Eine Strafe am Ende zu viel. Warum die Wild Wings die beeindruckende Serie der Kölner nicht beenden konnten. Wie die Ingolstädter am Sonntag zu knacken sind.
Schade: Die Wild Wings konnten die Kölner bei ihrer großartigen Erfolgsserie (15. Sieg in Folge – den 24 Jahre alten DEL-Rekord von Mannheim eingestellt) am Freitagabend in der ausverkauften Helios Arena beim 2:3 trotz einer starken Leistung nicht ausbremsen.
Zumindest einen Punkt hätten die Schwenninger (10./54) verdient und auch nötig gehabt, um sich vom Tabellenelften Augsburg (11./51) etwas abzusetzen. Auf den Tabellenachten Wolfsburg (8./59) und den Neunten Nürnberg (59) wuchs der Rückstand der Schwäne nun etwas an.
Viel Lob und Respekt für die Wild Wings
Wie sehr der Spitzenreiter in einer spannenden Schlussphase gewackelt hatte, ließ sich an der Erleichterung des Kölner Teams danach ablesen. Coach Kari Jalonen schilderte nach dem Schlusszeichen, „dass unsere Mannschaft in der Kabine sehr glücklich über diesen Sieg ist“. Haie-Kapitän Moritz Müller sprach von einem „großen Kampfspiel“. Auch Gäste-Angreifer Maxi Kammerer hatte ein „sehr enges Spiel“ gesehen. „Wir haben ja gewusst, was uns hier auf der kleinen Eisfläche erwartet.“
Steve Walker und Phil Hungerecker
Schwenningens Coach Steve Walker hatte nicht viele Kritikpunkte gegenüber seinem Team anzubringen. Der Knackpunkt war für ihn, „dass wir nach unserem 2:2-Ausgleich in der letzten Phase dann eine Strafe kassierten, was Köln mit seinem – besonders auswärts starken – Powerplay genutzt hat. Wir hatten die Chance, heute zu punkten. Das Spiel war sehr kämpferisch geprägt.“
Angreifer und Torschütze Phil Hungerecker betonte, „dass wir kein schlechtes Spiel gemacht haben. Wir hatten am Ende die Chance zum 3:3 und zur Verlängerung. Aber im Endeffekt stehen wir eben ohne Punkte da.“
Ben Marshall – wenn der Knoten platzt
Es ist kaum zu glauben, doch erst an diesem 42. Spieltag erzielte Schwenningens Verteidiger Ben Marshall – nach bereits 14 Assists – mit einem herrlichen Onetimer seinen ersten Saisontreffer. Dabei zählt Marshall zu den Defensivakteuren der Neckarstädter, die pro Spiel im Schnitt die meisten Torschüsse anbringen.
Insgesamt ist der 33-jährige US-Amerikaner in dieser DEL-Saison noch nicht an seine überragende Form der vergangenen Runde herangekommen (3/26/29 Punkte). Ob Marshall nach der Saison am Neckar bleibt, ist noch völlig offen.
Schwenningens Nummer 54 verzeichnete nach der Heimniederlage gegen Köln gemischte Gefühle: „Persönlich freue ich mich, dass ich endlich mein erstes Saisontor erzielte. Aber natürlich hätte ich lieber gewonnen. Wir haben gegen einen sehr starken Gegner einige Dinge gut gemacht und können darauf weiter aufbauen. Die Chance war da, um gegen Köln zu punkten.“
Die Lage in Ingolstadt
Für die Wild Wings geht es im vorletzten Spiel vor der Olympia-Pause am Sonntag (16.30 Uhr) beim ERC Ingoldstadt (4./79) weiter. Die Mannschaft um Coach Mark French verlor am Freitag in Berlin trotz einer guten Leistung mit 1:2 und kämpft aktuell darum, den vierten Rang und damit das Heimrecht für die Playoffs zu verteidigen.
Mit 168 Treffern stellen die Oberbayern die beste Offensive der DEL. Aus dieser ragt Top-Scorer Riley Barber mit 56 Punkten (27/29 – Platz zwei in der Liga) heraus. In der Defensive stellen die Panther mit dem überragenden Alex Breton (14/30) den nach Punkten besten Defensiv-Akteur der DEL. Aber insgesamt gilt die ERC-Abwehr in dieser Runde als zu anfällig. Nicht überzeugend war bisher Torhüter Brett Brochu, der nicht zu den Top-5-Keepern zählt. Auch aus diesem Grund wird sich der ERC im Sommer wohl mit dem Berliner Schlussmann Jonas Stettmer verstärken.
Die Achillesferse des ERC
Das Playoff-Halbfinale ist den Ingolstädtern durchaus in dieser Saison wieder zuzutrauen, aber nicht zuletzt Coach Mark French weiß, dass seine Defensive noch nicht auf Top-Niveau ist. An diesem Punkt könnten auch die Wild Wings am Sonntag ansetzen, um wichtige Punkte zu entführen.
Nach den bisherigen drei Saisonduellen zwischen beiden Teams steht es 2:1 für die Bayern. Am 19. Oktober verlor Schwenningen daheim mit 2:4 und kassierte am 7. Dezember auch in Ingolstadt (2:5) eine Niederlage. Aber am 30. Dezember setzten sich die Schwäne in der Helios Arena nach einem starken Auftritt mit 5:3 durch. „Wir müssen uns am Sonntag die Punkte wieder holen, die wir gegen Köln nicht geschafft haben“, so die kämpferische Ansage von Phil Hungerecker.