Der Wild-Wings-Coach freut sich bereits auf die nächste DEL-Saison. An welchen personellen Stellschrauben gedreht wird. Seine Erfahrungen im „schwarzen Dezember“.
Aus der Schwenninger Helios Arena ist über Nacht eine Großbaustelle geworden. Die Sanierung des Wohnzimmers der Wild Wings hat begonnen und wird sich bis September hinziehen. Coach Steve Walker ist bei einem Kaffee an diesem Dienstag sehr gut gelaunt und nimmt sich viel Zeit für unser Gespräch.
Steve, Sie werden bald zu Ihrer Familie nach Kanada zurückkehren. Was steht in den kommenden Tagen noch an?
Die Abschlussgespräche mit den Spielern haben wir geführt. Ich war bei einem Spezialisten zu einer Untersuchung meines Beines. Die Operation werde ich aber erst im nächsten Jahr durchführen lassen, da es doch eine etwas größere Geschichte ist. Auf dem Heimweg werde ich noch einen meiner Söhne beim Baseball in den USA besuchen.
Stichwort Abschlussgespräche. Wie war das Feedback in den Dialogen mit ihren Spielern?
Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass die Jungs in der neuen Saison den nächsten Schritt schaffen wollen und einen Top 6-Platz anpeilen. So hat auch Eric Martinsson beispielsweise betont, dass hier an diesem Standort noch mehr möglich ist. Das erste Mal, seitdem ich hier in Schwenningen bin, war dies so in aller Deutlichkeit in den Gesprächen zu hören. Das ist natürlich für unser Trainerteam und mich, ja für die gesamte Organisation, sehr positiv.
Mit einigen Tagen Abstand, wie würden Sie die Saison noch einmal im Rückblick beurteilen?
Es war sicherlich keine einfache Saison. Wir hatten anfangs viele Auswärtsspiele, wir mussten gut mit der ungewöhnlich langen Olympia-Pause umgehen. Unser Start war wechselhaft. Nach Weihnachten sind wir sehr konstant geworden. Ich bin stolz auf die Mannschaft, dass sie dann optimal gespielt hat. Die Gruppe hat sich gut entwickelt. Es war beeindruckend, zuletzt auch gegen Köln, wie widerstandsfähig unser Team war.
Im Dezember ging Ihr Team durch ein völlig ungewohntes Leistungstal mit neun Niederlagen in Folge. Wie haben Sie die Zeit erlebt? Wo lag für Sie der Schlüssel, dass die Mannschaft stark zurückgekommen ist?
Wir hatten zwar die Niederlagen, aber unsere Leistungen und die Einstellung der Jungs haben gestimmt. Wichtig war in dieser Zeit immer, dass wir das Negative von uns weggehalten haben. Wir Trainer wollten positiv vorangehen. Natürlich war es eine schwierige Phase für uns alle. Es waren tatsächlich Wochen, in denen eine Mannschaft zerbrechen oder noch stärker zusammenwachsen kann. Wir haben geschafft, noch stärker zurückzukommen.
War es für Sie eine sehr wichtige Erfahrung in Ihrer noch relativ jungen Karriere als Cheftrainer?
Ja. Man lernt ständig dazu. An diesem Standort war es noch ein stückweit dramatischer neun Spiele in Serie zu verlieren, weil die Fans in diese Negativität von früher wieder verfallen können. Für uns Trainer war zum Beispiel die Zusammenstellung der Line-ups damals aufgrund des langfristigen Ausfalls von Philip Feist im Rahmen der U23-Regelung schwierig.
Ich habe mir in den vergangenen Tagen meine ganzen Notizen, die ich während der Saison gemacht habe, noch einmal in Ruhe angeschaut. Natürlich hätte man da und dort eine andere Entscheidung treffen können. Aber insgesamt war es eine Saison, die auch wertvolle neue Erfahrungen mit sich brachte. Ich bin insgesamt stolz auf die Mannschaft.
Woran lag es, dass die Mannschaft daheim in dieser Saison nicht mehr so stark war wie in den vergangenen beiden Jahren – auswärts dafür besser spielte.
Unsere Heimstärke, die wir in meinem ersten Jahr hier gezeigt hatten, ist wirklich kaum zu toppen. Fakt ist, dass unsere Gegner hier in Schwenningen auf der kleinen Eisfläche fast immer optimal und inzwischen noch aggressiver spielen. Mannheim und Köln haben zum Beispiel bei uns besser gespielt als bei sich daheim. Auswärts nutzen wir die größeren Räume nun besser.
In welchen Bereichen muss das Team besser werden. Wo wird personell nun angesetzt?
Das ist ein komplexes Paket. Es wird generell in der Liga im Forechecking aggressiver agiert. Deshalb brauchen wir im defensiven Bereich noch ein besseres Puckmanagement. Wir benötigen offensiv mehr Rechtsschützen. Die Themen Körpergröße und Torgefährlichkeit spielen eine Rolle. Wir sollten unsere Mannschaft etwas verjüngen. Aber der neue Spieler muss auch absolut zu uns passen. Nicht jeder ist mit unserer „Team-first-Mentalität“ einverstanden, schaut in erster Linie auf seinen Score. Und natürlich muss eine Verpflichtung in unser Budget passen. In vielen Gesprächen versuchen wir immer wieder die richtigen Puzzleteile zu finden.
Wie werden Sie die kommenden Wochen daheim in Kanada erleben?
Ich freue mich auf meine Familie, aber die Planung für unsere Saison bleibt für mich das zentrale Thema. Ich werde mir einige Spiele drüben anschauen, viele Gespräche führen.
Wer wird Meister?
(lacht). Es ist weiterhin schwer, gegen die Eisbären zu wetten. München, Mannheim, Köln und Berlin spielen aktuell ihr bestes Eishockey. Die Finalserie könnte großartig werden.