Der Bohlenpfad mit Sitzbank und Rollstuhlplatz. Foto: Scheuermann

Er erzählt von der Kraft der Natur, von Werden und Vergehen. Und er ist der meist begangene Pfad im Nationalpark – der Lotharpfad. Er wird erweitert und inhaltlich optimiert.

Baiersbronn/Schwarzwaldhochstraße - 80 000 bis 100 000 Besucher jährlich werden laut Sebastian Schwab, Leiter des Fachbereichs Besucherinformation im Nationalpark, auf dem Lotharpfad gezählt. Warum man das weiß? Es gibt eine Zählschranke.

Seit rund zwei Jahren wird an Neuerungen für den Pfad gearbeitet. Überlegung sei gewesen, ein neues, zusätzliches Angebot zu schaffen, eine Lotharpfad-Erweiterung. Der gesamte neue Weg stand zunächst unter dem Arbeitstitel Spechtpfad, weil er von oben betrachtet wie ein Specht aussieht. Inzwischen heißt er schlicht Lotharpfad-Erweiterung.

Ohne Treppen

Dieser Bohlenpfad hat – anders als Lotharpfad selbst – keine Treppen und ist damit barrierearm. "Das ist gerade für geheingeschränkte Menschen ein super Angebot", ist Schwab überzeugt. Wie der Lotharpfad ist auch die Erweiterung etwa einen Kilometer lang. Im Zuge der Fertigstellung der Erweiterung sollen auch Stationen des Lotharpfads, die nicht mehr erkennbar sind, wieder sichtbar werden. Als Beispiel nennt Schwab die Station Sturm Lothar, an der früher ein Wurzelteller war, der aber inzwischen kaum noch erkennbar sei. Da werde bei Führungen immer aufgezeigt, wie heftig Wind sein kann – mithilfe eines Windmessers. Das solle in Zukunft auch für individuelle Besucher sichtbar werden.

Naturdynamik und Prozessschutz

Es wird also gleichzeitig an der Erweiterung und inhaltlich am bestehenden Lotharpfad gearbeitet. Dabei, so Schwab, stehe immer die Frage "Wie können die Informationen, die wir weitergeben wollen, auch an Besucher, die auf eigene Faust den Weg erkunden, vermittelt werden?" im Fokus. Die Hauptthemen sind Naturdynamik und Prozessschutz. Dabei geht es darum, darzustellen, was passiert, wenn man die Natur Natur sein lässt, und darum, zu zeigen, welche Dynamik die Natur selbst entwickelt. "Der Lotharpfad ist dafür toll geeignet", stellt Schwab fest.

Aus wildem Verhau wird ein kleiner Wald

Denn der Pfad zeigt vor allem denjenigen, die ihn regelmäßig besuchen, auf, mit welcher Kraft sich die Natur entwickelt. Wo der Pfad einst durch ein wildes Verhau führte, das Orkan Lothar 1999 hinterlassen hatte, ist inzwischen ein kleiner Wald entstanden.

Auf Flächen, auf denen vor dem Sturm vorwiegend etwa gleich alte Fichten zu finden waren, stehen nun große und kleine Bäume. Birken haben sich auf freien Flächen angesiedelt, die Vogelbeere, Heidelbeersträucher, Heidekraut und Pfeifengras. Doch nun sei es wieder soweit, dass es dunkler wird, die Gräser beschattet und damit eventuell zurückgedrängt werden, dass wieder die Bäume dominieren, wo es am Anfang die Gräser taten.

Von Lebensräumen und Tieren

Auf der Erweiterung des Lotharpfads seien aber noch immer gut die so genannten Offenland-Flächen zu sehen – mit Pfeifengras, Drahtschmiele, Heidelbeer-, Rauschbeer- und Preiselbeersträuchen. "Da wollen wir noch stärker mit dem Thema Lebensräume und Tiere spielen", erklärt Schwab.

Denn auf einem Kilometer geht es durch ganz unterschiedliche Lebensräume: Grinden, Totholz und jungen Wald. Diese ganz besonderen Lebensräume ziehen auch Spechtarten an. "Wir haben dort den Buntspecht, den Schwarzspecht und den seltenen Wendehals", erzählt Schwab. Und auch die Kreuzotter fühle sich wohl, wo die Sonne hinkommt.

Ganz wichtig ist für das Team vom Nationalpark, dass sich der Pfad auch für Kinder eignet. Sie sollen etwas zu Entdecken, zum Anfassen und Suchen haben.

Im Frühjahr geht die Arbeit weiter

Für die Erweiterung fehlen noch rund 30 Meter Bohlenpfad. "Außerdem müssen wir noch das Thema Geländer klären", stellt Schwab fest. Denn es soll so gestaltet werden, dass auch Kinder und Menschen im Rollstuhl einen freien Blick haben.

Im nächsten Jahr soll die Erweiterung eröffnet werden und dann soll auch die Optimierung des Lotharpfads abgeschlossen sein. Die Arbeiten sind jetzt in der Winterpause – aber im Frühjahr soll es wieder losgehen.