Der Bietigheimer Chase Berger bei seinem Penaltyversuch gegen Wild-Wings-Keeper Joacim Eriksson. Klar ist zu sehen, wie dem Steelers-Spieler die Scheibe nach einem Schussversuch wegspringt. Foto: Eibner/Lägler

Es bleibt dabei. Derbys zwischen Schwenningen und Bietigheim – egal in welcher Liga – sind meistens keine "normalen" Spiele. Am Sonntagabend war es beim 2:3 nach Penaltyschießen nicht anders.

Der große Zeiger in der fast ausverkauften Schwenninger Helios-Arena (5014 Zuschauer) sprang schon auf 21:43 Uhr, als der Bietigheimer Chase Berger beim Stand von 2:2 zum sechsten Penalty antrat. Der Steelers-Angreifer traf bei seinem Schussversuch kurz vor Wild-Wings-Keeper Joacim Eriksson die Scheibe aber nicht richtig. Das Spielgerät trudelte kurz in Richtung Schwenninger Tor übers Eis. Hauptschiedsrichter Sirko Hunnius gab Eriksson per Armbewegung zu verstehen, dass damit dieser Penaltyversuch beendet wäre. Wohl aus Frust schoss Chase Berger die schwarze Hartgummischeibe anschließend noch trotzig über die Torlinie. Eriksson reagierte aber nicht mehr, weil er sich auf das Zeichen von Schiri Hunnius verlassen hatte.

Schiris kümmern sich nicht um ein Videostudium

Doch der andere Hauptschiedsrichter Marian Rohatsch gab den Treffer, dabei ist ein "Nachschuss" beim Penalty nicht erlaubt. Rohatsch legte den ersten Schussversuch von Berger offenbar als beim Penaltyschießen erlaubten "Move" aus.

Die Minuten danach? Der stets ruhige Joacim Eriksson war aufgebracht, wie noch nie im Schwenninger Trikot. Das Bietigheimer Team jubelte mit seinen 300 mitgereisten Fans über seinen 3:2-Sieg. Und die Schwenninger Fans wünschten lautstark die beiden Hauptschiedsrichter – begleitet von "Schieber-Rufen" – sonst wohin. Die große Frage bleibt: Warum haben die Unparteiischen nicht ganz einfach angesichts dieser Riesendiskussion und dieser gravierenden Entscheidung die Videoaufzeichnung studiert? Der Bildschirm interessierte sie aber in diesen Augenblicken nicht.

Die Darstellung von Joacim Eriksson

Eine halbe Stunde später war Joacim Eriksson schon wieder gefasst und berichtete: "Der eine Hauptschiedsrichter hat sich bei mir für seine Handbewegung entschuldigt und seinen Fehler eingestanden. Ich muss mir vorwerfen, dass ich beim zweiten Schuss von Chase Berger noch sicherheitshalber hätte reagieren müssen. Es ist, wie es ist, ich werde daraus lernen." Wild-Wings-Sportdirektor Christof Kreutzer ließ am späten Sonntagabend die Option des Protests bei der DEL offen.

Das Statement von Harold Kreis

Wild-Wings-Coach Harold Kreis konnte die heftigen Diskussionen um den gegebenen Penalty nachvollziehen, blieb aber sehr fair und selbstkritisch: "Wir haben das Spiel in den regulären 60 Minuten verloren. Wir begannen nicht gut und nahmen die Zweikämpfe nicht konsequent an. Ab dem zweiten Drittel lief es besser bei uns. Nach unserer 2:1-Führung müssen wir aufgrund guter Chancen von Manuel Alberg und Boaz Bassen das Spiel vor der Verlängerung für uns entscheiden."

Steelers-Trainer Danny Naud freute sich über den ersten Saisonsieg seiner Mannschaft. "Beide Teams haben heute sehr hart gearbeitet. Jetzt hatten wir das Glück auch einmal auf unserer Seite."

Der Vergleich zum Freitagspiel in Bremerhaven

Joacim Eriksson hatte insgesamt einen Unterschied bei seinem Team im Vergleich zum 3:2-Erfolg am Freitag in Bremerhaven ausgemacht: "Wir waren heute gegen Bietigheim nicht so hungrig. Wir hatten Chancen genug, um das Spiel in der regulären Spielzeit zu gewinnen."

In den letzten fünf DEL-Duellen zwischen Schwenningen und Bietigheim sind die Steelers die vergangenen vier Mal als Sieger vom Eis gegangen. Am Sonntag allerdings nach einem Penalty, der eigentlich nicht hätte zählen dürfen.

Die Statistik

Wild Wings – Bietigheim 2:3 n.P. (0:1, 1:0, 1:1 –0:1). Tore: 0:1 Wilke (4:37 – Assist Lindner), 1:1 Elias (29:34), 2:1 Tyson Spink 41:53 – Tylor Spink und Lajunen), 2:2 Lepaus (46:24 – Keränen und Weiss), Entscheidender Penalty: Chase Berger: Strafen: Wild Wings: 4 – Steelers: 6. Schiedsrichter: Hunnius/Rohatsch. Zuschauer: 5014.