Gerhard Schorer, der unlängst 90 Jahre alt wurde, ist in Schwenningen eine Institution – als ehemaliger Gastwirt und Ringer, sowie als Musiker und als Sänger im Shantychor.
Mit den Sängern der Marinekameradschaft „Tender Neckar“ und den Shantychören aus Albstadt-Ebingen und Rottenburg feierte er jetzt im Bärenkeller seinen runden Geburtstag.
Dass er Sänger im Shantychor wurde, war Leopold Roßkopf zu verdanken. Der langjährige Vorsitzende der Marinekameradschaft Schwenningen kam 1988 auf Schorer zu, nachdem er diesen oft mit dem Akkordeon „Lumpeliedle“ spielen und dazu singen gehört hatte.
„Er fragte mich, ob ich denn keine Lust hätte, im Shantychor singen zu wollen“, erinnert sich Schorer.
Fest im Bärenkeller
Beim Fest im Bärenkeller stellte er dann unter Beweis, dass Roßkopf richtig lag: Er sang unter anderem seinen Lieblingsshanty, den „Hamburger Veermaster“, alle sechs Strophen, und das selbstverständlich auf Platt. Seit 2012 singt er außerdem im Shantychor der Marinekameradschaft Albstadt-Ebingen mit.
Obwohl er aus gesundheitlichen Gründen kein Auto mehr fahren kann, hat ihn das nie aufgehalten. „Ich bin immer mit dem Zug zu den Proben gefahren“, sagt er, als wäre das selbstverständlich. Zusätzlich ist er auch noch Gastsänger im Chor der Marinekameradschaft Rottenburg.
Akkordeon spielen hält fit
Musik begleitet ihn täglich. Jeden Tag spielt er mindestens eine Stunde Akkordeon. „Das ist mein bestes Mittel gegen die Demenz – und Spaß macht es obendrein“, sagte er mit einem Lächeln. Seine Leidenschaft für das Instrument reicht zurück bis in die Jugend, als er bereits die Tanzgruppe des Gebirgstrachtenvereins „Almfrieden“ begleitete.
In Mühlhausen geboren
Geboren wurde Gerhard Schorer 1936 in Mühlhausen, wo er seine Kindheit und Jugend verbrachte. Die Nachkriegsjahre waren hart, denn sein Vater kehrte erst 1948 aus der Gefangenschaft zurück. So musste der junge Gerhard früh im Haus und Hof mithelfen. Die Schule fand im Rathaus statt, acht Klassen in einem Raum, bis zu 45 Kinder.
Er erzählt mit einem gewissen Stolz, dass die Kinder aus Mühlhausen und Weigheim „mindestens genauso schlau“ gewesen seien wie die Schwenninger, obwohl sie nur einen Lehrer hatten.
Seine Ringerlaufbahn
1951 begann seine Ringerlaufbahn, zunächst beim SV Mühlhausen, später bei der Athletenvereinigung Schwenningen. Er qualifizierte sich für die deutsche Jugendmeisterschaft in München, musste aber erleben, dass sein damaliger Verein ihm Startgeld und Fahrtkosten verweigerte. 15 Jahre rang er aktiv, später wurde er Trainer.
Berufliche Stationen
Beruflich führte ihn sein Weg durch viele Stationen: „Haller und Strohm“, die Getränkehandlung „Räder“, das Kaufhaus „Baro“ und ein eigenes kleines Lebensmittelgeschäft. 1965 übernahm er die „Traube“ in Mühlhausen, zwölf Jahre lang war er dort Wirt. 1977 folgte die „Grillschänke“ an der Sturmbühlstraße. Das Lokal öffnete anfangs bereits um 6 Uhr, und die ersten Gäste standen oft schon um halb sieben bereit. Als Gastwirt war es für ihn selbstverständlich, die Vereine seiner Gäste zu unterstützen – zeitweise gehörte er 17 Vereinen an.
Vor über 35 Jahren entdeckte er das Akkordeon erneut für sich, berichtet Schorer, der auch Mitglied im Förderverein des Deutschen Harmonikamuseums in Trossingen ist. Besonders stolz ist er auf die Begegnung mit Herzog Friedrich von Württemberg, die sogar im Fernsehen gezeigt wurde, und auf seine langjährige Freundschaft mit dem bekannten Chorleiter Gotthilf Fischer.
Dass Gerhard Schorer beliebt ist, zeigte sich eindrucksvoll an seinem 90. Geburtstag: Neben seiner Familie kamen über 130 Menschen, um ihm zu gratulieren – Freunde, Weggefährten. Ein Zeichen dafür, wie viele Herzen er in neun Jahrzehnten berührt hat.