Ein TikTok-Video über eine Freiburger Kita hat zu Morddrohungen und polizeilichen Ermittlungen geführt. Die Stadt zeigt sich über den Vorfall verärgert.
Eine TikTokerin, selbst ernannte Kinderschützerin und Heilpraktikerin mit Firmensitz in den USA sorgt mit Gerüchten über angeblichen Kindesmissbrauch in einer Kita in Freiburg im Internet für Aufregung in der Stadt und in der Freiburger Stadtverwaltung. Mittlerweile sind Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet, nachdem gegen einen Mitarbeiter einer städtischen Kita Morddrohungen im Netz ausgesprochen wurden.
Die Vorwürfe seien haltlos und absurd, so Rathaussprecher Toni Klein, würden aber ein Dutzend Mitarbeiter in verschiedenen Ämtern seit Tagen auf Trab halten. Kein Wunder: Eines der Videos mit den Gerüchten wurde mittlerweile über 500 000 Mal angeklickt.
Vorwürfe begannen im April
Angefangen habe die Sache im April, so Polizeisprecherin Laura Riske: Zwei Mütter hätten damals Anzeige erstattet und behauptet, ihre Kinder seien in einer Kita in privater Trägerschaft in Freiburg sexuell missbraucht worden. Die Polizei setzte damals den kompletten Ermittlungsapparat in Gang, so Riske: „Es gab Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen möglicher Beweismittel und ärztliche Untersuchungen der angeblich betroffenen Kinder.“ Das Ergebnis sei klar gewesen: Es gab keinerlei Anzeichen für irgendwelche Übergriffe, so die Polizeisprecherin.
Gerüchte gelangen in die Öffentlichkeit
Damit wollte sich eine der betroffenen Mütter nicht zufrieden geben, und so gelangte der Fall über eine TikTokerin in die Öffentlichkeit und löste eine Lawine von Reaktionen aus. Darunter auch ein Mordaufruf gegen den Leiter einer städtischen Kita in Freiburg.
Die Einrichtung habe zwar mit dem Fall vom April nichts zu tun, dafür sei aber der Leiter im Netz nun mit Foto als Missbrauchstäter angeprangert worden, so Riske. Vor der Kita steht deshalb der Ordnungsdienst der Stadt, so Rathaussprecher Toni Klein.
Die fragliche TikTokerin legt indessen weitere Gerüchte nach und behauptet, dass die Uniklinik in Freiburg den betroffenen Eltern die Einsicht in Untersuchungsergebnisse verweigere und man Verletzungen im Analbereich der Kinder festgestellt habe.
Uniklinik widerspricht
Dem widerspricht das Klinikum vehement: „Wir haben diese schweren Vorwürfe geprüft“, so Kliniksprecher Johannes Faber. „Es gibt keine Hinweise auf ein Missbrauchsgeschehen dieser Art. Davon abgesehen halten wir uns selbstverständlich an die rechtlichen Rahmenbedingungen und Eltern haben grundsätzlich das Recht, Einsicht die Behandlungsunterlagen zu nehmen.“
In den lokalen Medien werden Eltern angehalten, die TikTok-Gerüchte-Videos nicht weiter zu teilen. Die Vorwürfe seien „komplett aus der Luft gegriffen“, betont Rathaussprecherin Martina Schickle in einer Mitteilung. Im Rathaus herrsche „blankes Entsetzen.“ Nichts von dem, was im Netz behauptet werde, habe irgendeine reale Grundlage. Mit den Videos im Netz würden „alle Grenzen“ überschritten werden. Man habe Anzeige wegen übler Nachrede, Verleumdung und dem öffentlichen Aufruf zu Straftaten erstattet.