Das Uhrenindustriemuseum in Schwenningen besteht inzwischen seit über 30 Jahren. Auch nach dieser Zeit fasziniert das Museum immer noch. Besucher werden von einem historischen Charme, der Liebe und dem Herzblut der Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer angelockt.
Man kommt in die Werkstatt des Uhrenindustriemuseums und es wirkt, als wären die Arbeitskräfte nur in die Mittagspause gegangen und würden ihr Handwerk in naher Zukunft fortführen.
Mit viel Enthusiasmus wurde das Museum in der Schwenninger Bürkstraße in den 1980er und 90er Jahren hergerichtet, um Besucher mit auf eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit zu nehmen. Doch anders als andere Ausstellungen gibt es hier nicht nur etwas anzuschauen, sondern vor allem etwas zu erleben.
Der ehrenamtliche Mitarbeiter und Rentner Helmut Erchinger machte extra eine außerplanmäßige Vorführung der Maschinen für einige Besucher.
Mit viel Leidenschaft
Dabei zeigte er Schritt für Schritt jede Maschine, deren Funktion und das damit hergestellte Teil des Museumsweckers, der am Ende der Produktionsstraße entstehen sollte. Mit viel Leidenschaft und Detailwissen machte Erchinger die Führung zu einem Erlebnis der besonderen Art. Auch für spezifische Fragen hatte der ausgebildete Werkzeugmacher immer die passende Antwort parat.
Doch nicht nur für Technikbegeisterte ist das Uhrenindustriemuseum einen Besuch wert, auch Geschichtsinteressierte kommen hier auf ihre Kosten. Durch die besonders anschaulich vorgetragenen Führungen in der ehemaligen Uhrenfabrik Bürk und Söhne ist es möglich, sich gedanklich in die Vergangenheit zurückzuversetzen.
Passion für ihren Beruf
Die Museumsführerin Ute Höller erläuterte mit einer Begeisterung unter anderem die Geschichte der Schwenninger Uhrenfabriken, so dass ihre Passion für ihren Beruf unverkennbar wird. Bereits zu Beginn ihrer Führung betonte sie, wie „stolz“ sie auf das „lebendige“ Museum und insbesondere den historischen Maschinensaal ist.
Mit kleinen Anekdoten und Erzählungen der damaligen Arbeitsbedingungen wird ein Einblick in das Leben der Arbeiter von vor hundert Jahren ermöglicht. Ein Beispiel für eine solche Geschichte bietet Höller mit den bemerkenswerten „Olfewiibr“. Dabei handelte es sich um Frauen zur Zeit der deutschen Hochindustrialisierung und danach, die es schafften, sowohl ihre zeitintensiven Berufe als auch die Aufgaben des Haushalts und der Familie zu meistern. Ihre Arbeitszeit sah eine längere Mittagspause vor, die sie für die Aufgaben des allgemeinen Lebens, aber vor allem für das Kochen des Mittagsessens zur Verfügung gestellt bekommen haben.
Um Punkt 11 Uhr heulte eine Sirene, und die „Olfewiibr“ eilten nach Hause, damit das Essen rechtzeitig für ihre Ehemänner und Kinder auf dem Tisch stand. Nach der Pause ging es wieder zurück in die Fabrik und an die Arbeit. Dafür, dass diese Frauen nur eine Stunde weniger arbeiteten als ihr Männer, bekamen sie jedoch signifikant weniger Lohn. „Die Frauen hatten damals einen Stundenlohn von 55 Reichpfennig und der Mann hat für dieselbe Arbeit 80 Reichpfennig bekommen“, so Ute Höller.
Diese und viele weitere Geschichten erwarten die Besucher des Uhrenindustriemuseums in Schwenningen und machen eine Führung so faszinierend. Egal ob es der erste Besuch ist oder auch einer von vielen, die ehemalige Uhrenfabrik bietet Faszinationen und die Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern.
Weitere Infos gibt es unter www.uhrenindustriemuseum.de.