Der entsetzte Blick am Freitag auf den Videowürfel in der Helios Arena: Sebastian Uvira (links) und Ben Marschall. Foto: Roland Sigwart

Wo die Wild Wings nach dem Klassenunterschied gegen Mannheim stehen. Die Probleme sind gerade vielfältig. Im aktuellen „Hammerprogramm“ geht es in Berlin weiter.

0:5 gegen Mannheim – die dritte Niederlage in Folge mit einem Torverhältnis von 4:16! In der DEL auf Rang neun abgerutscht. Die Frage an diesem Samstag lautet: Wild Wings, wohin führt euer Weg?

 

Natürlich ist es diskussionsfähig, ob die Derby-Pleite am Freitag in der Helios Arena nicht zu hoch ausgefallen ist. Das Schwenninger Team war zumindest in den ersten 30 Minuten bei eigenen guten Chancen mit dem Spitzenreiter auf Augenhöhe. Unterm Strich, so auch die Meinung einiger Wild-Wings-Fans auf dem Heimweg, war es aber dann doch ein Klassenunterschied.

Die großen Baustellen

Die Probleme im Schwenninger Spiel sind aktuell vielfältig. Insgesamt zeigt die Mannschaft in diesen Wochen nur noch ansatzweise das Vollgas-Eishockey, das sie fast zweieinhalb Jahre unter Coach Steve Walker ausgezeichnet hat. Die individuelle Fehlerquote in den Spielen ist gerade zu hoch. Passieren Rückschläge – so auch nach dem Doppelschlag zum 0:2 und 0:3 in der 28. und 31. Minute – bricht die Statik und das Grundkonzept der Schwäne fast auseinander. Außerdem fehlt dem Team offensichtlich auch etwas die Frische, gerade im mentalen Bereich.

Die interne Schwenninger Gefühlswelt

Die interne Wahrnehmung über den aktuellen Leistungsstand bei den Wild Wings ist kurios, weil sie relativ weit auseinandergeht.

Alex Karachun zum Beispiel kritisierte hart, vielleicht auch etwas überzogen, in der zweiten Pause gegen Mannheim angesichts des 0:3-Zwischenstandes: „Wir müssen als Mannschaft kompakter spielen. Uns fehlt hinten und vorne die Harmonie.“ Wenig später beförderte der Schwenninger Stürmer – wohl auch aus Frust – den Mannheimer Maximilian Heim über die Bande, kassierte eine Spieldauerstrafe.

Torhüter Joacim Eriksson sprach nach dem 0:5 von Dingen, „die wir heute gut gemacht haben, aber wir haben auch Dinge schlecht gemacht. Die beiden schnellen Gegentore zum 0:2 und 0:3 waren der Knackpunkt gegen uns. Es ist ganz wichtig, dass wir zum einfachen Eishockey zurückfinden und jeder seine Rolle gut ausfüllt“.

Coach Steve Walker zeigte sich mit den ersten beiden Dritteln „nicht unzufrieden. Gerade auch zum Ende des zweiten Drittels hatten wir noch einmal einen Push. Im letzten Drittel ist der Frust bei dem Rückstand größer geworden. Diesen Berg konnten wir dann nicht mehr besteigen.“

Walker hatte ein Sonderlob für seine beiden jungen U23-Verteidiger Niklas Hübner und Niclas Hempel übrig, die die Lücken der fehlenden Thomas Larkin, Alex Trivellato und Will Weber füllen mussten.

Phil Hungerecker, der zwei Großchancen zu wichtigen Zeitpunkten im Spiel nicht nutzte, betonte, „dass wir kein schlechtes Spiel gemacht haben. Uns fehlt momentan auch das Quäntchen Glück. Ich kann zum Beispiel im zweiten Drittel auf 1:1 ausgleichen.“

Adler-Spiel ist ein Genuss

Mannheims Coach Dallas Eakins verteilte an sein stark spielendes Team nach dem Derbysieg ein besonderes Lob: „Ich bin auch stolz auf die Mannschaft, weil sie die Arbeit macht, die als Grundlage notwendig ist. Sie war heute sehr bereit und hat eine tolle Leistung abgeliefert.“

Wird Alex Karachun gesperrt – kann Jordan Szwarz spielen?

Die Wild Wings machen sich an diesem Samstagvormittag auf zu ihrem nächsten schweren Spiel nach Berlin (Sonntag, 14 Uhr. Der DEL-Titelverteidiger verlor am Freitag nach einer hartumkämpften Schlussphase mit 3:5 in Straubing, bleibt aber Sechster.

Eine leistungsmäßige Einstufung der Berliner zu diesem Saisonzeitpunkt fällt schwer, außergewöhnlich sind die Eisbären bislang vom Verletzungspech gebeutelt worden. Gegen Schwenningen werden Leistungsträger wie Kai Wissmann, Korbinian Geibel, Markus Niemeläinen, Jean-Sebastian Dea sowie Ausnahme-Stürmer Ty Ronning weiter ausfallen. Für den nachverpflichteten Angreifer Patrick Khodorenko ist die Saison sogar schon zu Ende.

Personelle Fragen gibt es bei den Wild Wings für Sonntag einige: Alex Karachun dürfte nach seiner Spieldauerstrafe und als bei der DEL „vorbelasteter“ Spieler im Laufe des Samstags vom Disziplinarausschuss noch eine Sperre erhalten. Jordan Szwarz hat sich gegen Mannheim verletzt und konnte nicht mehr zu Ende spielen. Und die große Frage ist, ob Thomas Larkin und Alex Trivellato tatsächlich von der italienischen Nationalmannschaft, die in Budapest bis Sonntag an einem Vierländerturnier teilnimmt, direkt nach Berlin eingeflogen werden können.

Joacim Eriksson rät dringend dazu, die Derbypleite schnellstens abzuhaken: „Berlin ist ein neues Spiel.“ Klar ist auch: Punkte gegen die Eisbären wären für die Wild Wings in ihrer aktuellen Verfassung am Sonntag Bonuspunkte.