Unglaublich und vielleicht eines der DEL-Bilder in diesem Jahr? Frankfurts Chris Wilkie wirft – unsportlich und völlig sinnesfrei – seinen Schläger nach Kyle Platzer, der gleich das 7:3-Empty-Net-Goal erzielt. Foto: Eibner

Die Wild Wings behalten aber beim 7:3 gegen Frankfurt einen kühlen Kopf und rücken in der DEL auf Rang zehn vor. Bemerkenswerte Haltung von Joacim Eriksson in der ersten Pause. Am Sonntag kommt Augsburg.

Ein Wild-Wings-Fan am Freitag auf dem Heimweg nach dem wichtigen 7:3-Sieg gegen Frankfurt: „So ein rustikales Hockey habe ich hier zuletzt vor 30 Jahren erlebt.“ Wild-Wings-Trainer Steve Walker vor dem Heimspiel: „Teams meines Trainerkollegen Tom Rowe kommen mehr von der physischen Seite.“

 

So sah es dann auch in der Helios Arena aus. Nach über zweieinhalb Stunden Spieldauer standen bei den Hessen 25 Strafminuten und eine „Spieldauer“ für Carter Proft auf dem Konto. Die Konsequenz für Frankfurt: In der Fair-Play-Tabelle der DEL haben die Löwen mit 14,68 Straminuten im Schnitt pro Spiel nun die Rote Laterne.

Ob Tom Rowe seinen Laden nach der fünften Niederlage in Folge noch im Griff hat? Der Frankfurter Coach ging verbal auch auf die Schiedsrichter los: „Die sind darauf reingefallen, als sich die Wild Wings zu schnell haben fallen lassen. Hier ist es in einem letzten Drittel oft knisterig.“ Dies sind auch Argumente.

Daniel Pfaffengut

Dabei hatte alles harmonisch begonnen. Schwenningens Ex-Spieler Daniel Pfaffengut wurde herzlich von den Wild Wings nachträglich mit einem kleinen Video vor dem Spiel verabschiedet. In der 31. Minute sorgte der Neu-Frankfurter aber für Aufsehen, als er seinen früheren Mitspieler Tylor Spink mit einem üblen Ellenbogen-Check zur Weißglut brachte. Tylor Spink ist noch nie so ausgerastet wie nach dieser Situation, kassierte dafür auch eine zehnminütige Strafe. Nach dem Spiel gab es beim Schwenninger Team zum Thema „Pfaffengut“ nur noch ein ratloses Kopfschütteln unter dem Motto: „Dabei war der Pfaffi doch mal einer von uns.“

Kyle Platzer mit dem Stock beworfen

Das Spiel mit so vielen Unterbrechungen sah dann in der 54. Minute – aus Frankfurter Sicht – noch den abschließenden negativen Höhepunkt: Kyle Platzer fuhr gerade per Solo zu seinem 7:3-Empty-Net-Goal, als ihm Chris Wilkie – völlig sinnesfrei und unsportlich – den Schläger hinterherwarf. Die Schiedsrichter bestraften aber nicht den Löwen-Stürmer, sondern wegen Meckerns dessen Teamkollegen Cameron Brace mit zwei Minuten. Gut möglich, dass sich aber der DEL-Disziplinarausschuss diesen Schläger-Weitwurf von Wilkie noch genauer anschaut.

Die Frankfurter Fans hatten diese Szene gar nicht mehr in der Arena miterlebt. Nach Bierbecherwerfen und Beleidigungen zwischen ihnen und Schwenninger Zuschauern entschieden sich die Sicherheitskräfte im letzten Drittel für ein Räumen des Gästefan-Blocks.

Joacim Eriksson übernimmt Verantwortung

Gut, dass die Wild Wings das zweieinhalbstündige Szenario mit einem relativ kühlen Kopf durchspielten. Nach einem enttäuschenden ersten Drittel und einem 1:3-Rückstand („Das war ein Schock für uns“ – Zitat Steve Walker) beeindruckte Torhüter Joacim Eriksson in der ersten Drittelspause nach zwei persönlichen Fehlern mit seiner Entschuldigung bei der Mannschaft.

Auch dies trug zum Hallo-Wach-Effekt bei, was Steve Walker besonders freute: „Wir sind gut zurückgekommenm, haben im zweiten Drittel mit den zwei schnellen Toren eine gute Antwort gefunden. Wir waren im Fünf-gegen-Fünf sehr stabil. Joacim hatte beim Parieren der Chance von Carter Rowney auch für eine spielentscheidende Situation gesorgt. Es war ein schwieriges Spiel mit den ganzen Unterbrechungen. Wir sind sehr glücklich über diesen Sieg.“

Stark: Wild-Wings-Angreifer Alex Karachun (Mitte) erzielte gegen Frankfurt ein Tor und verbuchte drei Assists. Foto: Roland Sigwart

Das sagt Alex Karachun

Angreifer Alex Karachun, der mit einem Tor und drei Assists seine weiter ansteigende Form unterstrich, lobte ebenfalls sein Team: „Wir sind nach dem Rückstand nicht zusammengebrochen, haben dann ein starkes zweites Drittel gespielt. So sind wir auf dem richtigen Weg. Wir haben uns kontinuierlich in den vergangenen Wochen gesteigert.“

Am Sonntag Debüt von Brandon McMillan möglich

Der Schwenninger Stürmer wünscht sich, „dass wir am Sonntag (14 Uhr, Anm.d.Red.) gegen Augsburg an diese Leistung anknüpfen und das Ding auch durchziehen“.

Gegen den Tabellenzwölften, der am Freitag daheim Düsseldorf mit 6:1 abfertigte, könnte bei den Wild Wings Angreifer Brandon McMillan sein Debüt feiern.

Seit bei den Augsburgern Sportdirektor Larry Mitchell auch als Cheftrainer arbeitet, ist beim kommenden Schwenninger Gegner zumindest in den Heimspielen mehr Stabilität eingekehrt. Die Auswärtsspiele (acht Niederlagen in Folge) bleiben noch das Handicap. Insgesamt ist aber damit zu rechnen, dass die Augsburger in dieser Saison – nach zwei Zitterrunden in der Abstiegsfrage – wohl besser abschneiden.

Mit den Augsburger haben die Neckarstädter noch eine Rechnung offen: Am 13. Oktober unterlagen Thomas Larkin und Co. mit 1:2 daheim im ersten Saisonduell.