Auch wenn Schwenningens Verteidiger Ben Marshall in dieser Szene schon am Boden liegt – Wild-Wings-Keeper Joacim Eriksson regelt gegen Berlin gleich die Angelegenheit. Foto: Roland Sigwart

Der Schwenninger Keeper war einmal mehr beim 4:1-Heimsieg gegen Berlin einer der großen Erfolgsgaranten. Am Sonntag geht es in Bremerhaven weiter.

Heimspiele der Wild Wings werden in diesen ersten Wochen der neuen DEL-Saison immer mehr zu großartigen Events. Siehe am Freitag das 4:1 gegen die Eisbären Berlin in der Helios Arena. Minutenlang feierten die Fans nach dem Schlusszeichen ihre Mannschaft auf der Ehrenrunde. Zuvor war die Stimmung bereits bestens.

 

So macht Eishockey in Schwenningen nach überwiegend zu vielen sportlich tristen Jahren endlich wieder Spaß. Coach Steve Walker bringt es auf den Punkt: „Die Jungs tanken durch diese ersten Erfolge immer mehr Selbstvertrauen.“ Bemerkenswert: Bei diesen ersten drei Heimsiegen in Folge ging es gegen Top-Teams wie Mannheim, Wolfsburg und nun eben Berlin!

Die Gefühlswelt des Kapitäns

Das Angenehme daran ist für den Beobachter, dass die Wild Wings trotz ihrer aktuellen Erfolgsgeschichte nicht überdrehen. Dies beginnt bei den Statements von Coach Steve Walker und geht weiter bis zum Kapitän.

Natürlich freut sich Thomas Larkin über den tollen Saisonstart, doch alles bleibt auch bei ihm Rahmen: „Schließlich ist die Saison noch lang. Es kann noch so viel passieren. Wir genießen diesen Sieg gegen Berlin für ein, zwei Stunden, dann geht es aber schon weiter. Wir brauchen immer die gute Mitte. Wenn es gut läuft, bescheiden bleiben und weiter hart arbeiten. Wenn es nicht so gut läuft, wie in der Vorbereitung, dann aber auch weiterhin positiv denken. Am Sonntag in Bremerhaven geht es für uns bei Null wieder los“, sagt der Ex-Mannheimer, der sich sportlich und privat in Schwenningen bestens eingelebt hat.

Joacim Eriksson

Der Schwede und einer der großen Schwenninger Publikumslieblinge stand nach dem dritten Heimsieg am Freitag zu Recht im Mittelpunkt der Komplimente: „Joacim macht für uns gerade in den wichtigen Momenten die Big-Saves. Er ist gegen Berlin wieder unser großer Rückhalt gewesen“, blickte Coach Steve Walker auf die Phasen des Spiels zurück, in denen Marcel Noebels und Co. mächtig Dampf machten und zeigten, wie sehr mit den Eisbären in dieser Saison wieder zu rechnen ist.

Der zweifache Schwenninger Torschütze Daniel Pfaffengut („Wichtig ist die Mannschaft, danach kommt erst meine Statistik“) merkte zu Joacim Eriksson an: „Wir wissen ja schon länger, dass er einer der besten Torhüter, wenn nicht der beste, in der Liga ist.“

Der Wild-Wings-Keeper strahlte nach dem Sieg, während sein Sohn Vincent (3) seinen Kinderschläger in den Katakomben ausprobierte. Joacim Eriksson lobte erst einmal seine Teamkollegen: „Wir haben nach einem starken Beginn der Berliner sehr gut verteidigt und sind immer besser ins Spiel reingekommen. Unsere Tore haben wir in wichtigen Momenten erzielt.“

Der neue Torwart-Trainer

Was dem 33-Jährigen alles an seinem Team gefällt? „Wir haben in dieser Saison eine sehr gute Mischung an Spielern und Charakteren, die ihre verschiedenen Fähigkeiten sehr gut in die Mannschaft einbringen. Außerdem bleiben wir konstant auf unserem Weg, verfolgen in jedem Spiel unseren Plan. Aber es sind noch viele Spiele. Wir müssen so weiter arbeiten.“

Was Joacim Eriksson auch glücklich macht, ist der Aspekt, dass er sich hervorragend mit seinem neuen Torhüter-Trainer Jaako Valkama versteht. „Von ihm bekomme ich viel neuen Input. Unsere Kommunikation ist sehr gut. Jaako kann gut pushen, holt dich aber auch gegebenfalls schnell wieder mal runter“, lacht der Schwenninger Keeper, der in der DEL bei den Torhütern in Sachen Fangquote (97,06 Prozent) weiterhin vorne liegt.

Die Bremerhavener Sorgen

Inzwischen befinden sich die Wild Wings auf den Weg nach Bremerhaven. Am Sonntag (14 Uhr) wollen die Neckarstädter an der Nordsee weiter punkten. Steve Walker weiß auch: „In Bremerhaven ist es für jedes Team schwer zu spielen.“

Doch die Sorgen bei den Norddeutschen sind aktuell groß. Nach ihrem vergangenen Null-Punkte-Wochenende unterlagen die Pinguins am Freitag mit 0:3 in Nürnberg. Torhüter Maximilian Franzreb (Schulterverletzung) fällt lange aus. Top-Stürmer Miha Verlic steht verletzungsbedingt gegen Schwenningen auch nicht zur Verfügung. Zwischen den Pfosten wird nun in den kommenden Spielen Kristers Gudlevskis stehen. Die Bremerhavener Verantwortlichen lassen es noch offen, ob sie für Nationaltorhüter Franzreb Ersatz holen. Aktuell steht das Team um Trainer Thomas Popiesch auf dem enttäuschenden drittletzten Platz.

Bremerhavens Coach Thomas Popiesch hat vor dem Spiel gegen Schwenningen einige Probleme. Foto: Eibner

Rein von der Papierform her müssten die Pinguins aber mit ihrem neuen Kader in dieser Saison an ihre erfolgreichen Jahre zuvor anknüpfen. Doch vieles ist in Bremerhaven abhängig von der Top-Angriffsreihe mit Miha Verlic, Jan Urbas und Ziga Jeglic.

Der neue Verteidiger Anders Grönlund (Göteborg/Schweden) hat gut eingeschlagen, fehlte zuletzt aber auch verletzungsbedingt. Bemerkenswert: In Sachen Powerplay – das Glanzstück der Küstenstädter in den vergangenen Jahren – steht man aktuell in der DEL nur auf dem vorletzten Platz. Keine Frage, Bremerhaven benötigt gegen die Wild Wings am Sonntag wieder einmal ein Erfolgserlebnis.