Der großartige Verteidiger möchte sich daheim in Kanada in Ruhe Gedanken machen, wie es für ihn weitergeht. Ein Trainerjob würde ihm zusagen. Warum er sportlich mit den Wild Wings in den vergangenen zwei Jahren und privat mit seiner Familie in Schwenningen so viel Spaß hatte.
„Wir sind stolz darauf, dass Daryl bei uns gespielt hat.“ Treffender wie es Wild-Wings-Geschäftsführer Stefan Wagner bei der Saisonabschlussfeier und der Verabschiedung des großartigen Verteidigers ausdrückte, ging es nicht mehr.
Der 38-jährige Kanadier blickt auf eine fantastische Karriere mit dem Silbermedaillengewinn bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (Südkorea) 2018 und den vier deutschen Meisterschaften mit Red Bull München zurück. Zu 99 Prozent wird Daryl Boyle mit dem aktiven Eishockey nun Schluss machen. Wir sprachen mit ihm über seine Gefühle, über seine schönsten Momente und natürlich über seine zwei erfolgreichen Jahre bei den Wild Wings.
Daryl, wie sieht es gefühlsmäßig gerade bei Ihnen aus?
Ich bin sehr stolz auf das, was wir mit den Wild Wings in den vergangenen zwei Jahren erreicht haben. Natürlich war das Ausscheiden gegen Nürnberg in den Pre-Playoffs bitter. Mir wurde plötzlich klar, dass es für mich überhaupt mein letztes Spiel gewesen sein könnte. Ja, das war schon für mich ein spezieller, emotionaler Moment. Es wäre für uns mehr in den drei Spielen möglich gewesen. Aber wir haben in Schwenningen inzwischen den Standard etabliert, dass die Wild Wings nun immer die Playoffs erreichen können. Dies sollte für die Organisation jedes Jahr nun das Ziel sein. Das alles sorgt bei mir jetzt bei meinem Abschied für ein sehr schönes Gefühl.
Was werden Sie nun in den kommenden Wochen genau machen?
Ich reise mit meiner Familie nach Hause südlich von Calgary und werde mir ganz in Ruhe Gedanken darüber machen, was ich zukünftig tun möchte. Ich freue mich auch nach dieser Saison auf etwas Erholung und auf die Zeit, andere Dinge tun zu können. Ich will mich noch nicht ganz festlegen. Wenn es das tatsächlich mit dem Eishockey gewesen sein sollte, dann war es noch zuletzt hier bei den Wild Wings ein wundervoller Ritt.
Schon Vorstellungen Daryl, was nach der Eishockey-Karriere für Sie in Frage käme? Vielleicht ein Engagement als Trainer?
Oh ja, das wäre vorstellbar, aber sicherlich zunächst im Nachwuchseishockey. Dies würde mir viel Freude machen. Ich möchte aber auch bei der Antwort dieser Frage sehr viel Rücksicht auf meine Familie nehmen. Es sollte eine Aufgabe sein, die nicht zu weit von daheim weg ist.
Was hat Ihnen mit Ihrer Familie in Schwenningen außerhalb des Eishockeys besonders gut gefallen?
(lacht). Wir hatten jedenfalls privat hier in den beiden Jahren viel Spaß. Es war mal schön – im Gegensatz zu München – dieses kleinere Umfeld zu haben. Die Landschaft hier ist wunderschön. Es ist einfach, kurz mal nach Freiburg, Stuttgart, Zürich oder an den Bodensee Tagesausflüge zu machen. Meine Frau hat einen Superjob gemacht, weil sie immer in der Freizeit schöne Unternehmungen für uns ausgesucht hat. Wir haben sehr viel Schönes mit den Kindern erlebt.
Bei Ihrer Karriere ist es wohl schwierig, eine Rangliste der schönsten Momente zu erstellen?
(lacht erneut). Ja, das ist richtig. Einzigartig war natürlich der Silbermedaillengewinn vor sieben Jahren mit dem Nationalteam bei den Olympischen Spielen, dann die Meisterschaften mit München. Aber einen sehr hohen Stellenwert hat für mich auch meine erste Saison mit den Wild Wings, als wir es schafften, nach vielen Jahren wieder einmal direkt die Play-offs zu erreichen. Dies war vor allem für den Club ein großer, wichtiger Schritt.
Seine Karriere, seine Famile
Daryl Boyle wurde am 24. Februar 1987 in Sparwood (British Columbia/Kanada) geboren. Er ist mit seiner Frau Dwan verheiratet. Die beiden jüngeren Söhne heißen Breeze und Bray.
Der Verteidiger begann seine Karriere bei den Crowsnest Pass Timberwolves, für die er in der Saison 2003/04 in der Alberta Junior Hockey League (AJHL) aktiv war. Anschließend spielte der Verteidiger vier Jahre lang für die Brandon Wheat Kings in der kanadischen Top-Juniorenliga Western Hockey League (WHL), ehe er gegen Ende der Saison 2007/08 für die Norfolk Admirals aus der American Hockey League (AHL) sein Debüt im professionellen Eishockey gab. Seine weiteren Stationen waren innerhalb der AHL: die Rockford IceHogs und die Peoria Rivermen.
In der Saison 2011/12 wurde Boyle von den Augsburger Panther verpflichtet.Im März 2014 wechselte er zu Red Bull München. Mit den Münchnern feierte der 38-Jährige vier DEL-Meistertitel. Von 2023 bis März 2025 trug er das Trikot der Wild Wings.
Im Oktober 2013 wurde Boyle erstmals in den Kader der deutschen Nationalmannschaft berufen. Es folgte 2016 eine WM-Teilnahme. Bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang gewann er mit dem deutschen Team die Silbermedaille.