Das Unglück vom vergangenen Dienstag weckte bei der Witwe des schlimmen Steig-Unfalls Erinnerungen. Sie will, dass dort gehandelt wird. Foto: Marc Eich

Luana Montuori verlor 2019 bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Schwenninger Steig ihren Mann und ihren einjährigen Sohn. Das neue Unglück schockiert die Witwe. Sie wendet sich deshalb mit einem Appell an unsere Redaktion.

Ein Auto liegt nach einem schweren Unfall völlig zerstört auf dem Dach. Und das genau an jener Stelle, an der Luana Montuori ihren Mann und ihren einjährigen Sohn verloren hat, während sie und ihre Tochter mit schwersten Verletzungen davonkamen. „Ich war schockiert, es kam alles wieder hoch“, sagt die 28-Jährige über das Unglück am Dienstag. Sie will, dass auf der Schwenninger Steig endlich gehandelt wird.

 

Der schlimme Unfall, bei dem ein 19-jähriger Fahrer und seine 17-jährige Beifahrerin lebensgefährlich und eine 13-Jährige schwer verletzt wurden, hat sie gedanklich in das Jahr 2019 zurückkatapultiert. An jenen Tag, als ein damals 24-Jähriger mit seinem BMW in einen überbesetzten Ford gekracht war und eine Tragödie mit drei Toten ausgelöst hatte. Das schlimme Déjà-vu löste in ihr den Impuls aus, einen Appell auszusprechen. Dafür meldete sie sich bei unserer Redaktion.

„Wann wacht die Stadt endlich auf?“, fragt sie fünf Jahre nach dem tragischen Ereignis, das ihr Leben für immer verändert hat. Und: „Wer soll dort noch sterben?“ Auf der Steig werde immer wieder gerast, das nimmt sie und auch ihr Umfeld wahr. Auf Höhe des Schildes, mit dem am Dienstag der Audi-Fahrer zusammengestoßen war, hatte es 2021 abermals einen schweren Unfall gegeben. Glücklicherweise nur mit Blechschaden.

Sie fordert ein Handeln an der Stelle

Montuori fordert deshalb stärkere Kontrollen, „meistens blitzen sie nur unten“, sagt sie. An der gefährlichen Stelle in der Kurve werde das Tempolimit von 70 Kilometern pro Stunde hingegen nicht überwacht. Die Stadt begründete das 2019 damit, dass dortige Geschwindigkeitsmessungen gerichtlich nicht haltbar seien. Gehandelt werden müsse jedoch in jedem Fall, unterstreicht die 28-Jährige. Notfalls mit anderen Maßnahmen. Hierzu liegt auch ein Antrag aus dem Gemeinderat bei der Stadtverwaltung vor.

Luana Montuori appelliert an die Stadtverwaltung, dass auf der Schwenninger Steig Maßnahmen zur Verkehrssicherheit getroffen werden Foto: Marc Eich

Dass der Unfall im Juli 2019 noch so präsent im Gedächtnis der jungen Frau ist, liegt aber nicht nur an den aktuellen Ereignissen. Seit fünf Jahren liegt sie mit der Versicherung des Unfallgegners („Ich kann ihm verzeihen, werde es aber nie vergessen“) im Clinch. Gerichtlich will sie zivilrechtliche Ansprüche geltend machen – immer wieder muss sie dafür Stellungnahmen abgeben und gegenüber dem medizinischen Dienst rechtfertigen. „Ich kämpfe um das Recht“, sagt sie.

Ihre Tochter ist traumatisiert

Der Unfall hat sie dabei nicht nur psychisch, sondern auch körperlich aus der Bahn geworfen. Seit dem Ereignis beeinträchtigt sie eine Gehbehinderung und eine Sprachstörung, weitere komplizierte Operationen sind notwendig, „aber ich weiß nicht, ob ich danach noch mein Bein habe“, erzählt Montuori und betont: „Ich habe schlimme Schmerzen.“ Einen Beruf wird sie wohl nie mehr ausüben können.

Mit Tränen in den Augen erzählt sie von den schlimmen Folgen bei ihrer achtjährigen Tochter. Sie hatte den Unfall im Gegensatz zu der 28-Jährigen bei vollem Bewusstsein miterlebt und die schrecklichen Bilder immer noch vor Augen. Oft erzählt sie, wie sie ihren toten Bruder gesehen hat. „Sie weint noch viel, will ihren Vater und ihren Bruder zurück“, so Montuori. Beide befinden sich in Therapie, haben auch dank der Nachsorgeklinik Tannheim Fortschritte gemacht.

Mit neuem Partner neues Glück gefunden

Im persönlichen Bereich hat sich ihr Leben positiv weitergedreht. Ihr neuer Partner unterstützt sie bei ihrem Kampf um Recht, sie ist im Oktober 2021 und im Dezember 2023 mit einer Tochter und einem Sohn nochmals Mutter geworden. Das gebe ihr Kraft für die Zukunft.

Der Schmerz wird sie dennoch ihr Leben lang begleiten – deshalb will Luana Montuori verhindern, dass noch mehr Menschen leiden, weil es auf der Schwenninger Steige zu schweren Unfällen kommt.