Andreas Fath steht im Ganges und sammelt dabei Wasserproben ein. Foto: McMillan

Andreas Fath wagte sich für sein neustes Projekt in den Ganges. Zurück spricht er über seine Eindrücke und erklärt, warum er trotz der Wasserverschmutzung optimistisch bleibt.

Es ist ein Fluss der extremen Gegensätze: der Ganges in Indien. Für Millionen von Menschen ist der rund 2600 Kilometer lange Strom heilig – gilt als Göttin. Gleichzeitig ist die Verschmutzung des Flusses enorm. Das rief den Haslacher Andreas Fath, auch bekannt als „der schwimmende Professor“, auf den Plan. Öffentlichkeitswirksam durchschwamm er bereits Rhein, Donau oder den Tennessee River – immer mit dem Ziel, auf die Bedeutung von sauberen Gewässern hinzuweisen.

 

Und nun der heiligste Fluss der Hindus. Anders als bei seinen früheren Flüssen ging Fath nur kurz ins Wasser. Zu groß ist der Grad der Verschmutzung und damit die Gefahr für die Gesundheit. „Drei mal war ich im Wasser“, berichtet Fath im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein symbolischer Akt, so Fath. Zu sehen sein wird die Aktion auch in einem Film, der Faths Projekt „Blue Source India“ dokumentiert.

Schon im vergangenen Jahr habe er Kontakt zu Universitäten, Forschern und Studenten in Indien aufgenommen, berichtet Fath. Im Januar ging es dann für Faths Team nach Indien und an den Ganges. An Bord waren Mitarbeiter seiner gemeinnützigen Organisation „H2Org“ und Studenten. Station machte der Professor von der Hochschule Furtwangen unter anderem in Varanasi. Die Millionenstadt gilt als die heiligste im Hinduismus.

Glaube, dass der Fluss die Seele reinwäscht

Aufgrund der spirituellen Bedeutung werden dort am Ganges-Ufer die Leichname Verstorbener verbrannt. Hinzu kommen abertausende Menschen, die sich in religiösen Ritualen jeden Tag im Fluss waschen – trotz des dreckigen Wassers. Die spirituelle Bedeutung des Stroms wirkt sich auch auf das Verhältnis der Einwohner zum verunreinigten Wasser aus. „Die Bevölkerung glaubt daran, dass der Ganges Seelen reinwäscht. Und deshalb haben sie auch das größte Vertrauen, dass ihre Gottheit auch mit Plastik und Verschmutzung zurechtkommt, alles einfach fortträgt“, berichtet Fath in einer Mitteilung der Hochschule Furtwangen.

Gerade die ältere Bevölkerung von dem Problem der Wasserverschmutzung zu überzeugen, sei schwierig. Es fehle an Bildung mit Blick auf die Wasserverschmutzung, so Faths Beobachtung. Allerdings: Er wolle nicht mit dem Finger auf Indien zeigen. Auch in Deutschland habe es lange gedauert, bis die Verschmutzung der Gewässer – etwa durch Mikroplastik – ernst genommen wurde.

Trotz der Missstände und der extremen Verschmutzung des Ganges hat Fath einen optimistischen Blick.

Wasserproben werden jetzt analysiert

„Diese Kontroverse finde ich anziehend und spannend“, erzählt er. Er habe auf seiner Reise viel Energie und Enthusiasmus bei den Menschen vor Ort erlebt. „Da ist was in Bewegung. Das motiviert mich“, schildert Fath. In Erinnerung blieb etwa eine zufälligen Begegnung in einem Frühstücksrestaurant mit zwei Schulklassen.

Spontan wurde daraus ein improvisiertes Klassenzimmer, eine Aufklärungseinheit zum Thema Gewässerschutz, die mit großen Augen und tiefster Betroffenheit aufgenommen wurde. „Wir mussten bei allen, die wir trafen, erst das Verständnis wecken, dass wir Menschen diesem Fluss helfen müssen“, so Fath. Dieses Anliegen in die indischen Schulen zu bringen, könne ein Antrieb sein.

Die kurzen Schwimmeinlagen im Ganges habe er gut überstanden, erzählt Fath. Dabei sammelte er auch zahlreiche Wasserproben ein. Diese werden nun zurück in Deutschland genauer untersucht. Aber schon in Indien gab es erste Untersuchungen des „heiligen“ Ganges-Wassers. „Ich hatte Agarplatten dabei. Auf dem Warmwasserboiler unserer Unterkunft haben wir die Abstriche ‚bebrütet‘ – und da war nach drei Tagen weit mehr drauf als bei allen anderen Flüssen zusammengenommen“, berichtet Fath. Auch bei seinen früheren Expeditionen wurde so das Wasser auf die bakterielle Verunreinigungen untersucht.

Film

Andreas Fath wurde bei seinem Projekt „Blue Source Indien“ mit der Kamera begleitet. Im April soll der Film fertig geschnitten sein, erklärt er. Damit die Dokumentation viele Menschen erreichen kann, soll sie auch in englischer und indischer Sprache erscheinen, heißt es in der Mitteilung der Hochschule Furtwangen.