Wild-Wings-Coach Steve Walker ging nach der herben Heimniederlage am Freitag konkret auf die Probleme seines Teams ein. Foto: Roland Sigwart

Die Gefühlswelt in Schwenningen nach der 2:6-Heimpleite gegen Bremerhaven. Der Coach übt harte Kritik. Gesprochen wurde zuletzt genug. Am Sonntag gegen Ingolstadt.

Nichts Neues von den Wild Wings in diesen Wochen: Es geht einen Schritt nach vorne – und dann bald wieder einen zurück. Nach dem 3:2-Arbeitssieg gegen Wolfsburg folgte am Freitagabend in der Helios Arena ein selten schlechter Heimauftritt gegen Bremerhaven. Dieses desolate 2:6 wirft neue Fragen auf.

 

Sollte die Leistung am Sonntag (16.30 Uhr) in Ingolstadt nicht besser werden, dürfte intern in der neuen Woche einiges bei den Wild Wings los sein. Das Grundproblem ist: Die Mannschaft besitzt sehr viel Potenzial, rief dieses aber in den vergangenen Wochen nur unregelmäßig ab und läuft Gefahr, aus dem Kampf um Platz sechs in der Tabelle mittelfristig rausgespült zu werden. Noch liegt Schwenningen mit Platz acht und 39 Punkten im Soll, aber das Bild täuscht: Die Schwäne haben ein Spiel mehr auf dem Konto als die direkte Konkurrenz!

Zuletzt gab es intern genug Aussprachen und Analysen

Es fehlt den Neckarstädtern weiterhin die Konstanz. Interne Gespräche, Analysen und Selbstkritik gab es zuletzt genug, kurzzeitig war auch Besserung zu spüren, aber der sportliche Weg in dieser Saison bleibt von zu großen Wellenbewegungen gekennzeichnet.Dabei könnte diese Mannschaft viel mehr.

Am Freitag tauchte nun aber noch eine weitere „Baustelle“ bei den Wild Wings auf: In Sachen Einstellung gab es bisher nie mit diesem Team Probleme. Ja, sogar nach dem 2:5-Rückstand gab es in der Arena noch zuversichtliche Stimmen, die den Schwänen noch eine Aufholjagd deshalb zutrauten. Doch daraus wurde nichts.

Klare Worte von Steve Walker

Der Schwenninger Coach analysierte nach dem Spiel das Geschehen gefasst, aber innerlich brodelte es in ihm. Seine kritischen Sätze folgten Schlag auf Schlag: „Unsere 1:0-Führung hätte uns eigentlich weiteren Schwung geben müssen. Wir hatten kein Selbstvertrauen. Nach dem 1:1-Ausgleich sind bei uns vor Enttäuschung schon wieder die Schläger aufs Eis geflogen. Es hat bei uns dann nicht mehr Click gemacht. Wir waren nicht bereit, uns mit harter Arbeit das Momentum zu verdienen, was in dieser Liga sowieso nicht einfach ist, und konnten so auch das Spiel nicht gewinnen.“

Angreifer Kyle Platzer, der sich seit Wochen in einer guten Form befindet, fand für diese herbe Niederlage auch nicht sofort die Erklärungen: „Es lag heute nicht an einer Sache, sondern an mehreren. Wir hatten tatsächlich eine positive Woche hinter uns und sind auch zuversichtlich das Spiel angegangen. Wir Spieler allein müssen die Verantwortung übernehmen.“

Ingolstadt ist eine Klasse für sich

Klar ist, die Wild Wings sollten am Sonntag beim Top-Team Ingolstadt als Außenseiter eine gute Reaktion zeigen. Aber es dürfte sehr schwer werden.

Die Panther wurden nach elf Siegen in Folge (Clubinterner Rekord) am Freitag mit 0:2 in München ausgebremst. Die Tabellenführung ging – zumindest bis Sonntag – ersteinmal an Mannheim.

Dies dürfte aber nur eine kleine Beule auf dem diesjährigen Weg der Mannschaft um Coach Mark French darstellen. Mit den Ingolstädtern muss auch bei der Titelvergabe gerechnet werden, so viel spielerische Klasse besitzen die Oberbayern.

Diese weisen zum Beispiel das stärkste Umschaltspiel in der Liga vor. Bei den DEL-Topscorern sind die Ingolstädter mit Riley Barber (20 Tore/14 Assists), Myles Powell (12/19), Kenny Agostino (12/15) und Verteidiger Alex Breton (7/17) gleich viermal in den Top 10 vertreten. Im Penalty-Killing führen die Panther mit aktueller 84,93 Prozent Erfolgsquote die Konkurrenz an.

Der Blick von Kyle Platzer auf das Sonntag-Spiel

Nach der 1:3-Hinspielniederlage am Dienstag im Viertelfinale der Champions Hockey League gegen den schwedischen Top-Club Frölunda und dem 0:2 in München dürfte klar sein, mit welcher Power die Ingolstädter am Sonntag gegen Schwennningen ans Werk gehen.

Im ersten Saison-Aufeinandertreffen konnten die Wild Wings die Spielkunst von Ingolstadt beim 2:4 in der Helios Arena am 19. Oktober schon kennenlernen.

Kyle Platzer zeigt sich trotzdem vor der schweren Aufgabe zuversichtlich: „Wir müssen am Sonntag gegen diesen starken Gegner selbst die Iniative ergreifen, ihn hart attackieren und dürfen Ingolstadt nicht zu sehr kommen lassen.“