Die Schwenningerin Elfriede Seemann feierte ihren 100. Geburtstag. Bis vor anderthalb Jahren versorgte sie sich noch komplett selbst. Wie die Seniorin das geschafft hat? Fest steht: Eine aktive Frau war sie immer, ein Familienmensch – und ein Fußballfan.
Immer aktiv, sportlich und in Bewegung bleiben – das dürfte eines der Erfolgsrezepte von Elfriede Seemann sein.
Das hat sie ihr ganzes Leben lang beherzigt – und es hat sicher seinen Teil dazu beigetragen, dass sie nun am Dienstag ihren 100. Geburtstag im Seniorenzentrum Menetatis feiern konnte.
Im Gespräch mit der Redaktion lächelte sie fröhlich in die Runde, umgeben von ihrer Familie, die sich mit ihr freute, dass sie das seltene Fest feiern konnte.
Feier mit der Familie
Zwar hat sie erst wenige Tage zuvor nach einem Sturz eine Verletzung erlitten. Anmerken ließ sie sich das aber nicht, sondern meisterte tapfer den Geburtstag mit vielen Gratulationen – eben so, wie sie all die Herausforderungen ihres ganzen 100-jährigen Lebens bewerkstelligte.
Begonnen hat dieses am 15. Oktober 1924, und zwar in Schwenningen. Hier wurde sie als Elfriede Luksch geboren. Sie wuchs in der Jahnstraße mit zwei älteren Brüdern auf und erlebte eine wunderschöne, lebhafte Kindheit, wie sie ihren eigenen Kindern später immer wieder erzählte. Im Franziskusheim erlernte sie den Beruf der Damenschneiderin. Im Krieg musste sie als junge Frau miterleben, wie ihr Elternhaus zerstört wurde. Die Familie wurde ausgebombt – und musste wieder bei Null beginnen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Werner packte sie es an: Das Haus wurde wieder aufgebaut und bezogen. Hier gründete das Paar eine Familie, Tochter Eleonore und Sohn Gerd kamen zur Welt.
Sie war ein „Elfewieb“
Elfriede Seemann war immer berufstätig, erst in Akkordarbeit bei der Firma Schuh Müller in der Erzbergerstraße, dann bei Kienzle als „Elfewieb“, wo sie im Büro tätig war.
Ihre nächste berufliche Station war anschließend noch die Sparkasse, wo sie bis zu ihrer Rente in der Postabteilung arbeitete.
Ihr ganzes Leben lang war sie immer eine regelrechte Sportskanone, wie ihre Familie berichtet: Als junges Mädchen spielte sie Handball. Später war sie bis ins hohe Alter einmal wöchentlich jeweils beim Kegeln und bei der Gymnastik, zudem spielte sie leidenschaftlich gerne Tennis und war öfters auf den Skiloipen als aktive Langläuferin anzutreffen.
Ihr Rehbraten war legendär
Mindestens ebenso aktiv war sie außerdem in Sachen Handarbeit. Enkelin Maren erinnert sich noch genau: „Mein schönestes Prinzessinnenkostüm an Fasnacht war handgemacht von Oma Elfriede.“ Auch Tochter Eleonore weiß noch gut: „Sie hat gestrickt und gehäkelt ohne Ende.“ Und: „Sie hat ihr Leben lang gut und gerne gekocht.“ Obligatorisch war stets das Zusammenkommen der Familie am ersten Weihnachtsfeiertag – der Rehbraten und die Knöpfle der Oma waren legendär.
Mehrere Schicksalsschläge musste Elfriede Seemann in ihrem Leben verkraften. 1993 schon starb ihr Ehemann. Und 2020 musste sie zudem den Verlust ihres Sohnes verkraften. Bis vor rund eineinhalb Jahren lebte sie allein und versorgte sich selbst. Den Umzug ins Seniorenzentrum hat sie nicht bereut: Hier ist sie zufrieden und es gefällt ihr, sie ist gut versorgt und in netter Gesellschaft, was ihr viel bedeutet, schließlich war sie immer gerne unter Leuten.
Zur Geburtstagsfeier kamen ihre Tochter Eleonore, Schwiegertochter Anita, die Enkel Maren aus Berlin und Steffen aus München mit ihren Ehepartnern und die Enkel Elias, Fabian und Henri in die Einrichtung. Auch Sparkassenchef Arendt Gruben schaute vorbei und überbrachte Glückwünsche und einen Blumenstrauß seitens ihres langjährigen Arbeitgebers.
Humor und Fußballliebe
Was übrigens auch noch eine wichtige Rolle spielen dürfte, wenn man ein gesegnetes Alter erreichen möchte? Eine gute Portion Humor. Der zeigt sich zum Beispiel daran, dass sie ihrer Familie einmal augenzwinkernd eröffnete, dass sie jetzt der Gesundheit zuliebe statt fünf Löffelchen Zucker im Kaffee künftig nur noch zwei zu sich nehmen werde – da war sie Mitte 80. Und dann wäre da auch noch eine Leidenschaft, die offenbar ebenfalls jung hält: Als glühender Fußballfan verfolgte sie stets das Geschehen in der Bundesliga, sogar zeitweise mit einem eigenen Livespiel-Abo, schaute sich sonntags den „Doppelpass“ genau an und fieberte im Übrigens besonders mit, wenn „ihr“ FC Bayern spielte. Der steht ja gerade mal wieder auf Tabellenplatz eins – auch das also eine Art Geburtstagsgeschenk.