Frank Schleifer, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, leitet regelmäßig Gottesdienste in Pflegeheimen. Im Interview erzählt er, was diese Messen besonders macht.
In insgesamt fünf Pflegeheimen in Lahr bietet die evangelische Kreuzgemeinde Gottesdienste für Bewohner als wichtige spirituelle Unterstützung an. Hatten früher schon Diakone in Lahr die Aufgabe übernommen, so wurden mit der Gründung der Kreuzgemeinde die Gottesdienste in die Hände von Pfarrerinnen und Pfarrern gelegt, wie es in einer Pressemitteilung des evangelischen Dekanat Ortenau heißt. Für Frank Schleifer, Pfarrer der Johanneskirche Sulz, sind die Gottesdienste in den Pflegeheimen ein Schwerpunkt seines Berufsalltags. Warum gerade Gottesdienste eine Bereicherung für das Gemeinschaftsleben in Pflegeeinrichtungen darstellen, erläutert er im Interview.
Herr Schleifer, was ist das Besondere an den Gottesdiensten im Pflegeheim? Und was sind die Unterschiede zum klassischen Gottesdienst?
Das sind mehrere Faktoren. Diese Gottesdienste haben einen geringen Zeitumfang mit circa einer halben Stunde, die Liturgie und der Inhalt der Predigten sind in einfacher Sprache, sodass auch demenziell erkrankte Menschen eine echte Teilhabe erfahren können. Auch richten wir uns nicht nach vorgegebenen Predigttexten. Der Inhalt der Predigten soll sich an der Lebenssituation der älteren Menschen ausrichten.
Wie ist die Resonanz? Gibt es direkte Rückmeldungen an Sie, oder wie erfahren Sie, ob die Teilnehmer sich angesprochen fühlen?
Im Laufe der Jahre bekommt man ein Gespür, was die Menschen benötigen und über was sie sich freuen. Gerade bei vertrauten Liedern und vertrauten Ritualen erlebe ich, wie dankbar die Menschen sind und ich spüre, wie verbunden sie mit ihrem Glauben sind und sich in der Gemeinschaft der Christen im gemeinsamen Gottesdienst wohlfühlen. Besonders wenn ich die Gesangbuchlieder mit der Gitarre begleite, sehe ich viele strahlende Gesichter. Auch das Vater Unser können fast alle auswendig mitbeten – selbst mit Demenz.
Wie kam es, dass Sie den Schwerpunkt Gottesdienste in Pflegeheimen übernommen haben?
Als ich nach Lahr kam, hat es mir sehr eingeleuchtet, dass die jüngeren Kolleginnen und Kollegen sich vorzugsweise in der Arbeit mit Jugendlichen und Konfirmanden engagieren. Für mich war es dann eine logische Folge und sehr vorstellbar, mich in den Pflegeheimen mit Gottes Botschaft einzubringen. Die Menschen freuen sich so sehr, wenn wir zusammen Gottesdienst feiern, für viele Bewohner ist er das Highlight der Woche.
Wie viele Menschen besuchen die Gottesdienste?
Oftmals haben wir mehr Besucherinnen und Besucher als in Gemeindegottesdiensten, häufig zwischen 30 und 50 Personen, manchmal auch Gäste beziehungsweise Angehörige der Bewohner. Auch den Einrichtungen sind die regelmäßigen Gottesdienste wichtig. Manche Häuser wie St. Maria oder St. Elisabeth haben im Speisesaal eigens einen Bereich als Kapelle eingerichtet. Das Pflegepersonal engagiert sich ebenfalls sehr und ermöglicht den Bewohnern den Gottesdienst, indem sie den Aufwand nicht scheuen, auch körperlich sehr eingeschränkte Menschen zum Gottesdienst zu bringen.
Es wird in der evangelischen Kirche häufig von Transformationsprozessen gesprochen. Wie geht das einher mit Gottesdiensten in Pflegeheimen?
Ein Ziel innerhalb des angesprochenen Prozesses ist, dass Kirche zu den Menschen kommt. Das haben wir mit den Gottesdiensten in Pflegeheimen quasi schon seit Jahrzehnten erfüllt. Für Kinder und Jugendliche existieren bereits Gottesdienstformen, die an anderen Orten stattfinden als nur in der Kirche ihrer Heimatgemeinde. Auch die Andacht „Feierabend mit Gott“ auf dem Landesgartenschaugelände hat seit der Landesgartenschau in Lahr Tradition. Hier treffen sich regelmäßig mittwochs Menschen, fast könnte man sagen, es ist eine eigene kleine Kirchengemeinde entstanden. Die Gottesdienstform ähnelt der im Pflegeheim, zumindest in Länge und Liturgie. An diesem schönen Ort mit besonderer Atmosphäre hat sich ein regelmäßiges und attraktives Angebot entwickelt mit der Unterstützung der gesamten Lahrer Pfarrerschaft. Häufig bereichern Chöre und Posaunenchöre musikalisch die Andacht. Ich kann sagen, mein Herz schlägt für jede Art von Gottesdienst, für die klassischen Gottesdienstformate wie auch für alternative Angebote.
Die Kreuzgemeinde
Die evangelische Kirchengemeinde Lahr besteht aus der Auferstehungsgemeinde im Westen und der Kreuzgemeinde im Osten. Die Kreuzgemeinde entstand zum 1. Januar 2015 durch den Zusammenschluss der früheren Lahrer Christus-, Friedens- Petrus-, Stifts- und Sulzer Johannes-Gemeinde. Im Zuge dieses Prozesses wurde 2017 die Friedenskirche verkauft, ebenso das Pfarrhaus der Christuskirche.