Der überraschende 2:5-Crash gegen Dresden und seine Folgen. Wie Coach Steve Walker und Alex Trivellato nach Gründen suchen. Beim Titelverteidiger Berlin brennt der Baum.
Als die 2:5-Heimniederlage der Wild Wings am Sonntag gegen den sportlichen DEL-Absteiger Dresden feststand, war es sehr leise in der Helios Arena. Die Zuschauerränge leerten sich – ungewöhnlich – schnell.
Wenig später marschierte ein genervter Alex Karachun von der Kabine hoch in den Athletik-Raum – ein wenig Frustverarbeitung des Schwenninger Stürmers auf dem Ergometer. Nach den beiden Siegen nach der Olympiapause hatte es für die Wild Wings ausgerechnet von den Dresdner Eislöwen im Kampf um einen aussichtsreichen Pre-Playoff-Platz eine „Watschn“ gegeben.
Alle Direktkonkurrenten spielen für Schwenningen
Was den Schwänen und ihren Fans am Sonntag dann noch besonders wehtat? Die anderen Ergebnisse der Direktkonkurrenten liefen eigentlich alle für die Neckarstädter. Bei einem Sieg der Wild Wings (9./63) wäre der Vorsprung – fünf Spieltage vor dem Hauptrunden-Ende – vor Augsburg (11./2:4 in Iserlohn) schon auf zehn Punkte angewachsen.
Auch Nürnberg (10./1:4 in Ingolstadt) hätte bei einem Schwenninger Sieg schon vier Zähler hinter den Neckarstädtern gelegen. Und die Wild Wings hätten auch den achten Platz von Wolfsburg (2:3 nach Verlängerung in Frankfurt) übernehmen können. Hätte, hätte – Fahrradkette.
Die Erfahrenen warnen noch in der Kabine
Auch wenn die Schwenninger Mannschaft in Sachen Charakter und Mentalität als sehr stark gilt, so hat sie offenbar die Heimaufgabe gegen personell immer mehr auflösende Dresdner auf die leichte Schulter genommen.
Dabei hatte Coach Steve Walker in der Teambesprechung noch einmal davor gewarnt, die Eislöwen zu unterschätzen. In der Kabine vor dem Duell ergriffen einige erfahrene Spieler sogar noch extra das Wort, nicht zu glauben, „dass es heute einfach wird“.
Nach der Niederlage war für Walker bei seiner Mannschaft eins zum anderen gekommen: „Wir waren zu langsam und sind gegen defensiv sehr gut eingestellte Dresdner zu wenig in die gefährlichen Zonen gekommen. Einige Spieler von uns sind heute zu spät im Spiel erschienen. Wir müssen daraus lernen, dass wir in jedem Spiel nahezu an unsere optimale Leistung kommen müssen.“
Auch für Verteidiger Alex Trivellato ist klar, „dass wir am Mittwoch in Nürnberg wieder ganz anders auftreten müssen“. Der Olympiafahrer verstand am Sonntagabend kurz die Eishockey-Welt nicht mehr: „Du redest dir ein, den Gegner nicht zu unterschätzen. Und dann fehlt es doch an Energie und ein paar Prozentpunkten. Vielleicht hat sich nach unseren zwei Siegen nach der Olympiapause wieder etwas zu viel Leichtigkeit eingeschlichen.“
In Berlin geht die Angst um
Beim DEL-Titelverteidiger Eisbären Berlin (7./70) brennt hingegen nach der 1:3-Heimniederlage gegen den Direktkonkurrenten Bremerhaven (6./74) der Baum. Das Umfeld befürchtet, dass sich die Eisbären nicht direkt für die Playoffs qualifizieren, sondern ins offene Abenteuer einer kurzen Pre-Playoffs-Serie müssen. Coach Serge Aubin steht bei den Berliner Medien in der Kritik. Ausgerechnet nun müssen die Eisbären am Mittwoch zu den moralstarken Dresdnern.