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Schwarzwald-Baar-Kreis Skiliftbetreiber fürchten "Todesstoß"

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Die Skilifte in der Region stehen still – mangels Schnee. Als ein weiterer Grund könnte sich eine zusätzliche Sicherheitsprüfung darstellen, die voraussichtlich mit enormen Kosten für die Betreiber verbunden wäre. Foto: Archivfoto: Vaas

Schwarzwald-Baar-Kreis - Der Ärger bei den Skiliftbetreibern in der Region ist groß. Anlass bieten mögliche Sicherheitsprüfungen, die über den jährlichen TÜV hinausgehen. Wenn diese zusätzlichen Anforderungen und Kosten kommen sollten, steht für viele fest, dass sie ihren Liftbetrieb einstellen.

"Viele wollen aufhören, wenn das umgesetzt wird", beschreibt der Betreiber des Kandel­blickliftes in Vöhrenbach, Christian Borho, den Unmut bei sich und seinen Kollegen. Dabei bezieht er sich auf ein Gespräch zwischen Landratsamt und den Skiliftbetreibern.

Genaueres zu dem Gespräch möchte das Landratsamt gegenüber der Redaktion derzeit nicht mitteilen. Pressesprecherin Heike Frank informiert lediglich: "Im August hat ein behördeninterner Termin mit Skiliftbetreibern stattgefunden. Das konkrete weitere Verfahren hierzu wird derzeit abgestimmt."

Wie von Seiten verschiedener Skiliftbetreiber jedoch zu erfahren ist, handelt es sich vermutlich um eine EU-Anordnung, die über das Regierungspräsidium zur weiteren Umsetzung an das Landratsamt gereicht wurde. Dabei soll sich die Verordnung in erster Linie an die Inbetriebnahme neuer Lifte richten. Das Landratsamt erwägt offensichtlich aber auch eine Anwendung auf bestehende Lifte.

Mögliche Nachteile für den Tourismus

Der Vorstoß der Kreisbehörde erntet Kritik und Kopfschütteln bei den betroffenen Skiliftbetreibern. Gerhard Weißer, einer der Betreiber des Skilifts Winterberg bei Oberkirnach, hält von den Plänen des Landratsamstes "überhaupt gar nichts". Er geht davon aus, dass eine solche zusätzliche Sicherheitsprüfung für viele Skiliftbetrieber in der Region das Aus bedeute. "Ob das für den Tourismus so gut ist, mag ich bezweifeln." Er hatte an dem Gespräch im August mit dem Landratsamt teilgenommen. Die Skiliftbetreiber hätten ihren Standpunkt klar gemacht und ihren Unmut gegenüber den Plänen des Landratsamtes geäußert. "Das war eine sehr heiße, anregende Diskussion", erinnert er sich. Die Liftbetreiber hätten schon mit dem Klimawandel und den zurückgehenden Schneetagen zu kämpfen. Bei geringer werdenden Umsätzen blieben die laufenden Kosten bestehen, beispielsweise für Motorschlitten und Pistenraupe. Und nicht zuletzt für den TÜV. Wenn dann noch weitere Kosten durch die Prüfungen hinzukämen, "müssen wir schon überlegen, was wir machen".

Er betreibt den Lift zusammen mit Hans-Jürgen Weißer und Ewald Bähr. Auch Bähr geht davon aus, dass eine solche Sicherheitsprüfung das Aus für den Skilift bedeuten würde. "Das geben die Einnahmen einfach nicht her." Schon jetzt kämpfe man mit den Veränderungen durch den Klimawandel. Derzeit gebe es pro Saison lediglich 20 bis 30 Skitage, in früheren Jahren seien es 100 gewesen. Wenn die Winter in den kommenden Jahren noch schneeärmer würden und es letztlich nur noch zehn Öffnungstage für den Skilift seien, dann bedeute das das Aus für den Skilift, unabhängig von einer zusätzlichen Prüfung.

Wilfried Müller vom Skilift Oberer Schlossberg bei Oberkirnach empfiehlt dem Landratsamt, sich mit dem TÜV zusammenzusetzen. Das wäre sinnvoll, um einen zusätzlichen Bedarf an Überprüfungen abzuklären. Schließlich stelle sich die Frage, ob eine doppelte Sicherheitsanalyse nötig sei. Davon würden vor allem die beauftragten Ingenieurbüros profitieren.

Willi Stockburger vom Brigachlift, ebenfalls bei Oberkirnach, gefallen die Überlegungen des Landratsamtes nicht. Auch der TÜV sei irritiert, habe er im Gespräch kürzlich von einem dort Beschäftigten erfahren. "Ich habe immer gedacht, der Klimawandel sagt, wenn Schluss ist mit dem Skiliftbetrieb. Jetzt drängt sich das Landratsamt vor", meint er mit einer Portion bitterem Humor.

Wettermäßig beutelt es die Skilifte auch in der jetzigen Saison. Die Umsätze seien in den vergangenen Jahren geschrumpft, so Stockburger. So, wie sich der Winter jetzt präsentiere, gebe es auch kein Weihnachtsgeschäft an den Liften. Er habe diese Arbeit immer gerne gemacht. Doch wenn das Landratsamt meine, es müsse den Betreibern zusäztliche Kosten aufbürden, dann müsse er schon überlegen, ob er den Liftbetrieb weiterführe.

"Es kann nicht wahr sein, was die da anzetteln"

"Es kann nicht wahr sein, was die da anzetteln", ärgert sich Christian Borho vom Kandel­blicklift in Vöhrenbach über die Vorgehensweise des Landratsamtes. Er betont, dass "sicherheitsrelevante Bauteile jährlich untersucht werden". Und außerdem: "Da fällt niemand runter. Das sind alles Schlepplifte hier in der Region."

Das Landratsamt habe Kosten prophezeit von 3000 bis 5000 Euro, die da auf jeden Skiliftbetreiber zukommen könnten.

Außerdem werde der Besuch eines Lehrgangs in Innsbruck in Sachen Seilbahngesetze und Skiliftbetrieb mit Abschlussprüfung verlangt. Das sei auch teuer mit Hotel, Fahrtkosten und einem Ausfall der Arbeitszeit. "Und alles müssen wir bezahlen." Borho bilanziert: "Das ist völliger Blödsinn." Der TÜV, der jährlich die Lifte hierzulande kontrolliere, müsse sich auch fragen, weshalb seine Untersuchungen nun plötzlich nicht mehr ausreichend seien.

"Wir machen definitiv zu, wenn das kommt", so Borho. Die Lifte in der Region würden von den Betreibern mit sehr viel Engagement und Idealismus geführt. Da gehe es nicht um Gewinn, sondern darum, dass dieses Angebot in der Region erhalten bleibe und den Kindern der Skisport nahegebracht werden könne. Beim Betrieb eines Skiliftes werde jetzt schon draufgelegt, gerade wenn man neue Bauteile brauche. Einnahmen würden eher durch Bewirtung am Lift erzielt.

Der große Vorteil gegenüber dem Feldberg, der überlaufen sei: "Wir haben Platz ohne Ende", weist Borho darauf hin, dass es hierzulande keine langen Wartezeiten am Lift gebe.

Wenn die hiesigen Lifte wegfallen würden, hätte das auch negative Auswirkungen auf die Skiclubs und Sportgeschäfte. "Sie wissen gar nicht, was sie das lostreten", wirft er der Kreisbehörde mangelnde Weitsicht vor.

Auswirkungen auf Schulen und Skiclubs

Ähnlich sieht es Manfred Mark, Vorsitzender des Vereins Bregtallift Furtwangen. Er empfindet das Vorgehen der Kreisbehörde als "eine bodenlose Unverschämtheit". "Was mich wahnsinnig aufregt, ist, dass nur im Schwarzwald-Baar-Kreis eine solche Sicherheitprüfung im Gespräch ist." Ihm sei zumindest nicht bekannt, dass es solche Überlegungen auch in anderen Landkreisen gebe. Wenn dann nur die Lifte im Schwarzwald-Baar-Kreis betroffen wären, sei das ein enormer Nachteil und eine Wettbewerbsverzerrung. Die Kosten von 3000 Euro, die im Raum stünden für die Prüfung, seien der "Todesstoß" für viele der hiesigen Skilifte, ist sich Mark sicher. Wenn der Bregtallift schließen müsse, sei das auch ein Nachteil für die Schulen, die ihre Lifttage hätten, an denen am Staatsberg Ski gefahren werde. Das müsste dann ausfallen. Wenn die zusätzliche Prüfung tatsächlich komme, könne das schon das Aus für den Bregtallift bedeuten. Nicht unbedingt aus finanziellen Gründen, sondern auch moralisch und psychisch. "Man steckt so viel Engagement in den Skiliftbetrieb. Wenn dann so was kommt, geht irgendwann die Motivation verloren."

Einige der Skilifte in der Region werden kommunal geführt, so auch die Lifte am Winter- und am Rohrhardsberg, die unter der Regie von Schonach stehen. Bürgermeister Jörg Frey hofft, dass die jetzige Handhabung mit den jährlichen TÜV-Untersuchungen beibehalten und keine zusätzliche Sicherheitsprüfung verlangt werden. Schließlich gehe es hier auch um das Gebot der Gleichbehandlung. Und ihm seien keine anderen Landkreise bekannt, in denen solche weitergehenden Anforderungen an die Lifte gestellt würden. Frey merkt an, dass er und weitere Bürgermeister deshalb auch schon ein Gespräch mit dem Landrat hatten, in dem sie ihren Standpunkt und die Bedeutung des Wintersports für die Region klar machen konnten. "Ich hoffe und gehe davon aus, dass sich an der jetzigen Situation nichts ändern wird", äußert sich Frey mit einer Portion Zuversicht.

Das Ferienland ist nicht begeistert von den Plänen des Landratsamtes, wenn durch eine zusätzliche Sicherheitsprüfung Skilifte ihren Betrieb einstellen würden. "Jede Infrastruktur, die wegfällt, ist für den Tourismus nicht förderlich", erklärt Hans-Peter Weis, stellvertretender Geschäftsführer der Ferienland im Schwarzwald GmbH. Das sei nicht so sehr davon abhängig, ob die Winter nun schneereich seien oder nicht. Der Gast orientiere sich am Angebot und wähle so seine Urlaubsdestination aus. Da sei es nur von Vorteil, wenn Kommunen einen Skilift vorweisen könnten.

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