Das große Saisoninterview. Der Schwenninger Coach sagt: „Es wird härter für uns. Wir werden besser sein, die Konkurrenten aber auch.“ Seine Worte an die treuen Anhänger.
Nur noch wenige Stunden bis zum Saisonstart der Wild Wings in der DEL am Freitag (19.30 Uhr) in Mannheim. Bestens gelaunt mit einer Flasche Wasser in der Hand kommt Schwenningens Trainer Steve Walker an diesem Dienstagmittag nach der Vormittagseinheit aus seiner Kabine. Sein Team ist bereit, nach dem Play-off-Viertelfinaleinzug im vergangenen Jahr weiter an der Erfolgsgeschichte zu schreiben. Doch der Kanadier weiß auch: „Es wird härter für uns.“ Wir sprechen mit Steve Walker über viele Themen.
Herr Walker, was stand an diesem Dienstagvormittag im Training an?
Dienstag ist immer der Tag, an dem wir im athletischen Bereich auf dem Eis die Schwerpunkte setzen. Außerdem haben wir an spieltaktischen Dingen gearbeitet, die wir noch mehr automatisieren wollen.
19 Spieler sind geblieben – sechs Neuzugänge kamen. Worin lagen die Unterschiede in der Vorbereitungszeit vor der vergangenen und vor dieser Saison?
Es war in diesem Sommer ein anderes Arbeiten. Wir kamen zurück und vieles war schon bekannt. Es war in den vergangenen sechs Wochen eine aufbauende Geschichte auf dem, was wir uns schon geschaffen hatten. Es war ein anderes Herangehen. Ein Großteil unserer Mannschaft kannte ja das Spielsystem. Für die neuen Spieler hatte ich – neben Tim Kehler – also noch weitere 14 bis 16 Co-Trainer (lacht).
In welchen Bereichen machen die Neuzugänge die Mannschaft stärker?
Insgesamt im läuferischen Bereich, in der Schnelligkeit und bei den individuellen Fähigkeiten. Wir wollten mehr Geschwindigkeit ins Team bringen. Teemu Pulkkinen kann mit seinem harten Schuss ein Spiel verändern. Matt Puempel ist läuferisch sehr stark und ein guter Powerplay-Spieler. Mirko Höfflin ist ein sehr smarter, erfahrener Stürmer. Jordan Murray kann als Verteidiger die Offensive und das Powerplay belegen. Daniel Schwaiger wird im Laufe der Saison noch ein wichtiger Teil für unser Team und im Tor bringt Michael Bitzer viel Erfahrung mit. Unsere neuen Spieler sind die Puzzleteile, die wir noch gesucht haben, um besser zu sein.
Mit 20:6-Siegen waren die Wild Wings nach der vergangenen Hauptrunde in der DEL das heimstärkste Team. Ist so eine Erfolgsserie in etwa wiederholbar – oder werden sich die Gästeteams in der neuen Saison besser auf die kleinere Eisfläche einstellen?
Viele gute Eishockeyspiele siehst du bei uns in der Arena, weil es noch enger ist und schneller geht. Unsere Gegner freuen sich darauf, hier zu spielen. Sie werden sich noch besser auf uns einstellen. Es gibt aber auch so viele neue Trainer und sehr veränderte Mannschaften in der Liga. Für uns wird es spannend, wie wir dann die neuen Aufgabenstellungen auch hier bei uns in der Arena lösen.
Wir wissen, dass Sie vor einer Saison nicht der große Freund davon sind, zum Beispiel Platzierungen oder die großen Ziele schon zu nennen, weil Sie viel mehr mit ihrem Team von Spiel zu Spiel denken wollen. Aber geben Sie uns bitte doch zumindest die grobe Richtung vor.
Natürlich wollen wir wieder Play-off-Hockey spielen. Aber es ist keine Garantie. Wir verinnerlichen in der Hauptrunde wieder das 52-Spiele-Prinzip, das wir Schritt für Schritt angehen wollen. Ich möchte ein Beispiel aus der NHL des vergangenen Jahres heranziehen. Die Vancouver Canucks sind in der NHL – wie wir – auch für viele überraschend in die Play-offs eingezogen. Deren Trainer Rick Tocchet hat nun gesagt, dass es für sein Team härter wird und dass sie diesen härteren Weg annehmen müssen. Exakt dies trifft für uns auch zu.
Wie wird sich die DEL insgesamt in der neuen Saison darstellen?
Der Kampf um die ersten acht Plätze wird in der Hauptrunde schon unfassbar eng werden. Einige Mannschaften werden stärker als in der vergangenen Saison sein. Generell erlebt das deutsche Eishockey momentan auch durch die Nationalmannschaft und mit der Geschichte um den neuen Vertrag von Leon Draisaitl eine sehr gute Phase. Davon profitiert auch unsere Liga.
Was würden Sie den Wild-Wings-Fans aktuell gerne sagen, die mit großen Erwartungen in die neue Spielzeit gehen?
Wir wollen unsere Eigenschaften in jedem Spiel aufs Eis bringen. Wir haben einen positiven Druck und ich liebe es sehr, wenn unsere Fans uns mit viel Begeisterung und Leidenschaft begleiten. Unsere Jungs spüren dies sehr und sind stolz auf die Fans. Ich hoffe, dass unsere Fans aber auch Geduld mitbringen.
Wie lauten Ihre drei Wünsche für die neue Saison?
Als erstes Gesundheit für das gesamte Team. Ich wünsche mir, dass unsere Mannschaft als solches und die Jungs an sich ihr Potenzial voll ausschöpfen. Und dass weiterhin bei uns der Gedanke an das „Team first“ an erster Stelle steht, von dem auch jeder einzelne Spieler profitieren wird.