Eine Frau mit Bollenhut. Ist sie das „Schwarzwaldmädle“ von dem Künstler Mark Steven Patricks Lied handelt? Foto: Mark Patrick

Ein Künstler aus Hüfingen erzählt mit seinem Lied von Heimat, Ankommen und dem Lebensgefühl im Schwarzwald und nutzt dafür neue Wege der Musik mit KI.

Es ist ein Lied, das von Leichtigkeit erzählt: von Frauen mit Bollenhut, von Fasnet und Lebensfreude, von jener besonderen Mischung aus Bodenständigkeit und Humor, die man dem Schwarzwald nachsagt.

 

„Schwarzwaldmädle“ heißt das Stück. Dahinter steht der Künstler Mark Steven Patrick, dessen eigener Lebensweg eng mit der Suche nach Heimat verbunden ist.

„Das Schwarzwaldmädle ist für mich ein Gefühl“, sagt Patrick, „Ein Gefühl von Wärme, Verwurzelung und heiterer Gelassenheit.“ Genau dieses Gefühl versucht das Lied einzufangen. Nicht als folkloristische Hymne, sondern als zeitgemäße Hommage an eine Region und ihre Menschen.

Geboren wurde Mark Steven Patrick 1958 in Atlanta, USA. Bereits im Alter von zwei Jahren kam er nach Deutschland. Seine Kindheit verbrachte er in einem Kloster und später in einem Augsburger Waisenhaus. Jahre, die er rückblickend als prägend beschreibt. „Es waren Jahre, in denen ich mich unsichtbar fühlte“, sagt er. Sichtbarkeit fand er früh über die Kunst. Zeichnen und Malen machten ihn „zeitweise sichtbar“ und gaben ihm einen Wert, der ihn durch sein weiteres Leben trug.

Erste Berührungspunkte mit dem Schwarzwald

Nach einer Schreinerlehre und ersten Erfolgen mit Aquarellen von Augsburger Stadtansichten, durch die er erstmals Anerkennung erfuhr, führte ihn 2012 eine berufliche Veränderung erstmals in den Schwarzwald, nach Hüfingen. Es folgte eine halbjährige Reise durch Asien, auf der er in Bali die Ölmalerei und das Aktmalen für sich entdeckte. Doch der Schwarzwald ließ ihn nicht los. 2016 zog er nach Offenburg und dort geschah etwas, das er heute als Wendepunkt beschreibt.

„In Offenburg fand ich nach der Odyssee der vorangegangenen Jahre endlich etwas wie ein Angekommen“, sagt Patrick. Landschaft und Klima gefielen ihm, doch entscheidend waren die Menschen. Ihre Offenheit habe ihm das Gefühl gegeben, willkommen zu sein. „Zuhause ist man dort, wo man gerne gesehen wird.“

Künstlerisch begann er, sich intensiv mit regionalen Motiven auseinanderzusetzen. Der rote Bollenhut weckte seine Neugier. Er integrierte ihn in seine Aktgemälde und suchte nach den Geschichten hinter den Symbolen. „Mich faszinierten die mystischen Erzählungen wie ‚Das kalte Herz‘, die überwältigende Natur und die offene Art der Menschen“, erzählt er. In Offenburg habe er sich nicht nur geografisch, sondern auch künstlerisch angekommen gefühlt.

Aus diesen Eindrücken entstand schließlich das Lied „Schwarzwaldmädle“. Der Bollenhut steht darin für mehr als Tradition. „Er verkörpert für mich die Lebensart, die ich hier kennen und schätzen gelernt habe: eine gelassene, herzliche und lebensfrohe Haltung“, sagt Patrick. Eine Haltung, die sich auch in Sätzen wie „Alles gut“ oder „So ist es halt“ widerspiegelt – anfangs fremd, heute für ihn eine Lebensweisheit. Genau diese Worte bilden die Schlusszeile des Liedes.

Künstliche Intelligenz als Werkzeug

Musikalisch beschreitet Patrick dabei neue Wege. Da seine Augen und Hände nicht mehr so präzise arbeiten wie früher, verlagerte sich sein künstlerischer Ausdruck vom Pinsel zur Sprache und schließlich zur Musik. Da er nie ein Instrument erlernt hat, nutzt er Künstliche Intelligenz als Werkzeug. „Ich sehe KI nicht als Ersatz, sondern als Katalysator“, betont er.

Entscheidend sei der kreative Impuls. „Wenn dahinter keine eigene Empfindung steht, bleibt auch mit KI nur eine leere Hülle.“ Anderen Künstlern rät er, sich neugierig, aber bewusst mit den neuen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. In der Verbindung von Kunst und KI sehe er große Chancen.

KI gibt eine Stimme

Der Entstehungsprozess beginnt bei ihm mit inneren Bildern: Bollenhut-Trägerinnen, sonnige Täler, besonderes Licht. Daraus entstehen Texte, die er anschließend mithilfe eines KI-Tools vertonen lässt. „Es ist ein Dialog zwischen meiner Vorstellung und den Möglichkeiten der KI“, erklärt er. Die emotionale Richtung gebe dabei immer er vor.

„Am wichtigsten ist mir dabei ein Aspekt, der oft übersehen wird: Der kreative Prozess des Schreibens und Komponierens zwingt mich zum Innehalten, Hinhören und Hineinspüren. Es ist ein Dialog mit der eigenen inneren Stimme. KI gibt damit den Stummen und Ungehörten eine Stimme“, betont der Künstler.

Heute lebt Mark Steven Patrick wieder in Behla bei Hüfingen. Ob er dort bleibt, lässt er offen. Die Neugier auf Neues sei noch immer da. Doch der Begriff Heimat hat für ihn inzwischen eine klare Bedeutung. Erst kürzlich, bei der Verleihung der deutschen Staatsbürgerschaft, sprach er darüber. „Nach 67 Jahren darf ich nun offiziell sagen: Hier bin ich zu Hause.“ Heimat sei für ihn kein Geburtsrecht, sondern ein Ort des Ankommens, den man sich erarbeiten und würdigen müsse.

„Schwarzwaldmädle“ hat er nicht geschrieben, um schnell zu gefallen. „Ich habe das Lied als Dankeschön geschaffen“, sagt er. Sein Wunsch ist es, dass es von den Menschen im Schwarzwald angenommen wird so, wie er selbst angenommen wurde. Besonders richtet er sich an die Musiker der Region: Sie sollen das Lied aufgreifen, weitersingen und lebendig halten. Sein Traum ist es, dass daraus „unser Lied“ wird, ein musikalisches Zeichen der Verbundenheit.

Das Gefühl anzukommen

Abschließend sagt er: „Vielleicht bin ich, nach all den Jahren und Stationen, physisch noch nicht endgültig im Schwarzwald angekommen. Aber durch diesen Prozess des Schreibens und Schaffens, durch das Gefühl, gesehen und gehört zu werden, bin ich etwas viel Wichtigeres geworden: Ich bin mehr als je zuvor in mir selbst angekommen.“

Weitere Infos

Wo das Lied zu hören ist
Das Lied ist auf YouTube unter dem Titel „Schwarzwald – Mädle suachd an Ma.“ auf dem Kanal des Künstlers „Mark Steven Patrick“ zu finden.