Vom Wegewart zum Vorsitzenden: Thomas Schmidt leitet nun die Geschicke des Schwarzwaldvereins Villingen. Foto: Heinig

Der Schwarzwaldverein Villingen hat wieder einen Vorsitzenden. Nachdem die langjährige Chefin wegen Verdachts der Untreue zurückgetreten war, führte ihr Stellvertreter Robert Daum die Geschäfte kommissarisch. Jetzt übernahm der bisherige Wegewart Thomas Schmidt.

VS-Villingen - Die Coronapandemie und die darauffolgenden Absagen von Wanderungen und Wandertagen waren im Berichtsjahr 2020 nicht die einzigen Herausforderungen, denen sich der kommissarische Vorstand stellen musste.

Daum blickte in seinem Bericht anlässlich der Mitgliederversammlung im Münsterzentrum mit rund 50 Teilnehmern zurück auf den kollektiven Schock, den die beliebte Vorsitzende ihren Mitgliedern versetzte, als bekannt wurde, dass der Ortsverein um rund 7000 und der Hauptverein um 3000 Euro betrogen worden sein soll und die Vorsitzende als Beschuldigte zurückgetreten war.

Ausschluss aus Verein

Da vom Gericht noch keine abschließende Nachricht einging, gelte "noch immer die Unschuldsvermutung", betonte Daum, wusste aber von einer Schuldanerkenntnis und einem Rückzahlungsversprechen. Auch eine Entschuldigung sei inzwischen ausgesprochen worden. Da das Vereinswohl gleichwohl "schwer geschädigt" wurde und das Vertrauensverhältnis "total gestört" sei, habe man die Frau dennoch aus dem Verein ausgeschlossen, so Daum. Als Konsequenz aus dem bisherigen "Einfraubetrieb", in dem viele Aufgaben in einer Hand lagen, habe der bei der Mitgliederversammlung 2020 gewählte Vorstand mehrere Beisitzer einberufen und die Vereinsführung mit ihren wachsenden Aufgaben damit der Zeit angepasst.

Was damals noch fehlte, war ein Kandidat für den Chefposten. Den hat man mittlerweile gefunden: Zum neuen Vorsitzenden wurde einstimmig Thomas Schmidt gewählt. Der 57-jährige, in Villingen lebende Kaufmann ist seit 2018 Mitglied und seit 2020 Wegewart. Er appellierte an die Mitglieder als "tragende Säule unseres Vereins", mitzuwirken, mitzuwandern und Mitglieder, sehr gerne auch junge, anzuwerben.

79 Prozent der Mitglieder – nach einer Bereinigung des Mitgliederstammes sei deren Zahl auf 338 gesunken, bedauerte Robert Daum – sind über 60 Jahre alt.

Die Wanderwartin der Sonntagswanderer, Ulrike Kopp, berichtete vom Coronajahr, das nach einer "noch normalen" Wintersaison mit sieben Wanderungen und 103 Teilnehmern erst Ende Juni fortgesetzt werden konnte. Bis Mitte Oktober, dem erneuten Ausschlag der Pandemie und daraus resultierenden Absagen etlicher Wanderangebote, waren an gerade einmal 22 Tagen 290 Wanderer unterwegs.

Wieder Normalbetrieb

Inzwischen herrsche fast wieder Normalbetrieb, die Teilnehmerzahlen, insbesondere bei den Busfahrten, lasse aber zu wünschen übrig, sagte Ulrike Kopp. Sie vertrat ihren Kollegen der Mittwochswanderer, Wilfried Helm. Mit alternativen Laufzeiten von ein und zwei Stunden, Wanderplauschen und einstündigen Stadtwanderungen habe sich das Konzept für die Mittwochswanderer bewährt, schrieb Helm. Man habe jeweils zwischen 26 und 38 Mitglieder und "Schnupperwanderer" begrüßen können.

146 Kilometer Weg betreut der Villinger Ortsverein. Wegewart Thomas Schmidt und acht weitere Mitglieder teilten sich in 2020 die 114 Arbeitsstunden für das Ersetzen oder Neusetzen von Rauten und Pfeilen, Standortpfosten und Wegweisern.

Hüttenwart Markus Hettich bedauerte in seinem schriftlichen Bericht, dass die Neukirchhütte im vergangenen Jahr nicht gemietet wurde. Zwar ohne Wasseranschluss und nicht für das Übernachten geeignet, könne die Hütte nahe Pfaffenweiler mit Herd, Holzkohlegrill und Beleuchtung "Freunden oder Familien ein paar schöne Stunden bescheren".

Laut einer einstimmig angenommenen Satzungsänderung verschwindet aus dem Vereinsnamen die Bezeichnung "Ortsgruppe". Man nennt sich jetzt schlicht "Schwarzwaldverein Villingen e. V."

Die Geehrten

25 Jahre: Ursula Feiß, Rosa Haas, Emil Priender, Lothar-Max Probst. 40 Jahre: Manfred Blessing, Herbert Fischer, Dirk Leute, Dorothea Wagner. 50 Jahre: Melitta Pfaff, Simone Burger, Ursula Scheuch. 60 Jahre: Helmut Günther, Christel Reiche, Irene Rekla, Klaus Stetter, Paula Weissenberger. 85 Jahre: Hotel Bären, Villingen.