Mit minimaler Ausrüstung fuhr Jonas Volk mit dem Fahrrad in einem Jahr durch Europa und Afrika. Foto: privat

Der Schweighausener Jonas Volk fuhr in einem Jahr mit dem Rad ans Nordkap und bis nach Kapstadt. Unterwegs gab es zahlreiche Highlights – nicht nur die Landschaft beeindruckte ihn, auch die Begegnungen.

Er wollte schon immer mal nach Norwegen. Weite Fjorde, schneebedeckte Gipfel, atemberaubende Landschaften: das zu sehen war sein Ziel. Also beschloss Jonas Volk, das skandinavische Land zu besuchen. Aber nicht mit dem Auto oder Flugzeug – er fuhr mit dem Fahrrad. „In Norwegen hatte ich ein paar konkrete Ziele, der Weg drumherum hat sich so ergeben, das war eher spontan. Die besten Hinweise zur Route bekommt man sowieso von den Einheimischen unterwegs“, erzählt der 32-Jährige nach seiner Rückkehr im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Direkt im Anschluss an sein Fernstudium ging es los. „Ich habe meinen Job extra auf Mai gekündigt, damit ich keine Verpflichtungen auf der Tour habe“, erklärt der Produktmanager. Eine lange Vorbereitung brauchte er nicht. Er mache schon immer gerne Ausdauersport und war von 2016 bis 2018 schon einmal auf einer längeren Radtour unterwegs, wisse also, was den Körper erwartet, berichtet er.

Norwegen und Marokko wollte er schon immer einmal sehen

Im Mai 2023 startete er die Reise, die am Ende ganze 31 500 Kilometer lang werden sollte. Dabei hatte er nur das Nötigste: Campingausrüstung, Kleidung, etwas Essen und natürlich das Fahrrad inklusive Reparaturmaterial. Der erste Teil der Tour dauerte 21 Wochen. Gestartet in Schweighausen, führte ihn die Route durch Frankreich, Luxemburg, Belgien, die Niederlande, Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen, Irland, Wales, England, Frankreich und zurück.

Unterwegs traf er sich mit einem Freund, der getrampt war. „Wir sind Kindergartenfreunde. Zusammen waren wir dann für zwei Wochen in Schweden, Finnland und Norwegen unterwegs“, erinnert sich Volk. Das Nordkap erreichte er kurz nach Mittsommer: „Das war schon sehr beeindruckend. Wenn es so hell ist, kann man auch nachts um 2 Uhr noch Rad fahren.“

Bei der Reise war Volk autonom unterwegs, er hatte alles dabei, was er brauchte. Auch um eine Unterkunft musste er sich keine Sorgen machen, denn er campte. „Ein Grund, die Tour zu machen, war für mich einfach, draußen zu sein“, erzählt er.

Um die Hochzeit eines guten Freundes zu besuchen, legte er einen kleinen „Heimaturlaub“ ein. Danach folgte der zweite Teil der Reise: „Ich habe einfach nicht das Gefühl gehabt, dass es schon vorbei war“, begründet er die Entscheidung. Denn nicht nur Norwegen wollte er schon immer sehen, auch Marokko stand bei ihm hoch im Kurs. Deshalb fuhr er im Oktober dann weiter in Richtung Süden – über die Schweiz, Frankreich, Spanien und Marokko durch ganz Westafrika bis nach Kapstadt in Südafrika. „Ich wollte einfach noch etwas Fremdes sehen – außerhalb von Europa“, so Volk.

„Ich habe es auch genossen, mal offline zu sein. In keinem Land habe ich eine SIM-Karte gekauft, das fanden zuhause nicht alle so toll“, erzählt er mit einem Lächeln. Bei den regelmäßigen Pausen, die man mit dem Rad nunmal einlegen müsse, wurde er häufig angesprochen. Er erinnert sich: „Man erfährt schon Bewunderung und Interesse von den Menschen, die sehen ja, dass man länger unterwegs ist. Ich wurde häufiger zum Essen eingeladen – sowohl in Europa als auch in Afrika.“

Pannen gehörten dazu, wurden aber immer auch ein Abenteuer

In Afrika sei die Gastfreundschaft besonders groß gewesen. Volk erzählt auch von einer Panne in Südafrika, bei der er allein nicht hätte weiterfahren können: „Ich habe direkt Hilfe bekommen. Die haben rumtelefoniert und mir ein Ersatzteil aus 200 Kilometern Entfernung gebracht. Ich musste überhaupt nichts tun. Eine Panne wurde eigentlich immer zu einem coolen Abenteuer.“

Auf die Frage, ob ihm auch etwas Gefährliches passiert sei, antwortet er, dass er in Wales von einem Betrunkenen angegriffen worden sei. Eine Einheimische kam ihm allerdings sofort zu Hilfe.

Pannen ließen sich nicht vermeiden, so der 32-Jährige, aber das gehöre nun mal dazu. Wenn man so lange unterwegs sei, werde man mal krank oder das Wetter spielt nicht mit – aber dann komme der nächste Tag und es gehe weiter.

Vor allem in Afrika wurde Jonas Volk herzlich aufgenommen. Foto: privat

Die Begegnungen in Afrika waren aber nicht das einzige Highlight dort, sondern vor allem auch die Landschaften. Beispielsweise das Atlasgebirge und die Wüsten. „Es ist sehr abenteuerlich. Wüsten sind auch nochmal eine ganz andere Herausforderung, weil man zum Beispiel mehr Wasser mitnehmen muss für mehrere Tage. Die Wüstenlandschaft ist aber einfach etwas Schönes“, erzählt er.

„Man kann sich die Erlebnisse nicht aussuchen, aber bekommt auf jeden Fall einen sehr ehrlichen Eindruck von den Ländern. Und man trifft die interessantesten Leute“, resümiert er. Am Ende der Tour nutzte er dann doch ein anderes Verkehrsmittel: Mit dem Flugzeug kam Volk zurück nach München, von dort aus radelte er nach Hause nach Schweighausen.