Per Schwertransport und über Umwege werden die beiden Kolosse des Windparks in Grömbach in den kommenden Wochen als Bausatz angeliefert. Ein schwieriges Unterfangen: Kurven sind zu eng, und es steht so einiges im Weg. Kann das weg? Es muss.
Nein, das vor wenigen Jahren umgestaltete Straßengeflecht um die Bacherkreuzung in Freudenstadt, wo die B 28, die B 294 und diverse weitere Straßen zusammenlaufen, ist nicht schon jetzt ein Sanierungsfall. Und, nein: Der Unfallschwerpunkt Durrweiler Kreuz an der L 404 vor Pfalzgrafenweiler wird noch nicht zum Kreisverkehr.
Die Bauarbeiten an diesen beiden Verkehrsknoten, inklusive Sperrungen, über die sich derzeit mancher Vorbeifahrende wundert, haben einen anderen Hintergrund. Und der befindet sich tief im Wald, oberhalb der Nagoldtalsperre.
Dort, im Gerechtigkeitswald auf Grömbacher Gemarkung, baut die EnBW Windkraftprojekte GmbH einen Windpark mit zwei Anlagen. Geplante Inbetriebnahme: 1. Dezember 2024. So jedenfalls steht es im „Projekttagebuch“. Und davor ist die „Lieferung der Windenergieanlagen“ vermerkt. Die wiederum sorgt im Nordschwarzwald für viel Wirbel, bevor sie begonnen hat.
Enztal
Die bepflanzten Kreisverkehre in Höfen an der Enz und Calmbach, zum Beispiel, nördlich von Bad Wildbad im Nachbarkreis Calw gelegen, waren ja ganz hübsch anzusehen. Jetzt sind es aber nur noch halbe grüne Inseln. „Rückbau“ nennt man einen Abriss heutzutage – und ohne den kommen sie nicht durch, die Schwertransporte mit dem Ziel Grömbach.
Laut Fahrplan der EnBW sind insgesamt zwölf solcher Fahrten geplant, jeweils mit Großkomponenten für die Windenergieanlagen an Bord: mal Rotorblätter, mal Turmteile, mal Maschinenhaus, Nabe und Triebstrang. Die Transporte kommen von Norden über Pforzheim – und eben Bad Wildbad – über die Bundesstraße 294, jeweils nachts zwischen 22 und 6 Uhr. Die Fahrten sollten am Montag, 16. September, beginnen. Nun komme es jedoch zu Verzögerungen, teilte die EnBW am Donnerstag mit.
Seewald
Da für einen Schwertransporter auf dem Weg von Bad Wildbad auf Höhe Seewald die kurze Route hinab zur Nagoldtalsperre und auf der anderen Seite wieder hinauf nach Grömbach allenfalls denkbar wäre, wenn er selbst Rotorblätter hätte und abheben könnte, reizt die EnBW für ihre Fracht die Bundesstraße 294 vollends aus – über Seewald bis nach Freudenstadt also. Wo es freilich neue Hindernisse gibt.
In Besenfeld sind diese noch vergleichsweise überschaubar. Straßenlaternen und Verkehrspfosten mussten in der Ortsdurchfahrt entfernt werden, gibt Bürgermeister Dominic Damrath Auskunft.
In Freudenstadt, beim Wechsel von der B 294 auf die B 28 Richtung Dornstetten an der Bacherkreuzung, sind steinerne Leitplanken in der Straßenmitte, vor allem aber die Kurve in der Auffahrt, das Problem. Und so ist die von der EnBW mit derlei Spezialaufträgen betraute Firma Wörmann-Team dort in dieser Woche ebenso mit Rückbau beschäftigt – diesmal von Betonklötzen und ganzen Geländeteilen.
Aber damit nicht genug. Weiter geht es über die B 28 Richtung Dornstetten, an der dortigen Zuberkreuzung geradeaus auf die L 404 und an Hallwangen und Herzogsweiler vorbei zum Durrweiler Kreuz. Wo derzeit niemand nach Kälberbronn abbiegen darf.
Damit der Schwertransporter dies aber in den kommenden Wochen kann, müssen laut Ralf Springmann von der Haupt- und Bauverwaltung in Pfalzgrafenweiler nicht nur Schilder und eine Mittelinsel entfernt, sondern auch der Kurvenradius erweitert und dort, wie zuvor schon in Freudenstadt, zur Stabilisierung des Untergrunds Fahrbahnplatten ausgelegt werden.
An der gesperrten Kreisstraße 4729 nach Kälberbronn wurde aus genannten Gründen schon vor Längerem Richtung Hotel Waldsägmühle ein Stück Wald beseitigt. Das Hotel selbst wiederum liegt an einer Kurve, und – man ahnt es schon – für die Schwertransporte bedarf es deshalb eines kleinen Schwenks über den Parkplatz. Im Dorf selbst mussten Straßenlampen, Treppengeländer und Bäume weichen. Und auch der Kälberbrunnen.
Hat der Fahrer es aber in den frühen Morgenstunden geschafft, auch Kälberbronn ohne Schäden an Ladung oder Umgebung hinter sich zu lassen, ist es nicht mehr weit bis zu den beiden Plätzen im Gerechtigkeitswald, wo die Fundamente für die Riesen bereits im Frühjahr gegossen wurden.
Übrigens: Den betroffenen Gemeinden und Anliegern wurde selbstverständlich vertraglich zugesichert, dass die baulichen Veränderungen hinterher zurückgenommen werden. Im Spätherbst gibt es also wieder Bautätigkeit entlang der Strecke – für den Wiederaufbau nach dem Rückbau.
Windpark Grömbach soll bis zu 5000 Haushalte mit Strom versorgen
Der Standort
Der Windpark Grömbach liegt südwestlich der Gemeinde, laut EnBW rund zweieinhalb Kilometer entfernt von der äußersten Wohnbebauung. Das Gebiet Gerechtigkeitswald, das derzeit forstwirtschaftlich genutzt wird, umfasst Flächen der Gemeinde Grömbach, von Privateigentümern und der Landesforstverwaltung Forst BW.
Die Anlagen
Die EnBW baut dort zwei Windkraftanlagen vom Typ Vestas V 136. Sie haben einen Rotordurchmesser von 136 Metern und eine Nabenhöhe von 169 Metern (inklusive einer Fundamenterhöhung von drei Metern) bei einer Leistung von 3,45/3,6 Megawatt. Das entspricht einer Gesamtleistung von 6,9/7,2 Megawatt. Diese Strommenge reicht laut EnBW „rein rechnerisch“ für die Versorgung von rund 5000 Haushalten. Über den Windpark könnten „rein rechnerisch“ rund 13 700 Tonnen CO2-Emissionen eingespart werden, so das Unternehmen.
Die Vorgeschichte
Anfangs war im Grömbacher Wald der Bau von sechs kleineren Windrädern geplant. Der damalige Bürgermeister Armin Pioch hatte nach der Zustimmung des Gemeinderats einen entsprechenden Vertrag mit der EnBW unterzeichnet. Dann wurden die Pläne geändert: Nun sollten statt sechs kleinen zwei große Windkraftanlagen gebaut werden. Während Pfalzgrafenweiler und Wörnersberg diesem Vorhaben zustimmten, versagte Grömbach nach der Ablehnung der Gemeinde Seewald dem Projekt „das gemeindliche Einvernehmen“. In Seewald und Grömbach gab es Bedenken wegen der Gesamthöhe der beiden Anlagen mit 237 Metern. Das Landratsamt, das ohnehin über die Genehmigung entscheidet, schaltete sich ein. Am Ende erteilte der Gemeinderat Grömbach im September 2022 mit fünf zu drei Stimmen doch das Einvernehmen und machte zur Bedingung, dass die Zufahrtsstraße gesichert wird und die Wasserleitung keinen Schaden nimmt, die forstrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen auf Gemarkung Grömbach umgesetzt werden und die CO2-Bilanz dem Konto der Gemeinde zugeschrieben wird.