Noch rollen im Mötzinger Baugebiet Röte III die Bagger, während der Gemeinderat mit dem Verkauf von 18 kommunalen Bauplätzen an den Start ging, die 2027 zur Bebauung bereitstehen. Foto: Uwe Priestersbach

Mit einem Update hat der Mötzinger Gemeinderat seine Bauplatz-Vergaberichtlinien für die Baugebiete Röte II und III an die veränderte Marktsituation angepasst.

„Die Dinge sind nicht einfacher geworden“, stellte Bürgermeister Benjamin Finis mit Blick auf die Veränderungen der weltpolitischen Lage fest – die sich auch auf Investitionsentscheidungen von Häuslebauern auswirken. Ab sofort führt die Gemeinde Mötzingen daher ein einheitliches Reservierungsverfahren für alle Wohnbauplätze ein.

 

Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr hatte man im Rathaus damit begonnen, Bauplätze in den Neubaugebieten Röte II und Röte III zu vermarkten. Dabei kamen unterschiedliche Vergabeverfahren zum Einsatz. So wurden Einfamilien- und Doppelhausbauplätze nach sozialen und ortsbezogenen Kriterien, Reihenhausbauplätze über ein Bieterverfahren und Mehrfamilienhausbauplätze per Losverfahren vergeben.

Nicht alle Bauplätze verkauft

Aufgrund der angespannten Marktlage und vereinzelter Absprünge von Interessenten konnten allerdings nicht alle Bauplätze verkauft werden. „Auch die Mötzinger haben uns nicht die Bude eingerannt“, machte Benjamin Finis jetzt deutlich, dass nicht so viele Ortsansässige die Chance auf einen Bauplatz genutzt hatten, wie man sich das im Rathaus gewünscht hatte.

Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, „wie wir die Vergaberichtlinien für Bauplätze sinnvoll gestalten“, so der Rathauschef. Erklärtes Ziel sei es, eine Einheitlichkeit herzustellen – und einen ebenso praxisnahen wie pragmatischen Ansatz zu wählen.

Einheitliches Reservierungsverfahren

Um diesen Prämissen gerecht zu werden, schlug die Verwaltung ein einheitliches Reservierungsverfahren nach dem sogenannten „Windhundprinzip“ für alle Wohnbauplätze vor. Davon verspricht man sich eine Vereinfachung der Grundstücksvergabe – und Bauamtsleiter Torsten Melzer betonte, „wir wollen mit dem Reservierungsverfahren ein Grundgerüst für alle Grundstücksarten einführen“. Das bedeutet, dass die Vergabe nach der zeitlichen Reihenfolge der eingegangenen Reservierungsanfragen erfolgt. Die Reservierungsgebühr beträgt 1000 Euro und wird bei Abschluss eines Kaufvertrags auf den Kaufpreis angerechnet.

Mehr Planungssicherheit und Flexibilität

Vom neuen Verfahren verspricht man sich im Rathaus mehr Planungssicherheit für Interessenten und mehr Flexibilität der Verwaltung, um entsprechend auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Darüber hinaus sorge es dafür, dass Bauplätze, deren Reservierungen verfallen, kurzfristig wieder auf den Markt gebracht werden können.

„Ich kann mit dem Reservierungsverfahren mitgehen“, erklärte Michael Hiller (MLi). Gabi-Maria Leins (MLi) sprach von einer „zeitgemäßen Lösung“. MLi-Rat Daniel Hampel wusste nicht so richtig, was er von den 1000 Euro Reservierungsgebühr halten soll – und er fragte sich, „ob das eine Hürde ist“. Für Stefan Ziegler (SPD) „sind die 1000 Euro sehr fair“. In seinen Augen ist das nun gewählte Verfahren „der einzig logische Schritt, den wir jetzt gehen müssen, um den Druck aus dem Kessel zu nehmen“.

Einstimmiger Beschluss des Gemeinderats

Einstimmig beschloss der Gemeinderat anschließend die Bauplatz-Vergaberichtlinien mit Reservierungsverfahren, um „damit ein einheitliches, flexibles und marktgerechtes Vergabeverfahren für alle Bauplatzarten zu schaffen“.

In derselben Sitzung gaben die Räte ebenfalls einstimmig grünes Licht für die Ausschreibung von 18 gemeindeeigenen Bauplätzen für Einfamilien- und Doppelhäuser im Baugebiet Röte III, die voraussichtlich Anfang 2027 zur Bebauung bereitstehen. Wie Torsten Melzer anmerkte, verspricht man sich im Rathaus von dieser ersten Tranche einen Gesamterlös von 4,5 Millionen Euro – wobei die Grundstückspreise bei 450 Euro pro Quadratmeter liegen.

„Wir wollen das Angebot am Markt platzieren“, machte Bürgermeister Finis deutlich, dass die Vermarktung mit der Schaltung regionaler Werbeanzeigen unterstützt werden soll. Gleiches gilt für die sechs kommunalen Bauplatzpaare für eine Doppelhausbebauung, von denen man sich einen Erlös von weiteren 1,8 Millionen Euro erhofft.