Die Schwarzwaldbahn ist in die Jahre gekommen – vor genau 150 Jahren, am 10. November 1873, war die Strecke zum ersten Mal in ihrer gesamten Länge befahrbar – für die Region war das eine wahrlich bahnbrechende Errungenschaft.
Ungeachtet der unrühmlichen Schlagzeilen, für die die Schwarzwaldbahn in den vergangenen Jahren durch den Skandal um den ungleichmäßigen Räderabrieb und die nicht nur damit begründeten ständigen Zugausfälle gesorgt hat: Die Schwarzwaldbahn ist aus dem Verkehrsnetz des Schwarzwald-Baar-Kreises nicht mehr wegzudenken.
Für Berufspendler und Schüler ist sie unverzichtbarer Bestandteil des Alltags. Für Touristen hingegen ist die insgesamt 250 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Konstanz und Karlsruhe der Schlüssel zu satt-grünen Tälern, urigen Schwarzwald-Dörfern, zu Sehenswürdigkeiten und Wanderstrecken in der Region oder auch Transportmittel, um mit dem Fahrrad zum Ausgangspunkt für ausgedehnte Radtouren in den Schwarzwaldhöhen zu gelangen.
Doch so selbstverständlich wie heute, war die Gründung der Schwarzwaldbahn keineswegs – ganz im Gegenteil: Einst galt so etwas als Ding der Unmöglichkeit.
Ding der Unmöglichkeit?
Bereits vier Jahre zuvor, im Jahr 1868, sollte Villingen schon einen Anschluss an eine Eisenbahnlinie bekommen. Durch ganz Deutschland waren damals bereits viele Eisenbahnlinien gezogen worden. Auch die Schwarzwälder erkannten das große Potenzial – der erste Zug aus Donaueschingen sollte in Villingen am 15. August 1869 ankommen.
Und auch wenn die geplanten Feierlichkeiten dem Schwarzwälder Sommer und seinen ergiebigen Regenfällen zum Opfer gefallen waren: Das war ein Fest und sollte eigentlich erst der Anfang sein.
Die große Herausforderung
Der Deutsch-Französische Krieg jedoch durchkreuzte zunächst die weiteren Ausbaupläne ab 1870.
Immerhin konnten im Südkreis schon Güter und Truppen auf den Gleisen von A nach B transportiert werden – der nordwestliche Schwarzwald-Baar-Kreis aber war von dieser Entwicklung noch abgehängt. Und das hatte einen Grund, den vor allem jene Ingenieure und Bahnmitarbeiter, die heute mit den Problemen auf der Schwarzwaldbahn kämpfen, wohl besonders gut nachvollziehen können.
Jüngst nämlich waren es ungleichmäßig abgeriebene Räder auf der Schwarzwaldbahn, die für einen regelrechten Skandal bei der Deutschen Bahn gesorgt hatten – Züge konnten plötzlich nur noch im Zweistunden-Takt verkehren, immer wieder gab es Ausfälle...
Die Herausforderungen von heute, sind auch jene von damals – vor der Geburtsstunde der Schwarzwaldbahn nämlich war klar: Der Gebirgsabschnitt zwischen Hausach und Villingen hat es in sich und würde eine besondere Herausforderung für die Fortführung einer Eisenbahnlinie sein.
Ein Zug muss klettern
Ab dem Gutachtal, hinter Hausach, muss der Zug klettern. Fast 565 Höhenmeter gilt es zwischen Hausach und St. Georgen zu bewältigen. Diese Hürde ist mit ein Grund für die ganz besonders malerische Ausgestaltung der Bahnfahrt im Schwarzwald: Robert Gerwig nämlich kreierte eine ganze Reihe von Tunnels, um diese Gleisstrecke zu bändigen. Durch Kehren wurde die Eisenbahnlinie als erste Gebirgsstrecke für Züge überhaupt künstlich verlängert – zwei Kehrschleifen und sage und schreibe 37 Tunnel wurden gebaut – aus eigentlich nur 21 Kilometern zwischen Hausach und St. Georgen wurden für die Bahn 38.
Ein Eisenbahnpionier
Der Ingenieur Robert Gerwig (1820 in Karlsruhe geboren und 1885 verstorben) galt fortan als Vater der Schwarzwaldbahn – mit seiner Idee, die sonst zu steile Strecke mit Tunnels zu verlängern und zusätzliche Schleifen zu ziehen, war im wahrsten Sinne eine bahnbrechende Errungenschaft. Die Steigung blieb damit stets unter 20 Promille und die Strecke wurde damit doch nicht zur „Steilstrecke“. Dank des Vorschlags des Eisenbahnpioniers gelang also, was mancher nie für möglich gehalten hatte – die Eisenbahn konnte sich dampfend und zischend herausfordernde Steigungen hinaufschlägeln – ein äußerst passendes Bild für den wirtschaftlichen Aufschwung und die Industrialisierung, die damit selbst im Schwarzwald möglich gemacht wurde.
Am 9. November fand die Jungfernfahrt auf der Gesamtstrecke der Schwarzwaldbahn statt, tags darauf war sie freigegeben für alle – und erst 100 Jahre später sollte die Elektrifizierung der Strecke beginnen.