Nach 29 Jahren wird das Zuhause der Tauchschule Seelbach abgerissen. Birgit und Johannes Waschpusch blicken auf eine ereignisreiche Zeit zurück.
Zahlreiche Taucheranzüge hängen an der Garderobe, Schwimmnudeln stapeln sich auf einem Schrank und der Kühlschrank ist gefüllt – noch. Denn die Tauchschule Seelbach blickt ihrem Ende entgegen. Ende des Jahres werden Birgit und Johannes Waschpusch ihr Heim am Sportplatz verlassen.
„Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Johannes Waschpusch. Der Abschied sei dem Ehepaar zwar schwer gefallen, doch sind sie sich sicher: Sie haben in ihrem Leben viel erlebt – und anderen Menschen viel Freude bereitet.
Die Geschichte der Tauchschule Seelbach ist eng mit einem Namen verknüpft: Jean-Pierre Mangeot. Der gebürtige Franzose kam in den 1960er-Jahren nach Lahr, ließ sich beruflich in Seelbach nieder und gründete 1979 parallel zu seinem Betrieb die erste Tauchschule in der Ortenau. Unter ihm lernte Johannes Waschpusch das Tauchen, nachdem ihm das Hobby Mitte der 1980er-Jahre bei einem Urlaub in Südfrankreich in den Bann zog. „Wie es dann halt so läuft“, erzählt Waschpusch, wurde er später selbst Ausbilder in der Tauchschule und übernahm sie 1996.
Altes FSV-Sportheim wird neues Zuhause
Parallel ereignete sich ein Glücksfall: Der FSV Seelbach baute sich ein neues Sportheim, das alte stand fortan leer und die Tauchschule durfte einziehen. Im Mai 1997 „ging es richtig los“, erinnern sich die beiden Tauchlehrer. Das Domizil diente nicht nur als Aufbewahrungsort für alle nötigen Schwimm- und Tauchutensilien, sondern auch als sozialer Treffpunkt nach den Kursen, wo sich die Taucher bei einem kühlen Getränk an vergangene Reisen erinnern und „die Tiere, die man gesehen hat, immer größer wurden“, berichtet Johannes Waschpusch lachend.
Stichwort Reisen: Neben den Schwimm- und Tauchkursen im fußläufig erreichbaren Seelbacher Familienbad und im Apostelsee bei Ettenheim haben die Waschpuschs spektakuläre Expeditionen unternommen. Rund 30 Mal ging es nach Ägypten, später auch nach Papua-Neuguinea, Palau, Mexiko oder auf die Malediven. „Wir haben sehr viel von der Welt gesehen“, meint Johannes Waschpusch. „Es war schon etwas ganz besonderes mit Hunderten von Haien zu tauchen oder mit einer Robbe zu schwimmen, die mit einem gespielt hat“, blickt er auf einige Höhepunkte zurück. Und wo war es am schönsten? Die Galapagos-Inseln, die Insel Socorro bei Mexiko und Costa Rica, sind sich Birgit und Johannes Waschpusch einig.
Schließen muss die Tauchschule nun deshalb, da ihr Zuhause endgültig abgerissen werden soll. Eigentlich, erzählt Johannes Waschpusch, war dies schon vor 29 Jahren nach dem Auszug des FSV geplant. Die Hütte steht auf einer potenziellen Hochwasserfläche. „Das hat sich aber immer wieder hinausgezögert“, so der Leiter. 2011 stand die Tauchschule deshalb das erste Mal vor dem Aus, „da hat es sich aber im Sande verlaufen“. Nun seien jedoch die Bestrebungen noch einmal ernst geworden und Birgit und Johannes Waschpusch ziehen den Schlussstrich. „Das ist auch okay. Ich bin jetzt 61 Jahre alt, irgendwann ist es gut“, meint Johannes Waschpusch. Seine Frau ergänzt: „Wir hatten ein tolles Abschlussfest, bei dem wir uns für die vielen Jahre bedankt haben. Es war eine tolle Zeit.“
Dank des Ehepaars gilt auch der Gemeinde
Der Dank des Ehepaars, das in Ringsheim wohnt, gilt auch der Gemeinde, die sie immer unterstützt hätte. „Alle Bürgermeister haben anerkannt, dass wir auch Rettungsschwimmer sind und so durften wir auch außerhalb der Öffnungszeiten ins Schwimmbad. Und wir mussten nur normalen Eintritt zahlen“, so Birgit Waschpusch. Auch an den FSV habe man „keine überzogene Miete“ zahlen müssen.
Wenn Ende des Jahres endgültig Schluss ist, schließt in Seelbach eine wahre Institution. Die Leiter der Tauchschule schätzen, dass rund 1000 Kinder in all den Jahren hier das Schwimmen gelernt haben. Hinzu kommen 2000 Erwachsene, die den Tauchschein gemacht haben. Das Einzugsgebiet erstreckte sich dabei bis Karlsruhe – ein Zeichen für den guten Ruf der Tauchschule, die, wie Johannes Waschpunsch berichtet, „niemals Werbung machen“, musste. Seit 2001 war die Tauchschule zudem fester Bestandteil des Ferienprogramms der Gemeinde – und jährlich einer der Höhepunkte.
Ehepaar will weiter Tauchreisen veranstalten
Ganz aus den Köpfen verschwinden wird die Tauchschule aber noch lange nicht. Zum einen lassen es sich Birgit und Johannes Waschpusch nicht nehmen, weiterhin Tauchreisen zu veranstalten. Im kommenden Jahr geht es nach Indonesien. Zum anderen habe sich Annika Meier, die der Tauchschule seit Kindheitstagen eng verbunden ist, bereit erklärt, die Schwimmkurse mit Unterstützung ihres Vaters Achim Meier weiterzuführen, damit die Seelbacher Kinder auch weiterhin schwimmen lernen können. „Das ist auch wirklich wichtig.“
So gefasst sich Johannes Waschpusch beim Besuch unserer Redaktion auch gibt – wenn die Hütte tatsächlich abgerissen wird, wird er emotional werden, kündigt er an: „Ich habe schon zu Achim gesagt, dass wir Urlaub nehmen und mit einem Bier in der Hand zuschauen werden.“ Dann werden die beiden sicher viele schöne Erinnerungen austauschen – und die in all den Jahren beobachteten Tier noch ein Stück wachsen lassen.
Lob vom Bürgermeister
Zur Abschiedsfeier Anfang November war auch Bürgermeister Michael Moser gekommen. Er würdigt die Tauchschule Seelbach in einem Beitrag im Amtsblatt: „Die Tauchschule Seelbach war über viele Jahre weit mehr als ein Ort des Sports – sie war ein Ort der Begegnung, des Lernens und der Begeisterung. Besonders dankbar sind wir für die unzähligen Stunden Schwimmunterricht, in denen unserem Nachwuchs das Schwimmen beigebracht wurde. Jeder weiß, wie wichtig es ist, sicher schwimmen zu können.“ Entsprechend froh zeigt er sich über die Lösung, dass es dank Annika Meier weiterhin Schwimmkurse gibt.