Über 200 Besucher verfolgten die Debatte um das Naturbad – und viele beteiligten sich rege. Foto: Anja Bertsch

Buhrufe, Pfiffe und eine Flut an Fragen: Die Wogen schlugen hoch angesichts der Pläne für ein Naturbad. Die turbulente Ratssitzung endete mit einer klaren Ansage.

Auf immenses Bürgerinteresse stieß die Gemeinderatssitzung am Montag: Verliert sich üblicherweise eine Handvoll Dauer-Interessierter im Zuschauerraum, drängten sich dort diese Mal weit über 200 Besucher. Die absolute Mehrheit war in Sachen Schwimmbad vor Ort: Auf der Agenda stand ein Grundsatzbeschluss zur Freibadsanierung – und zwar in Richtung „Naturbad“.

 

Geballte Ablehnung

In weiser Voraussicht hatte die Verwaltung um Bürgermeister Dirk Harscher die Sitzung vom Ratssaal in die deutlich größere Stadthalle verlegt. Nicht kommen sehen indes hatte der Rathauschef die geballte Front an Ablehnung gegen die Naturbad-Pläne selbst und dagegen, dass ein solcher Aufbruch zu neuen Ufern – das Schopfheimer Naturbad wäre das erste im Landkreis Lörrach – ohne vorherige Info in die breite Bürgerschaft hinein oder auch nur an die direkt betroffenen Akteure gefällt werden soll.

Zahlreiche Kritiker

Schon im Vorfeld hatten sich zahlreiche Kritiker in Leserbriefen, auf Facebook und in der alltäglichen Begegnung vor Ort im Bad zu Wort gemeldet. In der Bürgerfragestunde zu Beginn der Gemeinderatssitzung nun gab es ebenfalls ausgiebig Gelegenheit, Bedenken anzubringen – über 45 Minuten hinweg und in Dutzenden von Fragen.

Sorgen auf breiter Front

Die Beiträge kamen aus ganz unterschiedliche Nutzergruppen: Sport- und Rettungsschwimmer aus Tri-Team und DLRG, die um Trainings- und Ausbildungsbedingungen fürchten, wenn das Wasser im Naturbad womöglich nicht die nötige Qualität und Sichttiefe hat, oder wenn das Bad aus hygienischen Gründen womöglich kurzfristig geschlossen werden muss. Frühschwimmer, die fürchten, dass sich „ihr“ Angebot wegen des Zeitaufwands für die Pflege eines Naturbeckens nicht voll aufrechterhalten lässt. Ein Familienvater, der wegen der vermeintlich drohenden Schließung des Innenbeckens um die Schwimmkurse für Kinder fürchtet. Und zahlreiche weitere Nutzer, die Sorgen wegen einer womöglich verkürzten Badesaison angesichts womöglich zu niedriger Temperaturen im Früh- und Spätsommer fürchten. Oder aber eine Begrenzung der Besucherzahlen oder gar akute Schließungen, wenn die Naturtechnik angesichts zu hoher Temperaturen und zu vieler Menschenkörper mitsamt ihrer Beigaben, sei’s Sonnencreme, sei’s Sonstiges, überlastet ist.

Buhrufe und Pfiffe

Eine Flut an Fragen also. Die Antworten darauf indes waren offenkundig weniger gefragt. So zumindest ließen sich die Buhrufe und Pfiffe aus dem Zuhörerraum deuten, als der Gemeinderat sich nach kurzer Sitzungsunterbrechung dagegen aussprach, den Tagesordnungspunkt ohne jegliche weitere Diskussion und Ausführungen abzusetzen. Dies hatte die CDU-Fraktion beantragt – stand damit aber den drei anderen Fraktionen allein gegenüber auf verlorenem Posten.

„Zentrale Infos fehlen“

CDU-Fraktionssprecher Thomas Kuri hatte zuvor argumentiert, dass es für einen Grundsatzbeschluss mangels Informationen zu früh sei: Kosten, Schließungsrisiko aus Hygienegründen, mögliche Begrenzung der Besucherzahlen, alternative Planungen und Konzepte über die beiden angefragten Büros (eins für Naturbäder, eins für die klassische Variante) hinaus: Alles Punkte, die bislang ebenso fehlten wie die öffentliche Beteiligung, die gerade beim Thema Schwimmbad und gerade bei einer solch fundamentalen Weichenstellung wichtig sei, so Kuri.

„Ich möchte Antworten“

Zahlreiche interessierte Bürger einerseits, eigens angereiste externe Fachleute andererseits: Das Setting der Sitzung sei doch gerade der ideale Rahmen, um diese zahlreichen offenen Fragen zu klären, argumentierte wiederum Hildegard Pfeifer-Zäh namens der übrigen Fraktionen. „Ich möchte, dass diese Fragen jetzt beantwortet werden“, hinterlegte die FW-Stadträtin – und kassierte dafür, ebenso wie später anderer Ratskollegen, Unmutsbekundungen der Zuhörer.

Im Folgenden bemühten sich der technische Beigeordnete der Stadt, Thomas Schmitz, Manfred Schnaible, langjähriger Bäderchef aus Gaggenau und Hardy Gutmann vom gleichnamigen Planungsbüro mit detaillierten Ausführungen und leidlichem Erfolg, Klarheit zu schaffen und die Wogen zu glätten.

Misstrauen gegen Technik

Wo der gemeinsamer Nenner zahlreicher Wortmeldungen zuvor das grundsätzliche Misstrauen ins Funktionieren der natürlichen Wasseraufbereitungs-Technik gegenüber der hergebrachten chemischen Wasseraufbereitung gewesen war, lag eben hier auch die Antwort der Experten: Hygiene, Wasserqualität, Einhalten von Minimal- und Maximal-Temperatur oder maximal verkraftbare Besucherzahlen: „Alles eine Frage sauberer Planung“, so Schmitz.

Die Anlagetechnik müsse schlichtweg passend ausgelegt sein – das gelte bei einer Chloranlage ebenso wie bei der Naturvariante. Hier wiederum dürfe und müsse man sich – bei der Frage der Wasseraufbereitung ebenso wie auf jeglichem andern Feld – auf die Planer verlassen.

In deren Namen wiederum verwies Hardy Gutmann in zahlreichen Detailausführungen auf die jahrelange Expertise seines Büros, bundesweit und auch in direkter Waldshuter Landkreis-Nachbarschaft. „Das ist ein System, das sich bewährt hat.“

Mehrheit für Naturbad

Letztlich sah die Mehrzahl der Gemeinderäte von SPD, Grünen und Freien Wählern die Fragen ausreichend beantwortet. Und die Argumente von der Kosten-Nutzen/Flächen-Abwägung über die Funktionsfähigkeit bis hin zum Argument der Nachhaltigkeit eindeutig auf Seiten des Naturbads.

Geschlossen stimmten Grüne, SPD und Freie Wähler gegen die (ebenfalls geschlossene CDU) dafür, die Sanierung in Richtung Naturbad voranzutreiben. „Ein Naturbad ist nahezu alternativlos und absolut zukunftsfähig“, so Bürgermeister Harscher abschließend.