Seit September führt Florian Schütze „den größten und schönsten“ Schwenninger Verein – die Narrenzunft. Dessen gut 2000 Mitglieder bittet er: „Lasst uns miteinander schwätze“.
Er sei zwar ein gebürtiger Schwenninger, nicht aber einer, der die Fasnet mit der Muttermilch aufgesogen hat, gibt der 39-Jährige lachend zu.
Doch es hat sich längst gezeigt, dass er ein begeisterter Zünftler ist, dem der Verein und die Menschen darin am Herzen liegen. Mit seinem Vereinsbeitritt 2007 übernahm er als Narrenrat sofort Verantwortung, war Zunftschreiber und in den vergangenen acht Jahren Stellvertreter von Zunftmeister Lutz Melzer.
Im neuen Amt stärken ihm jetzt nicht nur der zweite Zunftmeister Nils Mühlbacher und seine Vorstandskollegen Christian Helbig und Sascha Stanzel den Rücken, sondern zudem ein „gutes Team“ von weiteren 15 Narrenräten. Ab der nächsten Fasnet wird dazu erstmals auch eine Frau gehören.
Wie er zur Zunft kommt
Nach der in Königsfeld erworbenen Mittleren Reife lernte Florian Schütze den Beruf des IT-Systemkaufmanns und ist als solcher inzwischen selbstständig tätig. Vor fast 20 Jahren traf er auf den damaligen Zunftmeister Ralf Prätzas, den er mit dessen Glaserei damals als Kunden betreute. Man war sich sympathisch und die Zunft auf der Suche nach jungen Narrenräten und so blieb eine entsprechende Anfrage nicht aus.
Daraus wurde ein Ehrenamt, in dem Florian Schütze zunächst im Ball-Komitée mitwirkte und im Laufe der folgenden Jahre alle weiteren Aufgabenbereiche kennenlernte. 2013 ließ er sich auch zum Vorsitzenden des Trägervereins „Möglingshöhe“ wählen, ein Amt, das er zehn Jahre lang zusätzlich innehatte.
2016 sprang er nach dem plötzlichen Tod des Zunftschreibers in die Bresche, wurde zwei Jahre später zum stellvertretenden Zunftmeister gewählt und steuerte den Verein an der Seite von Lutz Melzer durch die Coronazeit. „Ich wusste also, was auf mich zukommt“, sagt Florian Schütze zu seiner neuen Verantwortlichkeit, die ihn jetzt sicherlich genauso fordere, „aber anders“, vermutet er.
Wohnmobil und Garten
Die Narrenzunft ist neben seiner Liebhaberei für sein Wohnmobil und die Gartenarbeit ein Hobby, das auch seine aus einer Fastnachtsfamilie stammende Freundin mitträgt, und das ihn diesmal die hohen Tage ganz neu und ungewohnt erleben lässt – nämlich im Vordergrund.
Fasnet neu erleben
Und nicht nur das: Der Narrenrat hat bekanntlich Neuerungen entwickelt, die in den nächsten Tagen zum Tragen kommen und am „Schmotzigen“ den Zeitplan (die Schlüsselübergabe findet erstmals um 12 Uhr statt) und am Sonntag sowohl die Umzugsaufstellung (die Narrenzunft rückt vom letzten auf den ersten Platz), als auch die aus sicherheitstechnischen Gründen verlegte Umzugsstrecke betreffen. Die Schwenninger Fasnet 2026 kann man also ganz neu erleben.
Wenn im Herbst traditionell die ersten Vorbereitungen auf die Fasnet beginnen und die Planungen erste Früchte tragen, dann wird auch Florian Schütze zunehmend vorfreudig. Nach Weihnachten könne er kaum erwarten, „dass der Tannenbaum rausfliegt“ und der 6. Januar als offizieller Beginn der Fasnet kommt.
In diesem Jahr hielt er als neuer Zunftmeister dem Oberbürgermeister beim Abstauben erstmals den Spiegel vor. Ein Unterfangen, das ihm, wie er sagt, viel Freude bereitet habe, „denn Jürgen Roth ist für jeden Spaß zu haben“. Daher kann er die OB-Verhaftung am Freitag kaum erwarten, nach der im Sitzungssaal des Rathauses das Narrengericht tagt.
Viele kleine Jobs
Von außen kaum zu sehen sind hingegen die „vielen kleinen und großen Jobs“, die ein Vereinsvorsitzender sonst noch zu erledigen hat. Auch bei den Fastnachtsvereinen wächst die Bürokratie und zunehmend wichtiger wird die Frage nach der Sicherheit.
„Das ist Chefsache“, weiß Florian Schütze, der Kraft Amtes auch Kontakt zur Stadtverwaltung, zu befreundeten Vereinen, zu den Mitgliedern und der Bevölkerung hält.
Sicher ist er sich aber, dass er auch als Zunftmeister dazwischen genug Zeit finden werde, sein Hanselhäs zum Strählen auszuführen.
Und da ist sie dann wieder, die Freude an einem Amt, das neben stressigen Momenten auch schöne bereithält, nämlich den „Zusammenhalt wie in einer großen Familie“.