Am 6. Mai wird Karl Schmid, seit fast 60 Jahren Naturschutzwart, im Schwarzwaldverein, die nächste botanische Wanderung führen. An diesem Sonntag wird er 95 Jahre alt.
Karl Schmid ist ein Phänomen. Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist er fit und aktiv wie viele Jüngere nicht.
Worauf führt er selbst das zurück? Der gebürtige Schwenninger lächelt. Sein konfessionsloser Glaube an einen Schöpfer und seine Philosophie, nach der er Flora, Fauna und jeden Menschen achte, stärke ihn und damit auch seinen Körper, sagt er.
Seit seinem 19. Lebensjahr ist er Vegetarier, war zeitlebens viel in der Natur unterwegs, im Ehrenamt engagiert und er liebt das Singen.
Karl Schmid war neun Jahre alt, als er seine Heimatstadt mit Eltern und Bruder 1941 im Zuge der von den Nationalsozialisten initiierten Umsiedlungsaktionen in Richtung Westpreußen verließ, wo der Familie ein Grundstück mit kleiner Landwirtschaft zur Verfügung gestellt wurde. Das Mithelfen gefiel ihm, doch er vermisste Schwenningen.
1945 kehrte die Familie zurück und der Jubilar, der gerne Arzt geworden wäre, was die Umstände damals aber nicht zuließen, begann in Deißlingen die Ausbildung zum Müller. Seine erste Anstellung wäre weiter weg gewesen, er wollte seine Eltern nicht alleine lassen – der Bruder war bei einem Unfall ums Leben gekommen – und heuerte deshalb im Versand einer Schwenninger Uhrenfabrik an.
Im Reformhaus
Dort lernte er seine spätere Frau Irma Kopp kennen und stieg in das Reformhaus deren Eltern ein. Die Arbeit lag ihm, zumal er dabei den Bezug zur Natur wiederfand und er schulte zum Reformwarenfachmann um.
Zum Schwarzwaldverein
Das Paar bekam fünf Kinder. Ein Kunde nahm Karl Schmid 1962 zum Schwarzwaldverein mit. Dort gefiel es ihm und seiner vor zehn Jahren verstorbenen Frau und das Paar wurde Mitglied. Schnell führte er Wanderungen, wurde aufgrund seiner Pflanzenkenntnis 1966 zum Naturschutzwart gewählt, war von 1985 bis 2010 stellvertretender Vorsitzender, und als Mitglied im AK Moos Teil vom Gründungsvorstand des Trägervereins für das Umweltzentrum.
Im „Liederkranz“
Aktiv waren die Schmids auch im „Liederkranz“, wo sie im Frauen-, er im Männerchor und später auch im gemischten Chor im Tenor mitsang. Bis heute besucht Karl Schmid das dort monatlich stattfindende offene Singen und ist dabei häufig „der einzige Mann, aber sie lieben mich“, sagt er strahlend.
Ausgezeichnet mit allen Ehrungen des Schwarzwaldvereins und seit 2005 Träger der Landes-Ehrennadel für besondere Verdienste im Ehrenamt, genießt Karl Schmid jeden Tag, an dem er in der Natur sein und „die Kräfte der Schöpfung aufnehmen und auf mich wirken lassen“ kann.
Das und die Aufgabe als Naturschutzwart halten ihn jung.