Wie geht es mit dem in die Jahre gekommenen Seedorfer Lehrschwimmbecken im Untergeschoss der Turn- und Festhalle weiter? Foto: Weisser

Eine in Auftrag gegebene Studie macht deutlich: Das Seedorfer Lehrschwimmbeckenmuss grundlegend erneuert werden.

Die Generalsanierung dürfte aber richtig teuer werden. Für die Gemeinde bahnt sich damit die nächste Herkules-Aufgabe an.

 

Tief schlucken mussten die Gemeinderatsmitglieder, als sie von den grob geschätzten Kosten erfuhren. Das Stuttgarter Büro 4a Architekten GmbH und die Kannewischer Ingenieurgesellschaft mbH aus Baden – Baden – beide Unternehmen beschäftigen sich vorwiegend mit dem Bau und der Erneuerung von Bädern – ermittelten für das ganzheitliche Sanierungskonzept des 1970 gebauten Lehrschwimmbeckens 6,5 Millionen.

Solide Bestandsbasis

Und dennoch plädierten sie für eine „Weiterverwendung der vorhandenen Bausubstanz und Nachführung in den nächsten Lebenszyklus mittels technisch vollständiger Sanierung“. Denn: Das Hallenbad weise baukonstruktiv und technisch eine solide Bestandsbasis auf.

Zudem reiche der räumliche Bestand mit den bereits angebauten Technik- und Lagerflächen für die Integration der neuen Anlagentechnik im Gebäude aus. Anbauten seien nicht erforderlich.

Was ist mit Förderungen?

„Wir brauchen jetzt nicht zu diskutieren, ob und wann wir diesen Betrag finanzieren können“, sagte Bürgermeister Peter Schumacher gleich vorweg. Im nächsten Schritt sei vielmehr zu prüfen, ob und welche Fördermöglichkeiten es gebe.

„Um mögliche Fördertöpfe anzapfen zu können, „müssen wir aber die Kosten haben“, erklärte der Schultes. Er erinnerte an die Aussagen des CDU-Landtagsabgeordneten Stefan Teufel zur Förderung von Bädern durch das Land beim Dunninger Bürgerempfang 2024. Bisher habe er – so Schumacher – davon jedoch noch nichts gehört.

Oder doch ein Neubau?

Die Planung soll nun bis zur Ausschreibungsreife vorangetrieben werden. Dafür rechnet die Gemeinde mit Kosten von 15 000 Euro. Gemeinderätin Elke Mauch fragte dazu nach.

Ratskollege Wolfgang Mauch sprach sich als einziger gegen eine Sanierung aus. „Ich bin weiter für das Lehrschwimmbecken, doch ich habe Bauchweh, das alte Ding zu sanieren“, meinte er. Mauch befürchtet, dass die 6,5 Millionen Euro für die Sanierung nicht ausreichen werden.

Er wollte von den Vertretern der beiden Büros wissen, was ein Neubau kosten würde. Eine genaue Zahl wurde zwar nicht genannt, die Schätzungen gingen Richtung 15 Millionen Euro.

Der Badebetrieb erfolge durch den Sportverein Seedorf, „ein Neubau auf der grünen Wiese bringt dem Sportpark nichts“, erwiderte darauf Schumacher. Derzeit funktioniere das Bad, „was aber morgen passiert, das wissen wir nicht“, sagte der Bürgermeister. Die Gemeinde verfüge dort über gute Mitarbeiter, doch wenn die Technik am Ende sei, „dann könnte es passieren, dass wir das Bad schließen müssen“.

Schäden im Deckenbereich

Die beiden Experten Andreas Ditschuneit (4a Architekten) und Andreas Sebus (Kannewischer Ingenieurgesellschaft mbH) erläuterten der Ratsrunde detailliert die Ergebnisse der Studie. An dieser war auch das Büro Kurz und Fischer, Beratende Ingenieure (Winnenden) beteiligt. Dieses führte die bauphysikalischen Voruntersuchungen durch.

Klare Botschaft: Die Betonkonstruktionen im Bad und im Technikbereich müssen instandgesetzt werden. Insbesondere der Deckenbereich über dem Schwimmbecken sei zu untersuchen und zu sanieren. Dort wurden Schäden festgestellt. An der Rippendecke in der Schwimmhalle und anderen Bereichen sei die Armierung teilweise sichtbar und korrodiert.

Große Sorge bereitet die technische Ausstattung

Aufgrund des altersbedingt schlechten Allgemeinzustands der Schwimmhalle und der Nebenräume werde ein Rückbau des gesamten Bereichs erforderlich. Alle Böden und Wandbeläge müssten bis auf den Rohbau zurück gebaut werden.

Die größten Sorgen bereiteten jedoch die Mängel und Defizite bei der technischen Ausstattung. Die sanitärtechnischen Anlagen für die Nutzungszonen Umkleide/Duschen sowie Badehalle inklusive zugehörigem Abwassernetz, Frischwasserverteilung sowie Warmwasserbereitung müsse man komplett ersetzen.

Komplettsanierung unumgänglich

Zwar seien bei der Teilsanierung im Jahr 2005 wesentliche technische Großbauteile erneuert worden. Damit habe man den laufenden Betrieb bis heute sicherstellen können. Jedoch hätten die technischen Anlagen in weiten Teilen „das Ende des Lebenszyklus erreicht beziehungsweise bereits weit überschritten“.

Um das Bad für die nächsten 25 bis 30 Betriebsjahre fit zu machen, sei eine technische Komplettsanierung unumgänglich. Mindestens ein Jahr würden die erforderlichen Arbeiten dauern, informierte Ditschuneit. In der mittelfristigen Finanzplanung waren für 2027 vorläufig Mittel von 1,4 Millionen Euro eingestellt.