Das Rheinschwimmen in Basel ist beliebt – aber auch nicht ganz ungefährlich. Unbeaufsichtigt wird das Baden im Fluss noch riskanter. (Archivbild). Foto: zVg/Wild

Die meisten Badeunfälle passieren in offenen Gewässern. „Der Fluss ist kein Freibad“, sagt David Lehr von der DLRG und spricht über die unterschätzen Gefahren.

Erst Mitte Juli gerieten sechs Personen in einen Strudel im Rhein bei Neuenburg-Grißheim. Im März starb ein Mann bei einem Badeunfall in einem Weiher im Dreiländergarten Weil am Rhein.

 

Gerade am Hochrhein gab es jüngst wieder mehrere solcher Badeunfälle in Flüssen oder Seen, bestätigt auch David Lehr von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) diesen traurigen Trend auf Nachfrage unserer Redaktion. Als Einsatzleiter im Bezirk Hochrhein ist er Experte in Sachen Rheinschwimmen und weiß um die Gefahren in offenen Gewässern.

„Der Rhein ist für eine schnelle Abkühlung grundsätzlich nicht geeignet. Auch wenn es bei heißen Temperaturen verlockend wirkt – der Fluss ist kein Freibad“, macht Lehr deutlich.

Viele überschätzen ihre Fähigkeiten

Viele Schwimmer würden ihre eigenen Fähigkeiten über- und dabei wiederum die Kraft der Natur unterschätzen, erklärt Lehr die Gründe für die Zunahme der Ertrinkungsfälle. „Flüsse wie der Rhein verändern ständig ihre Strömung und haben unbekannte Tiefen oder Hindernisse – wer das nicht richtig einschätzen kann, gerät schnell in Gefahr“, sagt Lehr. Zudem fehle es oft an Erfahrung, viele könnten eben nicht gut genug schwimmen für solch schwierige Bedingungen.

Ertrunkene Menschen in Deutschland 2024 nach Gewässern – eine Statistik der DLRG. Foto: Björn Locke

Hinzu komme, dass immer weniger Kinder richtig schwimmen lernen, was sich später bemerkbar macht. Auch Leichtsinn spiele eine Rolle: „Heißes Wetter verlockt zu unbedachten Sprüngen ins Wasser, manchmal begünstigt durch Alkohol oder Gruppendruck“, sagt Lehr. Und nicht zuletzt sei eben in offenen Gewässern keine Aufsicht da, die im Notfall sofort eingreifen könnte.

In den vergangenen Jahren ziehe es vermehrt Menschen an natürliche Badestellen – ob aus Abenteuerlust, weil Freibäder voll oder wie in manchen Regionen gar geschlossen sind, oder weil sie einfach die Nähe zur Natur suchen würden.

Gerade der Rhein übe auf viele einen Reiz aus: „An warmen Tagen sehen wir zahlreiche Schwimmer im Fluss, teils als spontane Abkühlung, teils als Trend, im Strom mitzuschwimmen“, erzählt Lehr. Doch je mehr Menschen ins freie Wasser gehen, desto höher sei auch die Wahrscheinlichkeit von Zwischenfällen. „Dieser Popularitätsschub bedeutet leider auch, dass wir häufiger gefordert sind, weil mehr Ungeübte in potenziell gefährliche Situationen geraten“, erklärt der DLRG-Einsatzleiter.

Die unterschätzten Gefahren lauern überall

Die größte unterschätzte Gefahr sei die Strömung – oft nicht sichtbar, aber enorm kräftig. Ein Fluss wie der Rhein ziehe sogar geübte Schwimmer mühelos mit – Strudel oder Wirbel könnten sie plötzlich unter Wasser drücken. Unter der Oberfläche lauern Baumstämme, Felsen oder alte Pfähle.

Auch Brückenpfeiler oder Schleusen in der Nähe würden tückische Strömungen verursachen. Ebenfalls oft unbekannt sei die Gefahr durch kaltes Wasser: „Die Temperaturunterschiede können bis zu Krampf- oder Ohnmachtsgefahr führen“, erklärt Lehr. All dies werde von Badegästen oft „dramatisch unterschätzt“.

Die nötigen Voraussetzungen für das Schwimmen

Also gilt: „Wer im Rhein schwimmen möchte, sollte auf jeden Fall ein ausgesprochen sicherer und ausdauernder Schwimmer sein.“ Und eine gute gesundheitliche Verfassung sei Grundvoraussetzung. Idealerweise habe man vorher an geführten Rheinschwimmen teilgenommen. Man sollte immer mit Begleitung oder mindestens unter Beobachtung vom Ufer aus in den Rhein gehen, so Lehr. Als Ausrüstung sollte eine auffällige Boje/Schwimmnudel oder ein geeigneter Drybag immer mit dabei sein, empfiehlt Lehr. Und ein Neoprenanzug beuge der Auskühlung vor.

Die Strömungsretter der DLRG sind für den Einsatz in Wildwasser geschult. (Archivbild) Foto: Alexander Anlicker

Ist das Schwimmen im Rhein überhaupt erlaubt?

Grundsätzlich ist das Schwimmen im Rhein auf eigene Gefahr vielerorts erlaubt, an bestimmten Abschnitten hingegen ausdrücklich verboten. Generell sind Bereiche in der Nähe von Wehren, Staustufen oder Kraftwerken absolut tabu, da dort Strudel, Sog und plötzlich wechselnde Pegel lebensgefährlich sein können. Ebenso sollte man Häfen und Schifffahrtsrouten meiden. In der Hochrheinregion gebe es eigentlich keine sicheren „Badewannenabschnitte“, da hier der Rhein meist kräftig und unreguliert fließe.

„Im Zweifel lieber verzichten, denn Erlaubnis heißt nicht, dass es ungefährlich ist“, warnt Lehr. Auf deutscher Seite gibt es am Hochrhein keine offiziellen Rhein-Badestellen mit Aufsicht, während in der Schweiz – etwa in Städten wie Basel – das Rheinschwimmen in bestimmten Zonen quasi „offiziell“ geduldet und gefördert wird. Die SLRG hat hier eine Karte mit den Basler Ein- und Ausstiegen und weitere Infos zum Rheinschwimmen.

Der gut gemeinte Tipp des Experten

„In unserer Region gibt es einige Badeseen, die wesentlich ungefährlicher sind als der Rhein.“ Wenn es dennoch unbedingt der Rhein sein soll, empfiehlt Lehr, an organisierten Rheinschwimmen teilzunehmen: Die DLRG Rheinfelden bietet etwa im Sommer wöchentliche begleitete Rheinschwimmtreffen an, bei denen ausgebildete Rettungskräfte sowie ein Rettungsboot dabei sind.

David Lehr empfiehlt an organisierten Rheinschwimmen teilzunehmen wie hier von der DLRG in Grenzach-Wyhlen. (Archivbild) Foto: Heinz Vollmar

„Kinder gehören nicht in den Rhein“

Beim Badeunfall in Neuenburg-Grißheim waren auch vier Kinder dabei und gerieten in Not. David Lehr sagt: „Kinder gehören nicht in den Rhein – auch nicht mit Schwimmhilfen.“