„Der Diözese steht das Wasser bis zum Hals, bei uns steigt der Pegel rapide“, sagt Pfarrer Hans-Joachim Fogl. Die katholische Gemeinde steht nun vor einer schwierigen Frage.
Stillgelegt werden die katholische Kirche St. Franziskus und ihr Saal – das Pfarrhaus ist unbewohnt – vom 1. Dezember bis 31. März. Das hat der Kirchengemeinderat der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Die Hintergründe erklären Pfarrer Hans-Joachim Fogl und Kirchengemeinderatsvorsitzende Emilie Straubinger im Gespräch mit unserer Redaktion: „Inzwischen ist klar, dass wir nicht zwei Kirchen halten können.“
Kosten: „90 000 Euro pro Jahr kostet die Kirchengemeinde die Kirche St. Franziskus“, so Fogl. „Wegen des schlechten Zustands des Gebäudes“ – 1967 aus Sichtbeton erbaut – „sind die Heizkosten doppelt so hoch wie für die Kirchen St. Elisabeth am Lammerberg und St. Maria in Onstmettingen zusammen.“ Weil für den externen Winterdienst Maschinen nötig waren, kostet er 400 Euro – pro Tag, so Fogl. Daher werde diesen Winter nur dort geräumt, wo die Kirchengemeinde dazu verpflichtet sei. Was die Sanierung des gesamten Ensembles kosten würde, ist nicht bekannt. Vom Architekten der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat Fogl aber erfahren: „Siebenstellig“ – also mehr als eine Million Euro. Rücklagen dafür sind allerdings in all den Jahren nie gebildet worden.
Bauzustand: Ins Pfarrhaus regnet es seit Monaten herein – im Flur stehen Wannen, um das Wasser aufzufangen, das durch das lecke Flachdach kommt. Nur dessen kleinen, am stärksten betroffenen Teil zu sanieren, würde laut Emilie Straubinger 26 000 Euro kosten. Aber auch anderswo im Pfarrhaus dringt Wasser ein, ebenso wie in der Kirche. Wände und Decken weisen Schäden auf. Das gesamte Ensemble ist kaum isoliert, und weil das Heizsystem zusammenhängt, ist es nicht möglich, das Pfarrhaus separat zu verkaufen oder vermieten. „Der Gang im Pfarrhaus ist sehr kalt, und sobald man eine Zimmertür öffnet, ist die Wärme dort weg“, sagt Fogl.
Problem Denkmalschutz: Noch prüfe die Diözese Rottenburg-Stuttgart, ob der Denkmalschutz nur für die Kirche, oder auch für Pfarrhaus und Gemeindesaal gilt – in letzterem findet regelmäßig das Frauenfrühstück und der Seniorennachmittag statt. Dass Denkmalschutzauflagen eine Sanierung verteuern und einen Verkauf schwieriger machen, ist Fogl und Straubinger bewusst. „Im schlimmsten Fall bleibt uns nur übrig, den Schlüssel umzudrehen“, sagt Fogl. Diesen Rat habe ihm ein Kenner solcher Fälle gegeben.
Finanzierungsoptionen: Der Erlös aus dem Verkauf des Gemeindehauses St. Antonius in Truchtelfingen, der 2022 für viel Wirbel gesorgt hatte, würde für eine Sanierung von St. Franziskus bei weitem nicht reichen, erklärt Fogl, und zudem liege das Geld auf dem Konto der Gemeinde bei der Diözese. „Es ist unsere letzte Reserve, und wenn wir Zugriff haben wollen, müssen wir das begründen.“ Mit Blick auf den Prozess „Räume für eine Kirche der Zukunft“ mit dem Ziel, den teuren Gebäudebestand zu reduzieren, weil die Kirchensteuereinnahmen dramatisch sinken, halten Fogl und Straubinger es für ausgeschlossen, dass eine Sanierung des Ensembles von Rottenburg goutiert würde.
Geldquelle Herbstbazar: Mit dem Erlös des Herbstbazars – stets im vierstelligen Bereich – hat die Gemeinde bisher zu zwei Dritteln Missionsprojekte unterstützt (siehe Info). Für Sanierungsarbeiten an St. Franziskus wäre der Erlös ein Tropfen auf den heißen Stein, und zudem fiel er 2025 aus.
Künftige Gottesdienste: Zwei Varianten für die Gottesdienstordnung gelten für die Zeit der Schließung von St. Franziskus: Wird die Vorabendmesse am Samstag ab 18.30 Uhr in St. Maria in Onstmettingen gefeiert, beginnt der Sonntagsgottesdienst um 10 Uhr in St. Elisabeth. Im wöchentlichen Wechsel, wenn die Vorabendmesse samstags um 18.30 Uhr in St. Elisabeth beginnt, wird dort auch sonntags, dann ab 9.15 Uhr, und zudem ab 10.45 Uhr in St. Maria die Messe zelebriert. „Uns ist wichtig, dass die Senioren von Langenwand, wo St. Franziskus steht, und von Stiegel nach St. Elisabeth zum Gottesdienst kommen können“, betonen beide. „Deshalb bieten wir einen Shuttle-Bus an, für den man sich im Pfarrbüro anmelden kann, Telefon 07432/80 949-0.“
Wie geht es weiter? Die Zeit der Schließung will der Kirchengemeinderat zusammen mit der Diözese nutzen, Ideen für die Zukunft von St. Franziskus zu sammeln, und Emilie Straubinger ruft alle dazu auf, sich zu beteiligen. Wichtig ist ihr: „Wir haben nicht beschlossen, St. Franziskus zu verkaufen, sondern dass wir bereit sind, darauf zu verzichten.“ In seiner Predigt am Kirchweihfest in St. Elisabeth hat Pfarrer Fogl seine Hoffnung formuliert: „Eine Gemeinde aus lebendigen Steinen wird überdauern. Es liegt an uns, Gemeinde zu gestalten.“
Warum die Missionsprojekte nicht mehr unterstützt werden
Von den Missionsprojekten
in Indien und Brasilien trennt sich die katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth, wie der Kirchengemeinderat beschlossen hat, weil nach einer internen Revision strenge Anforderungen gestellt wurden, welche die Gemeinde nicht erfüllen könne, wie Pfarrer Hans-Joachim Fogl und Kirchengemeinderatsvorsitzende Emilie Straubinger erklären. „Überweisungen an Dritte ins Ausland – wie sie bisher an die Projekte getätigt wurden – sind nicht möglich.“
Das Spendenaufkommen
in der Gemeinde für die Projekte von Schwester Teresina in Brasilien und Father Marredy in Indien sei ohnehin „sehr minimal“. Ein Großteil der Unterstützer überweise Spenden direkt auf die Konten der Franziskanerinnen im Kloster Sießen oder an den Verein „Freundeskreis Indienhilfe“, die dann steuerlich absetzbar seien.
Ein „Adventszauber“
soll statt dem Herbstbazar am Samstag, 20. Dezember, von 15 bis 22 Uhr in St. Elisabeth und im Hof ermöglichen, Produkte zu Gunsten von Missionsprojekten und sozialen Einrichtungen zu verkaufen. Wer einen Stand anbieten will, meldet sich bis 30. November im Pfarrbüro, Telefon 07432/80 949-0.