Es ist eine fast unglaubliche Rückkehr ins Rampenlicht: Fast vier Jahrzehnte nach ihrem Debüt finden vier von fünf Curling-Frauen wieder zusammen und holen eine WM-Medaille.
Nach Massenprotesten öffnet die Berliner Mauer, es wird Lambada von Kaoma in den Discos getanzt und fünf junge Curlerinnen des CC Schwenningen, aus Hamburg und aus Füssen starten im Wende-Jahr 1989 bei der Junioren-WM in Toronto.
Am Ende belegen Christina Haller, Heike Schwaller-Wieländer, Sabine Belkofer-Kröhnert, Simone Vogel und Michaela Reilly (damals Greif) in Kanada den sechsten Rang.
37 Jahre später taten sich vier der fünf Frauen – dazu kommen die Trainer Bernhard Mayr und Stefan Kröhnert – wieder zusammen, um erneut bei einer Curling-Weltmeisterschaft anzutreten – nun eben bei einer Senioren-WM.
Vom 25. April bis 2. Mai ging es in Genf um die Medaillen. „Für Simone Vogel, die gesundheitliche Probleme hatte, war nun Martina Knobloch dabei“, gibt Christina Haller preis.
Idee in Südkorea
Die Präsidentin des CC Schwenningen war es auch, die ihre Ex-Teamkolleginnen von einem Comeback überzeugte. „Vor drei Jahren habe ich meinen Mann Bernhard Mayr zu einer Senioren-WM in Südkorea begleitet. Da kam die Idee auf, dass dies ja auch für unser Team von 1989 eine tolle Möglichkeit wäre, sich und ehemalige Mitstreiterinnen anderer Nationen wiederzusehen“, dauerte es aber noch einige Zeit, bis die Schwenningerin das Okay bekam.
„Es ist ja so, dass wir alles selbst finanzieren müssen“, kam es eben auch aufgrund der hohen Kosten nicht schon bei der WM 2025 in Kanada zum sportlichen Wiedersehen.
Die Vorbereitung
Als dann aber klar war, dass die diesjährige WM im nahen Genf stattfindet, wurde aus den Comeback-Plänen Realität. „Wir haben extra ein paar Trainingstage in Hamburg eingeschoben und zwei Turniere gespielt“, ging es für die zwei Schwenningerinnen, die zwei Hamburgerinnen und den US-„Import“ mit Wurzeln in Füssen in die Schweiz. „Die WM war für uns eine Wundertüte“, wussten Haller und Co. nicht, was sie sportlich auf dem Eis erwartet.
Der Traumstart
In der Vorrunde standen für Deutschland Spiele gegen Schweiz (6:4), Irland (6:5), Italien (9:3), Tschechien (6:5) und Neuseeland (11:3) auf dem Programm. Damit entschieden Christina Haller und Co. ihre Gruppe für sich. „Die anderen Teams haben sicher mehr trainiert und mehr gemeinsame Zeit verbracht“, wunderte sich die Schwenningerin, dass es so gut lief.
Im Viertelfinale traf das Team auf Schweden mit Skip Anette Norberg – mehrfache Welt- und Europameisterin sowie Doppel-Olympiasiegerin. Nach einem 7:2-Coup stand Deutschland im Halbfinale. Hier wurde Kanada mit 4:1 geschlagen.
Im Finale wartete das Team aus Schottland. Die Schottinnen waren dann zu stark. Trotz der 1:10-Niederlage war die Freude über WM-Silber riesig. „Das war einfach sensationell. Damit hätten wir niemals gerechnet“, ließen es sich die Vize-Weltmeisterinnen dann auf dem Abschlussbankett gut gehen.
Das Silber-Team
Vom Curling Club Schwenningen stammen Christina Haller und Heike Schwaller-Wieländer sowie Coach Bernhard Mayr. Sabine Belkofer-Kröhnert und Martina Knobloch sowie Trainer Stefan Kröhnert kommen vom CC Hamburg. Michaela Reilly, ehemals aus Füssen, wohnt nun bei Boston in den USA.
Heike Schwaller ist die Mutter der aktuellen Frauen-Weltmeisterin Xenia Schwaller.
Christina Haller ist die Präsidentin des CC Schwenningen. Ihr Mann Bernhard Mayr, langjähriger Präsident des Deutschen Curling-Verbandes (DCV), hat das Unterfangen Nationalteam Seniors ins Leben gerufen.