Am 26. November 2024 waren die Eiskunstläuferinnen des SERC beim Neckarpokal in Schwenningen erfolgreich. Foto: SERC

Es gibt nicht nur Eishockey beim Schwenninger ERC, sondern auch eine Eiskunstlauf-Abteilung. Wir waren beim Training dabei und haben mit Trainerin Anna Toiskina und Abteilungsleiterin Elisabeth Dück über diese sehr besondere Welt gesprochen.

Wer ein bisschen durch die heiligen Innenräume der Helios Arena läuft, der findet irgendwann eine Tür mit der Aufschrift „Disziplin ist die Brücke zum Erfolg“.

 

Dahinter wartet Anna Toiskina auf uns. Die 48-jährige Russin ist hauptberufliche Eiskunstlauftrainerin beim Schwenninger Eis- und Rollsportclub. Toiskina hat griechische Wurzel, arbeitete und lebte daher 15 Jahre lang in Griechenland, bevor sie vor acht Jahren nach Schwenningen kam.

Kostüme und Kürklassen

Ihr Trainerzimmer ist klein. An den Wänden hängen Erinnerungsfotos und Motivationssprüche. Überall stehen diverse Trainingsgeräte für unterschiedlichste Trockenübungseinheiten. Toiskina erzählt davon, dass die Vorbereitungen für die neue Saison bereits laufen. Sie sucht für jede Sportlerin nach Musik, erarbeitet eine neue Kür und entwirft ein für die Kürmusik passendes Kleid. All das wird mit den Sportlern besprochen. Sobald die gemeinsame Entscheidung getroffen wird, wird die Musik geschnitten, das Kürkleid genäht und Toiskina startet mit dem Einstudieren der Kür auf dem Eis.

Auch wenn die Wettkämpfe erst wieder im Herbst beginnen: Große Trainingspausen gibt es im Eiskunstlauf nicht. Zwei Wochen haben die Mädchen in den Osterferien frei, dann gibt es wieder viel Trockentraining. Vor allem an den Wochenenden geht es zudem in die Schweiz, genauer nach Herisau, aufs Eis.

Toiskina zeigt uns den umfangreichen Wettbewerbsplan ihrer Mädels. Etwa 30 sind es, vom Kindergartenalter bis zur 16-jährigen Teenagerin ist alles dabei. Hinzukommen die verschiedenen Kürklassenprüfungen, die man im Leistungszentrum Stuttgart oder Mannheim absolvieren muss. Die Eiskunstlauftrainerin holt eine lange Liste mit Elementen hervor, die je nach Kürklasse beherrscht werden müssen.

Leben in der Eishalle

Dann kommt Elisabeth Dück in den Raum. Dück ist die Leiterin der Eiskunstlauf-Abteilung. Und ja, sie ist auch die Frau des ehemaligen Wild Wings-Spielers und Nachwuchstrainers Alexander Dück. „Ich lebe in Eishallen, schon seit längerer Zeit“, sagt sie deshalb und muss lachen.

Mit der Schönheit des Eiskunstlaufens hat sich Elisabeth Dück insbesondere aufgrund ihrer Tochter Valeria Dück infiziert, die Eiskunstlaufen beim SERC betreibt. Nachdem sie uns den Schlittschuh von Anna Toiskina (altes Modell, das etwa doppelt so schwer wie der Schlittschuh eines Eishockeyspielers ist) gezeigt hat, gibt die Abteilungsleiterin zu bedenken: „Man muss sehr früh beginnen. Es ist keine Sportart, die man mit 8 startet. Das Alter spielt hier eine wichtige Rolle.“

Andreas Liersch, Katja All, Maria Tayar und Elisabeth Dück (von links) bilden das Organisationsteam der Eiskunstlauf-Abteilung. Foto: SERC Eiskunstlauf

Dück betont die umfangreiche Arbeit des ganzen Organisationsteams: Andreas Liersch kümmert sich um IT und Laufschule, Katja All ist Kassenwärtin und Maria Tayar ist Kioskmanagerin (die Eiskunstlaufabteilung ist bei den Heimspielen der Wild Wings am Catering beteiligt) und hilft ebenfalls bei der Laufschule.

Disziplinsache

Genauso wie beim Eishockey bietet auch die Eiskunstlaufabteilung eine Laufschule an – für jüngere Kinder, aber auch für Jugendliche. Wer den Sport seriöser betreiben möchte, der muss einiges investieren, so Dück: „Wir verheimlichen gar nichts. Wir erzählen den Eltern: Wenn ihr euch dazu entscheidet, dann wird es hart. Es ist eine reine Disziplinsache.“

In der Luft

Nun geht es zum Trockentraining. „Aufwärmen, danach eine Stunde auf dem Eis und dann Trockentraining eine Stunde – und das für kleine Kinder“, so laufe ein Training normalerweise ab, so Toiskina.

Aufgrund der Eisbelegungszeiten findet das Trockentraining an diesem Tag vor dem Eistraining statt. Die Mädchen laufen sich vor den Imbissbuden der Helios Arena warm, machen Seilspringen. Die Übungen werden koordinativ dann immer schwieriger.

Eine der letzten Übungen beginnt mit einem Ausfallschritt auf einem Stepper, wie man ihn aus dem Fitnessstudio kennt. Die Mädchen katapultieren sich nach oben, drehen sich in der Luft um die eigene Achse. Anstatt zu landen, stoßen sie sich mit einem Bein noch einmal ab, drehen sich nochmals um die eigene Achse und landen dann ohne ein Wackeln auf einem Bein. Das andere Bein wird nach hinten gestreckt.

Das Verhältnis zum Eishockey

So etwas ist nur mit viel Training möglich. Toiskina erzählt: „Die Großen trainieren im besten Fall sechs Mal in der Woche und am siebten Tag helfen sie bei der Laufschule. Die Mittleren trainieren vier Mal pro Woche. Die Kleinsten trainieren drei Mal pro Woche. Alle zuzüglich Ballett.“

An Stützpunkten gehen die Sportlerinnen teilweise bis zu drei Mal täglich aufs Eis. In Schwenningen habe jedoch Eishockey eine höhere Priorität.

Sie werden wiederkommen

Doch zurück zu den Mädchen. Nachdem sie sich umgezogen haben, geht es aufs Eis. Nach dem Einlaufen werden die Übungen komplizierter. Es kommen Sprünge dazu. Währenddessen erzählt uns Dück von den zahllosen Schrittkombinationen. Ein Mädchen zeigt uns den Unterschied zwischen Innen- und Außenkante.

Haben Freude am Eiskunstlauf: Anna Toiskina (links) und Elisabeth Dück (rechts) vom SERC. Foto: Haug

Für die Eiskunstläuferinnen stehen zum Abschluss Pirouetten auf dem Plan. Achtung Schwindelgefahr. Ein Mädchen wird derweil an einer „Angel“ befestigt – eine Gerätschaft, die dabei helfen soll, Sprünge zu trainieren und „Gefühl und Vertrauen für Drehungen“ zu gewinnen, wie es Dück erklärt.

Danach ist das Training vorbei. Aber sie werden morgen wiederkommen. „Disziplin ist die Brücke zum Erfolg.“ Das wissen sie hier.