Die Vesperkirche geht in die nächste Runde: Hunderte Helfer sorgen dafür, dass Gäste an einem Tisch zusammenkommen. Und wer steckt hinter der passenden Verpflegung?
„Die Technik steht schon“, berichtet Reinhold Hummel, der zum neunköpfigen Organisationsteam der Vesperkirche gehört, bereits am Montag beim traditionellen Mitarbeiterabend in der Pauluskirche, bei dem allen voran die neuen Ehrenamtlichen über das Prozedere rund um die Ablauf der Vesperkirche informiert werden. Diesmal sind es wieder „eine ganze Menge neue Helfer“, freut sich Hummel, dass das Sozialprojekt lebendig bleibt.
„Gasthaus am Weg“
Doch was ist dieses Sozialprojekt überhaupt? Ein Gasthaus am Weg will die Vesperkirche sein, „freundlich, einladend und festlich“. Unter dem Motto „Gemeinsam an einem Tisch“ soll sie Menschen an einen Tisch und ins Gespräch bringen, die vorher noch nie zusammen gesessen haben – egal welchen Alters, welcher Religion, welchen sozialen Ranges. „Jeder hat seinen Platz und seine Würde“, sagt der Organisator.
Über 400 Mitarbeiter
Nahezu alle 22 Vesperkirchen-Tage seien mit genügend Ehrenamtlichen besetzt, die sich im Service, hinter der Essens- oder Spültheke oder beim Fahrdienst engagieren, berichtet derweil sein Kollege Lothar Schropp, der für den Einsatzplan zuständig ist. 40 Mitwirkende pro Tag sind notwendig, über 400 Mitarbeiter sind es insgesamt, davon die Hälfte aus Vereinen, Firmen oder Schulen kommen, um für einen Tag mithelfen.
Ohne sie sei das Sozialprojekt ebenso wenig vorstellbar wie ohne die Akteure rund um die Verpflegung, betont Reinhold Hummel. Da ist das AWO-Seniorenzentrum am Stadtpark, das seit vergangenem Jahr das Essen in der hauseigenen Küche zubereitet.
Über 4000 Essen
Mehr als 4000 Essen werden in diesen drei Wochen für die Vesperkirche zubereitet, erläutert Küchenchef Jens Schmeisser. Sind es in der ersten Woche rund 150 bis 200 Essen pro Tag, steigert sich der Bedarf stetig. Diese Zahlen seien Erfahrungswerte, die jedes Jahr dokumentiert würden.
Für das AWO-Küchenteam sei es selbstverständlich gewesen, sich als Nachfolger des St.-Franziskusheims für die Vesperkirche zu engagieren, wenngleich es einen nicht unerheblichen Mehraufwand bedeute, betont die Hauswirtschaftsleiterin Alena Suppes.
Einsatz an Grenzen
Denn mehr als doppelt so viel Essen wie sonst müssten in diesen 22 Tagen zubereitet werden – da komme man schon allein aus Kapazitätsgründen an seine Grenzen, sagt sie. Rund 20 Mitarbeiter seien dann in der Küche im Einsatz – und engagierten sich durch mehr Arbeitskraft und Zeit zusätzlich zur eigenen Arbeit.
Jeden Tag gibt es sowohl ein Essen mit und ohne Fleischanteil als auch Suppe und Salat. Und die Gäste können sich kulinarisch durchaus verwöhnen lassen – in diesem Jahr stehen unter anderem Sauerbraten, paniertes Schnitzel oder Schweinsbäckchen auf der Speisekarte, verrät der Küchenchef.
Symbolische Spende
An der Kasse der Vesperkirche bezahlen die – bedürftigen – Gäste für das Essen zwei Euro – oder auch mehr. Das sei vielmehr eine symbolische Spende, und man wolle es für jeden bei dieser Freiwilligkeit belassen, sagt Reinhold Hummel. Für die AWO als Non-Profit-Unternehmen zahle man derweil rund zehn Euro für jedes Essen – und das sei auch absolut in Ordnung so.
Da ist aber auch der Bad Dürrheimer Mineralbrunnen, ohne dessen Einsatz die Vesperkirche kaum vorstellbar sei, betont Reinhold Hummel. Von der ersten Stunde an unterstützt das Unternehmen das Sozialprojekt mit Getränken – umsonst und „offen, was Menge und Sorte betrifft“, sagt derweil Marketingleiter Michael Neuenhagen.
Gesellschaftlich engagiert
Der Grund: Der Getränkelieferant sei in der Region tief verwurzelt, stehe nicht nur in Sachen Umweltschutz für Nachhaltigkeit, und so wolle man die Vesperkirche über viele Jahre hinweg begleiten.
Gesellschaftliches Engagement sei schon immer selbstverständlich gewesen, schließlich sei man in der eigenen Heimat auch angewiesen auf eine funktionierende Gesellschaft.
Das sei eine „Riesenleistung“, unterstreicht Reinhold Hummel – „das Projekt lebt von solchen Engagements“. Und diese seien viel wertvoller als die reinen Zahlen. Denn Rekorde – zum Beispiel, was die Besucheranzahl betrifft – wolle man in der Vesperkirche nicht brechen.
Die 23. Vesperkirche in der Pauluskirche
Die Öffnungszeiten
Die Vesperkirche findet von Sonntag, 18. Januar, bis Sonntag, 8. Februar, in der Schwenninger Pauluskirche, Paulusplatz 10, täglich von 11 bis 15 Uhr statt.
Der Eröffnungsgottesdienst
Die 23. Ausgabe wird am Sonntag, 18. Januar, um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der Pauluskirche eröffnet, den Pfarrer Klaus Gölz und Esther Kuhn-Luz, Pfarrerin der Landeskirche Württemberg im Ruhestand, halten.
Das Kulturprogramm
Rolf Klaiber hat ein vielfältiges Kulturprogramm mit sechs Terminen (Beginn jeweils 20 Uhr, Einlass 19.30 Uhr) auf die Beine gestellt. Den Auftakt machen die Four Sax.Brothers am Sonntag, 18. Januar. Weitere Infos dazu gibt es unter www.vesperkirche-vs.de.