Die Gründe der schmerzhaften 2:4-Pleite gegen Düsseldorf. Kapitän Thomas Larkin gibt zu: „Wir haben uns das einfacher vorgestellt.“ Weshalb die nahe Zukunft von Schwenningens Sonntag-Gegner Wolfsburg so spannend ist.
Wild-Wings-Geschäftsführer Stefan Wagner hat erst vor kurzem gesagt: „Am Ende dieser Hauptrunde werden wir nochmals zurückblicken und genau sehen, in welchen Spielen wir unnötig die Punkte liegengelassen haben.“
Garantiert wird dann dieses Freitag-Heimspiel gegen das DEL-Schlusslicht Düsseldorf (2:4) in dieser speziellen Schwenninger Rangliste ganz oben stehen. Gegen einen Gegner, der ab dem zweiten Drittel nur noch acht Stürmer (Tyler Gaudet musste verletzt raus) zur Verfügung hatte, schafften es die Wild Wings nicht, einen wichtigen Dreier nach der Länderspielpause einzufahren. Diese Niederlage war total unnötig!
Die auffällig sehr gute und zuversichtliche Laune, die Trainer Steve Walker und sein Team in den Tagen vor dem Re-Start an den Tag gelegt hatten, war am späten Freitagabend jedenfalls erst einmal verschwunden.
Es darf bei aller Kritik aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass den Schwenningern im ersten Drittel ein regulärer Treffer von Zach Senyshyn zum vermeintlichen 2:1 nachträglich von den Schiedsrichter nach Videostudium aberkannt wurde. Es war eine Fehlentscheidung. Wie wäre die Partie ansonsten gelaufen? Die Wild Wings zeigten nämlich zumindest in den ersten 30 Minuten gutes Eishockey und es schien, als hätten sie das Geschehen absolut im Griff.
Das sagt Steve Walker
Für Coach Steve Walker, der vom Naturell her nie nach irgendwelchen Entschuldigungen sucht, war das aberkannte Tor ein Momentum, „das wir da sicherlich wieder verloren haben. Aber es war nicht der Grund für unsere Niederlage“.
Der Schwenninger Trainer war deshalb nach der Heimpleite so enttäuscht, „weil wir einige Dinge heute selbst verschuldet haben. Wir hatten nach dem guten Start im zweiten Drittel dann ein schlechtes Scheibenmanagement und Probleme mit dem Konterspiel von Düsseldorf.“ Im Grunde genommen mahnte Walker an, dass sein Team in einigen Situationen im Umschaltspiel viel cleverer hätte agieren müssen. So konnte aber die DEG trotz ihrer wenigen Chancen die entscheidenden Nadelstiche setzen.
Der Kapitän ist ehrlich
Sehr enttäuscht war auch Kapitän Thomas Larkin, der Klartext sprach: „Offenbar haben wir Düsseldorf insgesamt wohl unterschätzt. Wir haben die kurze Bank von ihnen gesehen und sicher geglaubt, dass wir am Ende den Sieg holen. Den hätten wir aber nach unserer Leistung heute nicht verdient. Es gibt kein leichtes Spiel in dieser Liga. Das haben wir wieder gesehen.“
Das Lob vom DEG-Coach
Düsseldorfs Trainer Steven Reinprecht, der sich seit Monaten mit den personellen Problemen auseinandersetzen muss, lobte sein Team: „Wir haben eine sehr schwere Aufgabe hier erwartet, und es ist genauso so gekommen. Meine Mannschaft hat immer unseren Plan umgesetzt. Unsere acht Stürmer haben es am Ende sehr gut gemacht“, lobte er.
Nächste Ausfahrt Wolfsburg
Die Wild Wings (10./19) sind im Moment schon nach Wolfsburg unterwegs. Am Sonntag (14 Uhr) will sich das Team gegen die punktgleichen Grizzlys rehabilitieren. Steve Walker spricht mit viel Respekt von der Auswärtspartie: „Wolfsburg wird den Vorteil haben, dass sie aufgrund ihres spielfreien Freitags ausgeruht ins Spiel gehen können. Wolfsburg hat sowieso eine physisch starke Mannschaft, die sich steigern will.“
Klar ist, dass die Wolfsburger mit Platz elf hinter den Erwartungen zurückliegen. Ein Grund dafür ist die bisher anfällige Defensive mit 3,63 Gegentoren im Schnitt. Coach Mike Stewart hat das Problem, dass die Fehlerquellen in diesem Bereich bei seinem Team noch vielfältig und schwer fixierbar sind.
Außerdem macht der Ex-Schwenninger Torhüter Dustin Strahlmeier (32) in seiner elften DEL-Saison leistungsmäßig überraschend ein Tief durch. „Strahlis“ Fangquote liegt lediglich bei 87,5 Prozent. Zuletzt beim Deutschland-Cup musste er nach dem Spiel gegen die Slowakei (2:6) einiges an Kritik einstecken. Insgesamt darf man gespannt sein, ob die Wolfsburger ihr erstes Saisonziel (wieder unter den Top Sechs in der Hauptrunde) nach ihrem mäßigen ersten Saisondrittel noch erreichen.
Was macht die große VW-Krise mit den Grizzlys?
Aber noch eine ganz andere Frage wird in den kommenden Wochen die Grizzlys beschäftigen: Vor dem Hintergrund der großen VW-Krise dürfte auch das Sponsoring für das Wolfsburger Eishockey mit ziemlicher Sicherheit auf den Prüfstand kommen.
Wird der Konzern angesichts der geplanten Massenentlassungen und Werkschließungen Spitzen-Eishockey in Wolfsburg noch in dem Umfang wie bisher unterstützen können? Es ist eine wirtschaftliche, aber auch gegenüber der Belegschaft eine moralische Frage.
In der Zuschauertabelle sind die Wolfsburger seit Jahren in der DEL (aktuell 3130 bei den Heimspielen im Schnitt) Schlusslicht. Gut möglich, dass die Wolfsburger Fans Eishockey auf dem bisherigen Spitzenniveau so mittelfristig nicht mehr erleben können.