Die Wild Wings fuhren im Heimspiel gegen Red Bull München nach 0:3-Rückstand noch einen Sieg im Penaltyschießen ein. In Schwenningen hofft man, den Rückenwind dieses Comebacks für die kommenden Wochen nutzen zu können – am besten direkt am Sonntag (16.30 Uhr) in Nürnberg.
Auch wenn die Wild Wings nach dem zwölften Spieltag noch immer auf ihren ersten Sieg in der regulären Spielzeit warten, zeichneten die Aussagen der Schwenninger Akteure nach dem 4:3-Erfolg über Red Bull München nach Penaltyschießen ein durchweg positives Stimmungsbild. Keeper Michael Bitzer sprach von einem „riesigen“ Sieg und dass „wir nicht zufriedener sein könnten, hier noch zwei Punkte geholt zu haben“. Headcoach Steve Walker kritisierte seine Schützlinge zwar deutlich für die „Schlampigkeit“, die sich nach einem guten ersten Drittel im mittleren Spielabschnitt einmal mehr eingeschlichen hatte. Doch unter dem Strich war auch er glücklich über die furiose Aufholjagd seiner Mannschaft vor den Augen von fast 5000 Zuschauern in der Helios-Arena.
Trotzdem an den Plan gehalten
Zwischenzeitlich war am Freitagabend nur noch mit sehr viel Fantasie vorstellbar, dass die Wild Wings dem vierfachen Meister noch etwas Zählbares abluchsen können. „Das 0:3 im Powerplay schien der Berg zu sein, den wir nicht mehr erklimmen können“, gab auch Walker nach der Partie zu. Doch die Gastgeber taten genau das, was man unter der Woche immer wieder besprochen hatte, so der Headcoach: „Wir haben uns weiterhin an unseren Plan gehalten. Wir wollten möglichst viele Scheiben in Richtung Netz bringen, viel in die offensive Zone kommen. Wir wussten, dass wir irgendwann belohnt werden.“
Marshall, Höfflin und Puempel
Zunächst war es der wuchtige Distanzschuss von Ben Marshall, der an der 3:0-Führung, die sich die Münchner mit Toren von Markus Eisenschmid, Yasin Ehliz und Adam Brooks erspielt hatten, zehrte. Die Wild Wings warfen in der Folge alles in die Waagschale – erst recht, als Steve Walker bereits zweieinhalb Minuten vor der Schlusssirene die Entscheidung traf, Bitzer vom Eis zu nehmen und einen zusätzlichen Feldspieler ins Rennen zu schicken. Der Mut wurde belohnt: Mirko Höfflin und Matthew Puempel brachten die Helios-Arena mit zwei Treffern innerhalb von 35 Sekunden zum beben. Auch Walkers überraschende Entscheidung, auf Leistungsträger Tylor Spink zu verzichten, zahlte sich letztendlich aus: „Wir wollten etwas verändern und Boaz Bassen mehr Minuten auf der Center-Position geben. Tylor ist ein Vollprofi, er hat das akzeptiert. Im nächsten Spiel wird er wieder zum Einsatz kommen."
Dass sich die Schwenninger nach einer torlosen Overtime den Extrapunkt sichern konnten, hatten sie den starken Nerven von Phil Hungerecker und Alexander Karachun zu verdanken. Ersterer traf im ursprünglichen Drei-gegen-Drei-Shootout, ebenso wie Münchens Patrick Hager. Nach den ersten sechs Schützen landete bei sieben weiteren Versuchen – unter anderem von den beiden eben noch erfolgreichen Hungerecker und Hager – keiner im Netz, bis Karachun EHC-Keeper Mathias Niederberger schließlich bezwang.
Erster „echter“ Sieg?
„Vom Momentum her war es das größte Spiel unserer bisherigen Saison“, betonte Steve Walker die Wichtigkeit dieses Comebacks. Außerdem sei der Erfolg „sehr wichtig für das Team gewesen“, meinte Headcoach. Einen Satz schien er aber mit noch mehr Dringlichkeit auszusprechen als die anderen zuvor: „Darauf wollen wir aufbauen!“ Dabei bezieht er sich sowohl generell auf die Aufgaben in den nächsten Wochen als auch auf die unmittelbar anstehende Prüfung: die Nürnberg Ice Tigers. Es wäre ein denkbar perfekter Moment für den ersten „echten“ Saisonsieg.
Tabellennachbarn
Mit 14 Punkten aus zwölf Partien sind die Wild Wings vor dem Spieltag am Sonntag Elfter – einen Platz und einen Zähler hinter den Franken. Die Ice Tigers scheinen sich aktuell nach einem starken Saisonstart mit drei Siegen aus den ersten vier Spielen und einem anschließenden Tief mit fünf Niederlagen in Serie wieder gefangen zu haben. Letzte Woche verlor man zwar noch mit 0:4 in München, doch das 6:2 zuhause gegen Straubing und der hart umkämpfte 2:1-Sieg am Freitagabend in Wolfsburg könnten dem Team von Headcoach Mitch O’Keefe.
Top-Scorer Barratt
Besonders aufpassen muss die Schwenninger Defensive am Sonntag (16.30 Uhr) auf Evan Barratt. Der 25-jährige US-Amerikaner ist Dreh- und Angelpunkt der Nürnberger Offensive und zählt mit 15 Scorerpunkten (vier Tore, elf Assists) zu den Top-Scorern der Liga. Bester Torjäger des kommenden Gegners ist Jeremy McKenna mit sechs Treffern, für die er allerdings nur neun Einsätze benötigte.
Chance im Powerplay
Eine Chance für das Team von Steve Walker könnten die Überzahlsituationen sein. Die Wild Wings sind bislang das schlechteste Powerplay-Team der DEL: Nur vier Tore in Überzahl gelangen bei 37 Situationen, was einer Quote von 10,81 Prozent entspricht. Aber: Die Ice Tigers sind auf der anderen Seite die bis dato drittschlechteste Mannschaft in Unterzahl. Bei 41 Situationen kassierten sie schon zehn Gegentore im gegnerischen Powerplay.