Gewitterstimmung über dem Vogteiturm. Auf dem Angrenzenden Waldlehrpfad stehen Schilder, die bereits 24 Jahre alt sind.  Foto: Fuchs

Was hat eine fast 25 Jahre alte Informationstafel im Wald mit der neu aufgestellten Ortsgruppe Loßburg-Rodt des Schwarzwaldvereins zu tun? Vorsitzende Uta Schumacher verrät, was die Ortsgruppe in den kommenden Monaten vor hat und was den Start erschwert.

Loßburg - Wanderer kommen auf der "Augenblickrunde" in Loßburg am Vogteiturm vorbei. Dort können sie die weite Aussicht über das Neckarvorland bewundern. Der 35 Meter hohe Turm wurde im Jahr 2002 erbaut und ist damit deutlich jünger als so manche Info-Tafel auf dem naheliegenden Waldlehrpfad. 1955 betrug der Erlös für Rundholz aller Arten durchschnittlich 80 D-Mark. Im Jahr 1980 waren es 140 DM und 1994 160 DM. Beschäftigte Waldarbeiter gab es in Baden-Württemberg im Jahr 1994 insgesamt 10 700. Und die verdienten im Schnitt pro Stunde 25,27 DM. Das alles lässt sich auf einer der Tafeln ablesen. Es ist eine kleine Zeitreise in die Waldwirtschaft vor einem viertel Jahrhundert, aber aktuelle Zahlen gibt es nicht zum Vergleich. Der Grund: Die Info-Tafel wurde im Jahr 1997 zum letzten Mal aktualisiert und zwar vom Schwarzwaldverein Loßburg-Rodt.

"Wir sind jetzt für die Pflege der Wege zuständig", erklärt Tamara Schwarz von der Loßburg-Information. "Und wir planen auf dieser Strecke gerade eine neue Walderlebnisrunde. Die alten Inhalte der Schilder wollen wir aktualisieren", erklärt Schwarz. Die alten Schilder kommen weg. "Die Strecke soll kinderfreundlicher werden." Erzähl- und Sachtexte seien für die neuen Tafeln vorgesehen. "In den Erzähltexten beschreibt zum Beispiel ein Wichtel sein Leben im Wald", verrät Schwarz.

Schon vor vielen Jahren blieb der Nachwuchs aus

Und warum fällt erst nach 25 Jahren auf, dass es Zeit für eine Aktualisierung wird? "Früher war der Schwarzwaldverein Loßburg-Rodt verantwortlich, aber der war lange Zeit nicht mehr wirklich aktiv." Die Zuständigkeit sei also nicht geklärt gewesen. Nun formiere sich die Ortsgruppe aber gerade neu.

Vor zwei Jahren, so das recht neue Vorstandsmitglied Uta Schumacher, habe sich die neu aufgestellte Schwarzwaldvereins-Ortsgruppe Loßburg-Rodt mit den ersten Themenwanderungen gut angelassen. Schumacher, die hauptberuflich am Keppler-Gymnasium unterrichtet, teilt sich den Vorstandsposten seitdem mit einer weiteren Person, dann gebe es noch einen Kassierer und Wanderführer Matthias Kober. "Wir sind eine recht kleine, aber aktive Gruppe", erklärt sie. Dabei sei sie zu dem Posten gekommen, "wie die Jungfrau zum Kind". Vor einigen Jahren habe sie sich einmal an der Wald-Wegepflege beteiligt. Jemand schoss dabei ein Foto von ihr. Und dieses Foto fiel den wenigen übrigen Vereinsmitgliedern der Ortsgruppe vor gut zwei Jahren wieder in die Hände.

Über lange Zeit war der Verein nur durch Mittwochswanderungen aktiv. "Aber das ist eine kleine, geschlossene Gruppe", erklärt Schumacher. Mit einem Wanderverein habe die Ortsgruppe vor vielen Jahren angefangen, sich dann zum Schwarzwaldverein Loßburg-Rodt weiterentwickelt, doch dann habe sie irgendwann den Sprung in Sachen Verjüngung verpasst. "Und jetzt sind die Mitglieder alle über 70, 80 Jahre alt und können kaum noch Aufgaben übernehmen." Die fast 25 Jahre alte Tafel stehe sozusagen für den Zeitpunkt, der versäumt worden sei. Dennoch haben die Senioren Interesse daran, dass ihr Verein fortbesteht und dass nicht verpufft, was sie aufgebaut haben. Also wendeten sie sich an Uta Schumacher.

Sie sagte zu, sich im Vorstand zu engagieren und den überalterten Verein wieder aufzubauen. "Wir haben eine ganze Schublade voller Ideen, die wir bisher nicht umsetzen konnten." Immer wieder sei der neue "Verschoben-Stempel" auf die Veranstaltungen gekommen. "Und man hat in dieser Zeit auch Sorge, etwas zu planen und die Leute einzuladen", sagt sie. "Wenn am Ende trotz aller Sicherheitsvorkehrungen und Pandemie-Konzepte etwas passiert, ist das schlecht." Sie hofft darauf, nach den Sommerferien endlich wieder ins Programm einsteigen zu können. "Das wäre dann ein kurzes Zeitfenster für Wanderungen. Aber im Winter könnten wir auf Veranstaltungen umsteigen."

Von Schwarzwalduhren bis zum Wandelkonzert

Geplant gewesen sei als erstes eine Auftaktwanderung zum Neustart mit möglichst vielen Mitgliedern und eine Veranstaltung zum Thema Schwarzwalduhren. "Das könnte man vielleicht im Heimatmuseum machen", überlegt Schumacher. Eine andere Idee sei ein Wandelkonzert. "Ich habe auch einen Chor in Loßburg", sagt sie. "Die Wanderer könnten an verschiedenen Stationen vorbeilaufen und sich die Chormusik anhören." Aufgeschoben sei ja nicht aufgehoben. "Sobald die Tore aufgehen, kann es losgehen", blickt sie hoffnungsvoll auf die kommenden Sommermonate. "Wir wissen, dass es weitergeht." Man müsse sich nur noch ein wenig in Geduld üben.

"Wandern wird, vor allem seit Corona, wieder regelrecht gehypt", merkt sie an. "In meiner Jugend war das uncool. Es ist schön zu sehen, dass der Trend inzwischen in die andere Richtung geht." Die jüngeren Generationen müssen angesprochen werden, zum einen über die sozialen Medien, zum anderen über Wanderangebote. "Vor allem junge Familien sind da sicher gerne dabei."

Klassische Mitgliedschaft nicht mehr zeitgemäß?

Ein Problem sei, dass die jüngeren Generationen zwar gerne an Projekten oder Tagesunternehmungen mitwirken, sich jedoch nicht langfristig an eine Aufgabe binden wollen. "Ich habe den Eindruck, dass eine Mitgliedschaft im Verein nicht mehr das ist, was die Leute wollen." Im Wald wandern könne man auch alleine. Und viele verbinden das Wort Mitgliedschaft mit Pflichten und verplanten Wochenenden. "Für mich bedeutet die Mitgliedschaft im Schwarzwaldverein aber, den Wald nicht nur zu nutzen, sondern auch zu pflegen und zu schützen. Es geht um die Unterstützung der größeren Sache", sagt die auch politisch aktive Lehrerin.

Es gebe viele Themen, um die sich der Verein mit genügend Mitgliedern kümmern könnte. "Nicht nur um die Wegepflege, auch um Themen wie Nachhaltigkeit und Naturschutz. Diese Sparte kann für Jugendliche total interessant sein", meint Schumacher. Die Ludwig-Harp-Schule zum Beispiel betreue die Waldlehrpfade, die Loßburger Gemeinschaftsschule habe einen Schulwald und es gebe viele Klassen an ihrer Schule, so Schumacher, die sich gerne an Projekten beteiligen würden.

Schwarzwaldverein bei Arbeit unterstützen

"Das Wort Heimatpflege klingt angestaubt, aber es steht für die Bewusstmachung dessen, was wir an Kulturgut haben. In Loßburg ist das zum Beispiel die Flößerei." Wichtig sei, dass die junge Generation nicht die Bodenhaftung verliere, und zwar wortwörtlich. "Viele Kinder wollen heute nicht mehr alleine in den Wald, weil sie aus Filmen und Spielen den bösen großen Wolf fürchten", macht Schumacher deutlich. Das sei kein Scherz. "Wenn wir es schaffen, ihnen die Natur und den Wald wieder näher zu bringen, haben sie auch einen ganz anderen Blickwinkel darauf." Sie selbst, ursprünglich aus Norddeutschland stammend, habe als Schülerin früher den Schwarzwald für das Waldsterben und den sauren Regen bedauert. "Und dann kam ich hierher und stellte fest, den Wald gibt es ja noch", sagt sie und lacht. Wenn Kindern der Wald vor Ort näher gebracht werde, gingen sie anders damit um und seien eher bereit, sich für ihn zu engagieren, ist sie überzeugt. "Dann sehen sie ihn nicht mehr nur als Holzproduzent oder als Grenze zu ihrem Wohnort."

Den Schwarzwaldverein bei seiner Arbeit zu unterstützen, müsse aber gar nicht mit viel Aufwand verbunden sein. "Hinz und Kunz gehen wandern", sagt Schumacher. "Wer eine tolle Strecke kennt und weiß, wo die sehenswerten Stellen sind und wo man einkehren kann, darf sich gerne melden. Wir sind dankbar für Ideen."

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