Für Schwimmkurse für Kinder gibt es lange Wartelisten. Kurse für Erwachsene sind rar gesät. Die DLRG-Ortsgruppe Kandern bietet demnächst einen Kurs Brustschwimmen für Erwachsene an.
Die Ortsgruppe Kandern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bietet vom 24. Juli bis 12. August einen Kurs Brustschwimmen für Erwachsene unter der Leitung von Peter Rotthaus und Marina Haas an. Dieser findet an fünf Abenden und drei Vormittagen im Kanderner Freibad statt.
Was an Schwimmkursen für Erwachsene anders ist, erklärt die Technische Leiterin der Ortsgruppe, Steffi Preusch, im Gespräch mit unserer Zeitung.
Knapp 25 Prozent der deutschen Bevölkerung können nach eigenen Angaben gar nicht oder nur schlecht schwimmen, schreibt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit Verweis auf eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), da müsste die Nachfrage nach Schwimmkursen für Erwachsene doch recht hoch sein?
Theoretisch ja. Praktisch haben wir im Kurs „Brustschwimmen für Erwachsene“ noch zahlreiche freie Plätze.
Was ist bei Kursen für Erwachsene anders als bei Kinderkursen? Lernt es sich mit zunehmendem Alter schwerer?
Erwachsene lernen anders als Kinder. Statt einfach auszuprobieren und zu lernen, denken Erwachsene mehr, wollen erst verstehen, was sie tun und es von Anfang an perfekt können. Die Kombination aus Perfektionismus und Ungeduld macht es manchmal nicht leicht, sich auf neue Übungen einzulassen. Zudem haben einige Erwachsene bereits Vorkenntnisse, welche nicht immer korrekt und hilfreich sind.
Vielen Erwachsenen ist es vielleicht peinlich, wenn sie nicht schwimmen können. Gibt es Leute die sich deshalb nicht trauen?
Derzeit ist noch nicht genau bekannt, warum die Nichtschwimmerkurse für Erwachsene nur wenig angenommen werden. Es könnte an der gewählten Kurszeit liegen oder auch an einer gewissen Hemmschwelle, sich als Nichtschwimmer zu erkennen zu geben. Schwimmen zu lernen, ist jedoch in jedem Alter möglich und sinnvoll. Wir möchten hier gezielt unterstützen und ermutigen.
Wie alt sind die Teilnehmer der Erwachsenen-Schwimmkurse?
Die Kurse sind für Menschen ab 16 Jahren ausgeschrieben. Im Brustschwimmen liegt der Schnitt aktuell bei 38 Jahren. Im bereits laufenden Kraul-Kurs sind die Teilnehmer im Schnitt 49 Jahre alt.
Laut Umfrage der DLRG ist die Zahl der Nichtschwimmer unter Migranten doppelt so hoch. Wird diese Zielgruppe auch mit den Kursen erreicht?
Unsere Kurse werden derzeit ausschließlich in deutscher Sprache angeboten. Was aber nicht bedeutet, dass wir jemanden abweisen. Die DLRG bekennt sich klar zur Vielfalt und Inklusion. Jeder ist herzlich willkommen.
Die Ortsgruppe Kandern bietet diesen Sommer je einen Kurs zum Kraulschwimmen und zum Brustschwimmen an. Was ist einfacher zu lernen? Ist es besser mit Kraul- oder mit Brustschwimmen anzufangen?
Bei Kinderschwimmkursen ist diese Frage sehr umstritten. Brustschwimmen ist die am weitesten verbreitete und bekannteste Schwimmart. Daher wird sie oft auch als vertraute Schwimmart zuerst erlernt.
Da das Kraulschwimmen dem natürlichen Bewegungsablauf des Gehens deutlich mehr ähnelt als das Brustschwimmen, wäre es intuitiver zu erlernen. Erfahrungsgemäß überwiegt jedoch der Drang nach Orientierung, was beim Brustschwimmen ein großer Vorteil ist. Deshalb starten wir mit unseren Schwimmschülern zunächst mit dem sicheren Brustschwimmen
Bei den Kinderschwimmkursen gibt es eine lange Warteliste. Wie lange müssen Elternbeziehungsweise Kinder warten?
Die Wartezeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. So müssen die Kinder das Mindestalter von fünf Jahren erreichen. Mittlerweile haben sich die langen Wartezeiten herumgesprochen, so dass wir bereits Kinder ab einem Jahr auf der Liste finden. In der Regel muss man derzeit mit zirka anderthalb Jahren rechnen.
Was braucht die DLRG um das Angebot auszubauen und die Wartezeit zu verkürzen?
Uns fehlen Trainer. Es wird nicht einfacher, Trainer ins Team zu bekommen. Die Hürden fürs Ehrenamt werden immer höher, und bei den Interessen des Nachwuchs steht der Weg zum Ausbildungsassistent/Ausbilder nicht an erster Stelle.
Was muss jemand tun, der die DLRG als Schwimmausbilder unterstützen will?
Wer die DLRG als Schwimmausbilder unterstützen möchte, sollte vor allem Freude am Umgang mit Menschen und am Schwimmen mitbringen. Wichtig ist, dass man selbst sicher schwimmen kann – idealerweise mindestens auf dem Niveau des Deutschen Rettungsschwimmabzeichens in Silber. Wer noch keine Ausbildung hat, kann bei der DLRG entsprechende Lehrgänge absolvieren, um Schwimmausbilder zu werden. Auch Engagement, Teamgeist und etwas Zeit für regelmäßige Einsätze sind gefragt. Des Weiteren ist eine Voraussetzung die Teilnahme an einem PSG-Workshop (Prävention sexuelle Gewalt). Wünschenswert wäre es, wenn alle Ausbilder mindestens die Qualifikation des Ausbildungsassistent schwimmen nachweisen könnten. Dies ist derzeit jedoch noch nicht gegeben. Da diese Kurse mindestens zwei Wochenenden beanspruchen und oft nicht in der direkten Umgebung angeboten werden.
Info und Anmeldung auf der Internetseite kandern.dlrg.de oder per E-Mail an ausbildung@kandern.dlrg.de. Anmeldeschluss ist am Dienstag 15. Juli.
Steffi Preusch
Die technische Leiterin
der DLRG-Ortsgruppe Kandern ist 31 Jahre alt.
Als Lehrschein-Inhaberin
ist sie Ausbilderin für die Bereiche Schwimmen und Rettungsschwimmen. Außerdem bringt sie als Medizinische Fachangestellte Know-how im Bereich Erste Hilfe mit.