Der Start der elften Schwarzwald-Classic-Rallye für historische Automobile erfolgte bei hohen Temperaturen und mit einer kleinen Tradition verbunden wieder einmal in der Wellnessmetropole. Neben den zahlreichen Modellen waren auch richtige Raritäten auf der Schwarzwaldreise zu entdecken.
Mit großer Teilnehmeranmeldungen war das Fahrtzeugfeld in zwei Startergruppen bei der diesjährigen Schwarzwald-Classic-Rallye für historische Automobile aufgeteilt worden. Erst starteten rund 70 Old- und Youngtimer vom Rathausplatz auf die flotte Schwarzwaldreise, Ende der Woche gerade noch einmal dieselbe Zahl.
Wunderschöne Limousinen, darunter auch majestätische Staatskarossen, schnittige Zweisitzercabrios und aerodynamisch ausgeklügelte Gran Tourisme-Sportwagen machten sich zur dreitägigen Rallye mit drei großen Etappenschleifen durch den Schwarzwald auf.
Deren Zentrum und schließlich das Ziel ist der kleine Ort Rothaus. Nach getaner kräftezehrender Arbeit am Volant – natürlich ohne Servolenkung – mundete der Gerstensaft der badischen Staatsbrauerei.
Fahrzeuge aus den 1970 und 1980er Jahren
Die startenden Fahrzeuge stammten vorwiegend aus den „Swinging Sixties“ und der Generation „Creme 21“ der 1970 und frühen 1980er Jahre. Entgegen ihrem eigenen Tempopotenzials fuhren die historischen Schatzkisten erst einmal im gemütlichen Schritttempo nach der Startfreigabe durch die Innenstadt. Erst auf der Landstraße durch den Schwarzwald strapazierten die an den Lenkrädern begeistert kurbelnden Damen und Herren das Gaspedal mit erheblicher Wadenkraft.
Es geht nicht um den Speed
Die Wettfahrt der Old- und Youngtimerfahrzeuge wird nicht wie bei richtigen Rallyewettbewerben auf abgesperrten Sonderprüfungen auf Zeit gefahren. Dafür galt es an einigen Zwischenstationen weniger gefährliche Geschicklichkeitsprüfungen und Gauditests zu meistern und sowieso: „Bei der Schwarzwald-Klassik geht es nicht um Speed, sondern um das Genießen der traumhaften Landschaften auf gemütlichen Straßen“, so war aus der Rallyeorganisation zu vernehmen.
Retro Promotion mit Know-how
Das Unternehmen Retro Promotion aus Renningen bei Stuttgart nutzte als Veranstalter sein riesiges Vintage Vehicle-Know-How, das sie über viele Jahre hinweg auch mit der Ausrichtung der große Oldtimermesse Retro-Classic am Stuttgarter Killesberg und in der Neuzeit am Flughafen Echterdingen erlangten. Die Oldtimermesse in der Landesmetropole liegt mittlerweile in Händen einer Schweizer Organisation, als Herzensache verbleibt die Rallye im Team um Karl-Ulrich Hermann.
Zu sehen waren bei der formellen Abnahme und dem Startnummernaufkleben auf dem Großraumparkplatz am Haus des Bürgers viele interessante Fahrzeuge. Ein VW Käfer krabbelte zum offiziellen Starttor am Rathausplatz. Im Vergleich zum Walt Disney-Epigone „Herbie“ benahm sich der Volkswagen erstmal relativ zivilisiert. Ein mächtiger Ford Mustang aus dem legendären Steve McQueen-Streifen „Bullitt“ bollerte dafür schon richtig brachial vorbei.
Viele Modelle zu bestaunen
Britische Automoblie mit Typen wie dem Triumph Spitfire, einem Austin Healey 3000 MK II („das Schwein“) ein frecher kleiner Mini Cooper sowie ein MG B-Gummiboot sortierten sich mit „Understatement“ im Feld ein. Die italienische „Curore sportivo-Fraktion“ war etwa durch einen Dustin Hoffmann-Reifeprüfung-Alfa Romeo vertreten. Ein Ferrari Testa Rossa-Maranello Renner mit rund 480 PS war wohl das kräftigste Automobil am Start. Ein Fiat Dino (mit Ferrari-Motor) bog gleich 50 Meter nach dem Start zu einem Boxenstopp ab: Ein Hund musste noch kurz Gassi gehen bevor es richtig los ging.
Made in Stuttgart mit dabei
Sportwageninterpretationen aus Stuttgart machten sich in großer Zahl auf die Tour. Von Mercedes waren dieses Mal keine Staatskarossen aus der Adenauerzeit dabei, dafür konnten einige Sportwagen der schwäbischen Edelmarke mit offenem Verdeck bestaunt werden. Als schönster Wagen war der von Paul Braque designete Pagode aus den frühen 1960er Jahren auszumachen.
Kein Muffensausen gab es bei der Glanz und Gloria aus Untertürkheim mit dem Anblick der schnelleren Glaubensbrüdern aus dem benachbarten Zuffenhausen. Ein Geschwader von Porsche 911ern füllte die Karawane prägend mit. Darunter eine ganz besondere Rarität: Ein Prototyp-Vorläufer des Porsche 911-Rennwagens wie er in den frühen 1990er Jahren bei den Markenpokalrennen vom schwäbischen Rennfahrer und Publikumsliebling Roland Asch von Sieg zu Sieg gefahren wurde.
Vertreter aus Luxemburg und Lichtenstein
Aus der „Thomas Crown-Affäre“ abgebogen war scheinbar Steve McQueen mit einem babyblauen VW-Buggy. Ein König Charles-Imitator „schlich“ im Rolls Royce mit geringem Fußgängertempo über den Rathausplatz.
Die Hälfte des internationalen Starterfeldes waren „Eilgenossen“ mit einem aufgebäppten „CH-Oval“ am Heck. Ein Starter aus Luxemburg mit einem pfiffigen Renault 5 bewies: Oldtimer geht auch ohne großen Geldbeutel. Schwarze Nummernschilder trug ein Alfa aus Lichtenstein. Und äußert seltsam: Ein Azzurri startete nicht mit einem Italomobil sondern mit einem Porsche – vielleicht lag da eine Verwechslung zugrunde, denn auf einem Ferrari und einem Schwabenpfeil zieren jeweils aufbäumende Pferde das Wappenemblem.
Wälder werden aufgeforstet
Die Rallye wird mit klimaneutralem Fußabdruck - besser eigentlich Reifenabdruck - gefahren. Der Veranstalter kompensiert CO₂ -Fahrleistungen von Oldtimern in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Myreforest“, welches Wälder im Schwarzwald wieder aufforsten hilft.
Blumbergs Bürgermeister Markus Keller, früher Chef der Kur und Bäder GmbH, dürfte das freuen: Eine an der Rallyestrecke liegende Brachfläche im Raum Riedöschingen soll jetzt mit Geldern aus der Schwarzwald-Rallye aufgeforstet werden.
Für Oldtimer-Fans, die das Ereignis verpassten, ergibt sich bald eine weitere Chance alte Vehikel zu bestaunen. Der Schwarzwälder Automobilclub plant mit einer Art „Hammerstatt-Revival light“ am 6. Oktober ein größeres Oldtimertreffen auszurichten.