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DRK möchte über Angstthemen bei Motorradunfällen aufklären. Devise: Gar nichts machen ist immer falsch.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Es ist ein Moment, vor dem sich viele Verkehrsteilnehmer fürchten: Erste Hilfe bei einem schweren Unfall. Angesichts der zahlreichen Motorradunglücke macht das DRK aber noch mal deutlich, wie wichtig die Maßnahmen sind – und welche Gerüchte nicht stimmen.

Jens Schwarzwälder, Kreisausbildungsleiter beim Kreisverband Villingen-Schwenningen des Deutschen Roten Kreuzes, hat solche Situationen beim Rettungsdienst schon mehrmals erlebt. Nach einem schweren Unfall liegt der bewusstlose Motorradfahrer völlig unangetastet auf der Straße, obwohl Ersthelfer vor Ort sind. "Viele trauen sich nicht zu helfen, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen", berichtet Schwarzwälder. Dabei ist für ihn und die Helfer des DRK die Devise: Nichts machen ist immer falsch.

Für ihn und seine Kollegen, die angesichts der steigenden Einsatzzahlen ebenfalls zu spüren bekommen, dass die Unfälle mit Motorrädern im Kreis zugenommen haben, ist daher die Aufklärung in Bezug auf ein korrektes Verhalten am Unfallort extrem wichtig. "Wenn niemand hilft, geht zu viel Zeit verloren, bis der Rettungsdienst eintrifft – auch wenn es nur fünf Minuten sind – die Chancen des Betroffenen sind gleich deutlich schlechter", zeigt der Ausbilder auf.

Bei den Erste-Hilfe-Kursen merkt er aber, dass vor allem bei Motorradunfällen einige Menschen denken, dass viel falsch gemacht werden kann. "Es hält sich beispielsweise hartnäckig das Gerücht, dass man beim Abziehen des Helmes schnell das Genick brechen kann", sieht Schwarzwälder das Thema Helm als "Angstthema" an.

Dabei stellt sich die Sache recht klar dar: Wenn der verletzte Fahrer ansprechbar ist, sollte mit ihm geklärt werden, ob er den Helm unten haben möchte oder nicht. Ist er hingegen bewusstlos, sollte der Helm in jedem Fall runter. Am besten ginge das zu zweit, da der Kopf immer gestützt werden müsse. "Nur wenn der Helm unten ist, kann man dem Motorradfahrer weiter helfen." Schließlich lässt sich erst dann überprüfen, wie der Zustand des Unfallopfers wirklich ist, zudem ist erst dann eine Wiederbelebung und stabile Seitenlage möglich.

Doch was ist, wenn man etwas falsch macht? "Ein Ersthelfer kann an den zugezogenen Verletzungen nichts mehr ändern", betont Schwarzwälder. Deshalb müsse man sich als Ersthelfer die Angst selber nehmen, schließlich sei die Erste Hilfe nach einem schweren Unfall elementar wichtig.

Sollte man nicht in der Lage sein, die Maßnahmen durchzuführen, könne man wenigstens durch das Absetzen des Notrufs, der Sicherung des Wärmeerhaltes des Patienten und dessen Betreuung helfen. "Dann sollte man sich allerdings überlegen, ob man nicht doch besser einen Kurs macht", empfiehlt der Ausbilder.

Spezielles Notfalltraining

Denn gerade jetzt, wenn die Motorradsaison wieder beginnt, sollten nicht nur die Maschinen auf Vordermann gebracht werden, sondern auch die Kenntnisse zu den lebensrettenden Sofortmaßnahmen. "Wir bieten hier Notfalltrainings an, die speziell für Kradfahrer zugeschnitten sind – manchmal verbinden wir das auch mit einer Ausfahrt."

Schließlich gehöre zu einem verantwortungsbewussten Verkehrsteilnehmer auch, dass er im Notfall Leben retten kann.

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