Die Deutsche Uhrenstraße wurde am 15. April 1992 offiziell durch Oberbürgermeister Gerhard Gebauer in der Schwenninger Kreuzstraße eröffnet. (Archivfoto) Foto: Jochen Schwillo

Vom 9. bis 16. Mai lädt der Schwenninger Heimatverein zur vierten Auflage der Schwenninger Geschichtswoche ein.

Unter dem Leitmotiv „Wir gestalten – wir bewahren“ richtet sich die Veranstaltungsreihe mit 13 Vorträgen und Führungen an Bürger der Neckarstadt ebenso wie an historisch Interessierte aus der gesamten Region.

 

Die Woche spannt einen weiten Bogen von der Steinzeit über die frühe Stadtgeschichte bis hin zu Industrie, Gesundheit, Architektur und persönlichen Lebensgeschichten.

Im Königreich

Die Eröffnung findet am Samstag, 9. Mai, um 17.30 Uhr mit einem Empfang vor dem Trisanum, Ob dem Brückle 14, statt. Um 18 Uhr folgt der Eröffnungsvortrag von Annemarie Conradt‑Mach. Unter dem Titel „Schwenningen im Königreich Württemberg“ beleuchtet sie die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche, die Württemberg Anfang des 19. Jahrhunderts prägten, und zeigt, wie sich diese Entwicklungen im altwürttembergischen Schwenningen widerspiegelten.

Rund um den Sport

Am Sonntag, 10. Mai, beginnt der Tag um 10.30 Uhr mit einem Rundgang rund um den Bauchenberg. Hans‑Joachim Spross führt unter dem Motto „Wo Schwenningen Sportgeschichte schreibt“ durch mehr als 100 Jahre Sportentwicklung – vom einfachen Vereinsplatz bis zur modernen Sportlandschaft. Treffpunkt ist vor der BSV‑Gaststätte. Um 18 Uhr folgt im Trisanum ein zweisprachiges Gespräch unter dem Titel „Heimatgeschichte International: Geboren im Februar 1945 in Schwenningen“. Marie‑Hélène und Pascal Lantreibecq berichten erstmals vor Ort über die überraschende Entdeckung ihrer Schwenninger Wurzeln. Im Austausch mit Florian Kemmelmeier und Jutta Arendt geht es um die Lebensumstände ausländischer Frauen im Schwenninger Krankenhaus während des Krieges sowie um Fragen zu Herkunft, Zwangsarbeit und Adoption.

Zeit und Gesundheit

Am Montag, 11. Mai, lädt Stadtführer Rudolf Reim um 17 Uhr zu seiner Tour „Auf den Spuren der Zeit“ ein. Vom Treffpunkt an der Neckarhalle aus führt er durch Schwenningens besondere Beziehung zur Zeit – von der Uhrenindustrie über Eisenbahnzeit und Kunst bis zu historischen Wendepunkten. Um 19.30 Uhr spricht Bärbel Bouyer im Trisanum über „Gesundheitswesen in Schwenningen – Von den Alamannen bis in die Neuzeit“ und gibt einen Überblick über Krankheiten, Seuchen, medizinische Versorgung und prägende Persönlichkeiten.

Funde und die Arbeiterin

Am Dienstag, 12. Mai, beginnt um 17 Uhr am Rathaus die Führung „Vom Alamannenfriedhof bis zum Muslenplatz“ mit Hans Martin Weber. Sie führt durch die ältesten Bereiche Schwenningens und thematisiert Alamannenfunde, den Johanniterorden, die erste urkundliche Erwähnung sowie historische Umbrüche bis heute. Um 19.30 Uhr schlüpft Bärbel Bouyer im Uhrenindustriemuseum in die Rolle von „Berta, der Arbeiterin“ und berichtet eindrucksvoll vom Leben der Fabrikarbeiterinnen um 1900.

Die Uhrenstraße

Am Mittwoch, 13. Mai, beginnt um 17 Uhr die Führung „Die Schwenninger Uhrenstraße“ mit Stadtführerin Cora Worms. Die Teilnehmenden entdecken die schönsten öffentlichen Zeitanzeiger der Stadt und erfahren Wissenswertes über die Geschichte Schwenningens als einst größte Uhrenstadt der Welt. In Schwenningen ist auch der Beginn der Deutschen Uhrenstraße mit insgesamt einer Länge von 320 Kilometern, die 1992 in der Neckarstadt feierlich eröffnet wurde und verbindet seither bedeutende Orte der südwestdeutschen Uhrmacherkultur. Um 19.30 Uhr stellt Peter Graßmann im Vortrag „Die Kelten auf der Baar“ die Bedeutung des Magdalenenbergs und neue Forschungsergebnisse zur keltischen Besiedlung der Region vor.

Spurensuche und Programm für Kinder

Am Donnerstag, 14. Mai (Christi Himmelfahrt), beginnt das Programm um 10 Uhr mit einer archäologischen Spurensuche von der Möglingshöhe bis zum Moos. Hans Martin Weber führt zu Fundstellen aus Steinzeit, Keltenzeit und römischer Epoche und erläutert die Entstehung des Schwenninger Mooses sowie die Bedeutung der historischen Neckarquelle. Um 14 Uhr folgt eine Familien- und Kinderführung mit Jutta Arendt, Olaf Jungmann alias „Jaques Mehlsack“ und Hans Martin Weber. Mit dem Leiterwägele unterwegs erleben Kinder und Erwachsene eine unterhaltsame Einführung in die Schwenninger Geschichte. Anschließend geht es ins Hansjakob‑Stüble in der Bürkstraße 18, wo ein kleines Kinderprogramm angeboten wird.

Die Gartenschau

Am Freitag, 15. Mai, führt Stadtführer und Architekt Harald Maier um 17 Uhr unter dem Titel „Kunst und Architektur: Gutes bleibt“ rund um das Landesgartenschaugelände. Die Teilnehmenden lernen Kunstwerke im öffentlichen Raum kennen und erfahren, warum das LGS‑Gelände von 2010 auch viele Jahre später ein Beispiel gelungener Landschaftsarchitektur ist.

Streik in Uhrenindustrie

Die Geschichtswoche endet am Samstag, 16. Mai, um 15 Uhr mit einem Vortrag von Annemarie Conradt‑Mach im Trisanum. Unter dem Titel „Der Große Streik in der Schwarzwälder Uhrenindustrie 1907“ beleuchtet sie die sozialen Ursachen des Arbeitskampfes, die Verlagerung der Uhrenindustrie nach Schramberg und Schwenningen sowie die wirtschaftlichen Spannungen jener Zeit. Schwenningen war damals Zentrum der Bewegung, die zur Herausbildung moderner Arbeitnehmer‑ und Arbeitgeberverbände beitrug.