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Der Ringzug soll mittelfristig eine wirklich runde Sache sein. Dafür soll nicht nur die vollständige Elektrifizierung bis Ende 2017 sorgen, sondern auch der Metropolexpress zwischen Villingen-Schwenningen und Stuttgart.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Trotz der großen Pläne, die der Landkreis in der Weiterentwicklung des Ringzugs hin zum Ringzug 2.0 für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg hegt, liegen die Geschicke nicht mehr ganz in seiner Hand: Das Verkehrsministerium des Landes hatte den Ringzugvertrag gekündigt mit der Intension, die Finanzierung des Ringzugs künftig selbst zu übernehmen.

Nun galt es, eine neue Ringzugvereinbarung aufzusetzen – am Montag wurde sie dem Ausschuss für Verwaltung, Wirtschaft und Gesundheit des Landkreises Schwarzwald-Baar vorgelegt. Das Land seinerseits will sich bei der Vertaktung des Schienen-Personennahverkehrs engagieren – wäre das der Fall, beträfe das auch den Ringzug in der Region und zwar ohne Engagement des Landkreises, betonte Landrat Sven Hinterseh. Ganz aus dem Schneider ist man freilich nicht, denn parallel verpflichten sich die Landkreise dazu, flankierend zum Ringzugangebot für entsprechende Zubringer-Busverkehre zu sorgen. Konkret: Vier Schnellbuslinien sollen eingerichtet werden. Und wie diese wiederum finanziert werden, steht noch in den Sternen.

Für die CDU betonte Michael Schmitt, dass ein Augenmerk darauf zu legen sei, wie diese bezuschusst werden und auch, inwiefern die bisherigen Fahrgeldeinnahmen dem Kreishaushalt künftig fehlen. Laut Landrat Sven Hinterseh ist Letzteres seit der Einführung der Breisgau-S-Bahn im Dezember 2019 eine unbekannte Größe – auf der bislang am besten frequentierten Strecke von Donaueschingen aus fehlen seither Fahrgäste. Sie verkehren aufgrund der kürzeren, umstiegsfreien Fahrzeit lieber mit der Breisgau-S-Bahn als mit dem Ringzug. Die bisher geplanten Einnahmen in Höhe von etwa 500.000 Euro lägen nun schätzungsweise nur noch bei 250.000 bis 300.000 Euro.

Trotzdem: Die neue Vereinbarung bekam den Segen der anwesenden Ausschussmitglieder und unter dem Strich war man sich einig: Ohne einen guten ÖPNV geht im ländlichen Raum nichts.

Drei Kreise - eine Stimme

Diesbezüglich sprechen die drei Landkreise Tuttlingen, Rottweil und Schwarzwald-Baar mit einer Stimme. Bis zum 1. August 2022 strebt man einen gemeinsamen, regionsweiten Tarifverbund an, das Land soll der Region dafür vertragsgemäß eine Förderung aus Landesmitteln in Aussicht stellen. Ganz wichtig ist Hinterseh hinsichtlich der Mobilität im ländlichen Raum auch ein in der Vereinbarung deshalb ausdrücklich genanntes Ziel: Der Metropolexpress (MEX) zwischen Villingen-Schwenningen und Stuttgart. Eine umstiegsfreie Anbindung an die Landeshauptstadt stärke die Region ungemein, so Hinterseh am Montag.

Sicherstellen will man ferner die Ausweitung des Angebots auf der Schiene in der Region. Das Land soll deshalb dazu verpflichtet werden, über das Zielkonzept 2025 hinausgehend Ringzugleistun-gen auf den Strecken Villingen – St. Georgen und Tuttlingen – Fridingen mitzufinanzieren. Das Land seinerseits pocht auf die entsprechenden Bus-Leistungen durch den Kreis – die Forderung des verkehrsministeriums, eine generelle Anbindung von Schienenanschlüssen durch Busse täglich von 5 bis 24 Uhr in allen "geschlossenen Ortschaften" sicherzustellen, hielt man im Schwarzwald-Baar-Kreis aber für "zu ambitioniert". Ehe man umfangreiche Taktungen plant und bezahlt, will man die Standards des aktuellen Nahverkehrsplanes umsetzen "und den Erfolg beim Kunden" abwarten. Und auch dem Ansinnen des Landes, eine Regiobuslinie Schramberg – Villingen einzuführen, erteilte man vorerst einen Korb – sie soll erst eingeführt werden, wenn die Ringzugverlängerung nach St. Georgen umgesetzt ist und damit die aktuelle direkte Busverbindung zwischen St. Georgen und Villingen durch ein entsprechendes Schienenangebot abgelöst wird.

Ausdrücklich gelobt wurde Hinterseh für sein Verhandlungsgeschick – er habe, so Jörg Frey (Freie Wähler) "das Bestmögliche für den Kreis rausgeschlagen".