungen vermutlich über eine Wirkung im Serotoninstoffwechsel des zentralen Nervensystems“, erklärt Sauer. Die Sicherheit vieler Präparate sei aber ungewiss. Und Nutzerinnen von Cimicifuga-Produkten sollten unbedingt registrierte Arzneimittel verwenden.
2. Schlafstörungen
Auch Schlafstörungen können die Lebensqualität erheblich beeinflussen „Hier gilt es zu ermitteln, was die Ursachen dafür sind“, so Sauer. Diese seien zumeist multifaktoriell und nicht immer allein auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen. „Vielmehr kommen hier viele weitere Veränderungen zusammen, auch des sozialen Umfelds und des eigenen Rollenbilds in Familie und Beruf.“ Denn die Zeit der Wechseljahre ist häufig von großen Umbrüchen geprägt – etwa, weil die Kinder das Haus verlassen oder die eigenen Eltern pflegebedürftig werden. Sollte im Leben alles im Einklang und Harmonie sein, was laut Sauer „recht unwahrscheinlich ist“, und „nur“ die Perimenopause oder Menopause für die Schlafstörungen verantwortlich sein, seien folgende Maßnahmen in Kombination möglich: Sport, Verzicht auf Alkohol (oder zumindest eher gemäßigter Konsum am Mittag statt abends), kleine, leichte Abendmahlzeiten, Gewichtsreduktion (wenn Übergewicht). Zudem könne über die Einnahme eines „bioidentischen Gestagens (Progesteron 200mg) zur Nacht“ nachgedacht werden: „Das bindet direkt an den GABA-Rezeptor im Gehirn, welcher eine große Rolle in der Regulierung von Schlaf und Angst spielt.“
Wie sieht es generell mit pflanzlichen Mitteln aus? „Keuschlammfrüchte wie Mönchspfeffer können den Menstruationsyklus regulieren und somit mögliche Blutungsstörungen positiv beeinflussen“, sagt Sauer. „Doch bei Produkten mit Soja, Rotklee, Hopfen, Rhabarberwurzelextrakt und so weiter sind Studienergebnisse über die Wirksamkeit uneinheitlich und deren Nutzen letztlich nicht geklärt.“
Generell sollte man auf Schlafhygiene achten – „Unter anderem sollte man stets zur etwa gleichen Uhrzeit ins Bett gehen. Das Schlafzimmer sollte dunkel und kühl sein“, empfiehlt Verena Buchinger-Kähler, die ärztliche Leiterin der Buchinger-Wilhelmi-Fastenklinik am Bodensee.
3. Konzentrationsprobleme
Viele Frauen erleben während dieser Zeit Vergesslichkeit, Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und zu fokussieren und eine allgemeine Beeinträchtigung der geistigen Klarheit. Denn der sinkende Östrogenspiegel beeinflusst die Durchblutung des Gehirns und kann die kognitive Funktion beeinträchtigen. Das wird oft als „Gehirnnebel“ oder „Brain fog“ bezeichnet, der durch Stress sowie Hitzewallungen und Schlafstörungen, die ebenfalls während der Wechseljahre auftreten, verstärkt wird.
Auch hier gilt: ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann helfen, die Symptome zu lindern. Zudem kann man Methoden zur Stressreduktion wie Meditation oder Yoga einsetzen. Auch Gehirntraining wird von Experten empfohlen, etwa das Erlernen einer neuen Sprache – zur Förderung der kognitiven Funktionen.
4. Stimmungsschwankungen
Innere Unruhe, Reizbarkeit, Ängstlichkeit, Traurigkeit, ja sogar depressive Verstimmungen sind in den Wechseljahren nicht unüblich. Denn der sinkende Östrogenspiegel kann sich auch auf die Stimmung auswirken. Experten empfehlen eine Kombination aus verschiedenen Ansätzen. Dazu gehören erneut eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung und ausgewogener Ernährung, Entspannungstechniken, eine Hormontherapie nach ärztlicher Beratung und gegebenenfalls pflanzliche Mittel wie Johanniskraut, Baldrian oder Salbei.
Zudem ist wichtig, die Wechseljahre als eine natürliche Phase im Leben zu akzeptieren und sich Unterstützung zu suchen, etwa bei Freunden oder auch bei Experten wie Ärzten und Psychologen, wenn die Stimmungsschwankungen belastend werden.
5. Angststörungen
Hormonelle Veränderungen können auch zu Angstzuständen und Panikattacken führen, die oft mit körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Schwindel, Desorientierung oder Kurzatmigkeit verbunden sind. Manchmal hält die Attacke nur wenige Sekunden an – in anderen Fällen kann sie bis zu 30 Minuten dauern. Es ist wichtig, die Ursachen zu verstehen und geeignete Strategien dagegen zu finden. Denn wer Angstzustände und Panikattacken erlebt, verbunden mit körperlichen Symptomen, neigt dazu, sich in weitere Ängste hineinzusteigern – etwa in die Angst vor einem Herzinfarkt.
Es gibt dagegen keine Allheilmittel. Aber genügend Schlaf sowie gesunde Ernährung mit ausreichend Flüssigkeit gibt physische und psychische Stabilität. Sauerstoffmangel kann eine Panikattacke verstärken. Daher kann das Erlernen von Atemtechniken in Stresssituationen Linderung bringen. Experten gehen zudem davon aus, dass auch das Älterwerden generell die Seele belasten kann. Eine frühzeitige Auseinandersetzung damit ist wichtig.
„Bei den Wechseljahren handelt es sich um eine Zeit extremen Umbruchs“, sagt Verena Buchinger-Kähler. Es beginne eine Phase, in der die Reproduktion in Nicht-Reproduktion übergeht. „Viele fragen sich: Bin ich dadurch weniger Frau? Wo stehe ich? Wo kann es hingehen?“ Es sei ein Abschiednehmen, ein Loslassen auf vielen Ebenen – „und auch eine Riesenchance“, so die Ärztin weiter. Das sei auch beim Fasten so, es bedeute ebenfalls Loslassen und Neubeginn – und sei zudem gut geeignet, um Beschwerden zu lindern.
6. Gewichtszunahme
Der Körper verbraucht im Alter weniger Energie, der Stoffwechsel verlangsamt sich, Muskelabbau schreitet voran, gleichzeitig bewegen sich viele weniger, passen aber ihr Essverhalten nicht an – all das führt dazu, dass man zunimmt. Zusätzlich Hormonveränderungen zu Gewichtszunahme und zu einer veränderten Fettverteilung führen. „Vor allem sammelt sich mehr Bauchfett an“, erklärt Verena Buchinger-Kähler. „In der Menopause sinkt dann zudem der Grundumsatz: Durch den Wegfall des Zyklus verbrennen wir täglich etwa 250 Kalorien weniger. Man muss also aktiv gegensteuern.“ Etwa mit Sport, wobei hier auch Krafttraining empfehlenswert ist.
7. Verändertes Sexualleben
Sexuelle Lust ist in jeder Lebensphase individuell. Einige Frauen berichten in den Wechseljahren zwar von einer gesteigerten Libido, die meisten Betroffenen berichten jedoch von einem Rückgang des Verlangens. Eine Ursache hierfür ist oft auch Scheidentrockenheit, wodurch Sex als schmerzhaft empfunden wird. Hier können Gleitmittel oder Hormoncremes helfen. Zudem sollte man mit dem Partner oder der Partnerin offen über die Gefühle sprechen.
Wer weiterhin sexuell aktiv ist und sich fragt, ob Verhütung noch nötig ist: „Die optimale Fertilität einer Frau liegt zwischen dem 20 und 29. Lebensjahr und beträgt pro Zyklus eine Schwangerschaftsrate von 80 Prozent. Ab dem 40. Lebensjahr liegt diese nur noch bei knapp 13 Prozent“, so Professor Sauer. Verhütung sei dennoch notwendig. „Ab 40 sollte diese jedoch wegen des erhöhten Thromboserisikos nicht mit einer Kombinationspille erfolgen.“ Besser sei eine Hormonspirale, auch eine Kupferspirale sei möglich, zudem alleinige Gestagenpillen. Ein weiterer Aspekt: Wer Kondome benutzt, schützt sich vor Geschlechtskrankheiten.
8. Harnwegsinfektionen
Östrogenmangel führt unter anderem zu einer Verdünnung der Schleimhäute in Harnwegen und Scheide, was das Eindringen von Bakterien erleichtert und so das Risiko von Harnwegsinfektionen erhöht. Da der natürliche Schutz durch Milchsäurebakterien zurückgeht und die Scheide trockener wird, können Keime ebenfalls leichter eindringen und sich ansiedeln. Daher sollte man in den Wechseljahren besonders darauf achten, genügend zu trinken. Treten immer wieder Probleme auf, sollten Betroffene mit ihrem Arzt sprechen, denn wiederholte Infekte sind nicht nur schmerzhaft, sondern können auch zu Blasenkrebs führen.
9. Urininkontinenz
Es ist ein heikles Thema: Wer seine Blase nicht kontrollieren kann, spricht lieber nicht darüber. Obwohl in Deutschland etwa jede vierte Frau zwischen 40 und 50 Jahren von Urininkontinenz betroffen ist. Bei den über 80-Jährigen sind es sogar 40 Prozent. Das liegt erneut unter anderem am Östrogenmangel. Er schwächt etwa den Beckenboden, der für die Kontrolle der Blase und den Verschluss der Harnröhre wichtig ist. Zudem führen dünnere Schleimhäute dazu, dass die Blase reizbarer wird – und anfälliger für Infektionen (siehe oben). Bei einer gereizten Blase erhöht sich außerdem der Harndrang.
Was also tun? Gezielte Übungen stärken die Beckenbodenmuskulatur und verbessern so die Kontrolle über die Blase. Eine ballaststoffreiche Ernährung und genügend Flüssigkeit können Verstopfung vorbeugen, die den Beckenboden zusätzlich belastet. Auch eine HRT könnte helfen, das sollte ärztlich besprochen werden. Inzwischen gibt es auch gut tragbare Inkontinenzeinlagen, die im Alltag vor peinlichen Momenten schützen können.
10. Gelenkbeschwerden
Der Abfall des Östrogenspiegels kann zu einer verminderten Flüssigkeitsversorgung der Gelenke und einer erhöhten Anfälligkeit für Entzündungen führen. Gelenkschmerzen können zudem durch Veränderungen des Bindegewebes entstehen. Auch kann es zu schnellerem Abbau von Knochen und Muskeln kommen, was ebenfalls Gelenkbeschwerden verstärken kann. Die Schmerzen treten dabei vor allem morgens nach dem Aufstehen auf.
Was hilft? In manchen Fällen ist eine Hormonersatztherapie erforderlich. Doch auch Physiotherapie, regelmäßige, schonende Bewegung durch Radfahren und Spazierengehen sowie kleine Maßnahmen wie Selbstmassage, etwa mit Rosmarinöl, das die Durchblutung anregt, können Beschwerden lindern.
Eine weitere Möglichkeit kann auch hier das Fasten sein: „Wir sehen häufig, dass bei Patienten mit Gelenkproblemen die Schmerzen dadurch nachlassen“, erklärt Buchinger-Kähler. Auch Studien belegten, dass die Gelenke profitieren. „Fasten wirkt nämlich entzündungshemmend und antioxidativ.“ So manche Frau in den Wechseljahren lande beim Rheumatologen. „Das müsste nicht sein – vor allem nicht, wenn man auf ausgewogene, antientzündliche Ernährung achtet.“ Der Fokus liegt dabei unter anderem auf Gemüse wie Mangold und Spinat, Hülsenfrüchten, Nüssen und fettreichem Fisch wie Lachs. Auf Zucker, Weißmehl und Wurstwaren sollte man eher verzichten.