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Schwarzwald-Baar-Kreis Perfekte Hausfrau 4.0 – auch nur ein Mensch

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Moderne Haushaltsgeräte können per Tablet gesteuert werden. Foto: Daniel Kraso - stock.adobe.com

Schwarzwald-Baar-Kreis - Bügeln, Kochen, Kinder betreuen... und im Beruf seinen Mann stehen. Der Spagat wird immer größer, die Zeit immer knapper. Trotz smarter Helfer sind die Herausforderungen für die Hausfrau 4.0 gewaltig. Wie man(n) und frau sie meistert, zeigen Gertrud Mellert und Edith Kirner.

Ist am Ende alles nur eine Frage der richtigen Organisation? Dem etwas angestaubten Totschlagargument vieler Skeptiker geben Gertrud Mellert und Edith Kirner zumindest teilweise tatsächlich recht. Und sie müssen es wissen, denn beide sind Fachfrauen, wenn es ums richtige Haushaltsmanagement geht. Im Landwirtschaftsamt in Donaueschingen bringen sie das auch angehenden Hauswirtschafterinnen und weiteren Interessierten bei. "Haushaltsmanagement für Familienfrauen" heißt der Kurs, aus dem die Teilnehmer am Ende nach einer (optionalen) Abschlussprüfung als gelernte Hauswirtschafterinnen hervorgehen.

Doch mehr noch: Hier lernen sie wirklich fürs Leben. Sogar ein Mann hat sich schon in den Kurs verirrt, erzählt Edith Kirner und lächelt. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr sich berufstätige Frauen noch immer zerreißen müssen – "die Hauswirtschaft ist noch sehr weiblich besetzt, im Kopf zumindest, und das müssen wir aufbrechen", fordert Gertrud Mellert. Dabei sei sonnenklar, dass zu einem funktionierenden modernen Haushalt vor allem eines gehört: Das Engagement all derer, die darin leben – egal ob Männlein oder Weiblein. Und: Auch der Mut zur Lücke gehört dazu. "Es muss nicht immer alles perfekt sein", gibt Gertrud Mellert zu bedenken und kann sich selbst noch gut an die Zeit erinnern, in der ihr Kind noch klein und es schwer angesagt war, dass Besuch sich vorher anmeldet. "Bei uns ist auch nicht immer aufgeräumt!", stellt Edith Kirner klar.

In ihren Kursen wollen die beiden Frauen die Teilnehmer fit machen für den Spagat zwischen dem immer stressigeren Berufsleben und dem funktionierenden Haushalt daheim. "Wie mache ich meine Arbeit schneller, rationeller, effektiver" – Antworten auf diese Fragen stehen ganz oben. Trotzdem solle man die "Freude am Tun" nicht verlieren, hofft Mellert und weiß: Grundwissen, das früher beispielsweise im Kochunterricht in der Schule vermittelt wurde, bleibt mittlerweile auf der Strecke. Jeder wurstelt in der Küche "irgendwie vor sich hin", dabei könnte es mit etwas Know-how auch einfacher gehen.

"Im Internet steht viel, dort gibt es wunderbare Quellen"

Edith Kirner vermittelt den Teilnehmern zum Beispiel Basiswissen aus der Küche. "Sie sollen keine Ernährungswissenschaftler werden", winkt sie ab, aber Grundinformationen über Mineralstoffe und Aminosäure oder Vitamine mit nach Hause nehmen, mit Kräutern würzen können und in der Lage sein, ohne "Päckchen" zu kochen. "Wir haben so etwas wie eine Geschmacksschule", sagt Gertrud Mellert und lacht. "Wir versuchen so viel wie möglich selbst herzustellen, ohne Fertigprodukte", schildert Kirner. Und wer glaubt, bei den Profis aus der Praxis sei das Wissen aus dem Internet verpönt, der irrt gewaltig. Im Gegenteil: "Im Internet steht viel, dort gibt es wunderbare Quellen!", schwärmt Mellert, aber: "Man muss es bewerten und klug nutzen können".

Dass das selbst gekochte Mittagsmahl kein Hexenwerk ist, machen die beiden Kursleiterinnen vor. Sie zeigen, wie man es anstellt, viel selbst zu kochen, ohne stundenlang in der Küche zu stehen. "Ich verstehe, dass manche Frauen ungern kochen, wenn sie zwei Stunden brauchen für ein Essen für vier Personen", sagt Kirner. Das A und O, dass es schneller geht: "Einen Plan machen!" Aber auch gezielt einkaufen, die Haltbarkeitszeit der Lebensmittel beachten, um möglichst wenig wegwerfen zu müssen. Und die Gerichte weiterentwickeln – aus Salzkartoffeln können am nächsten Tag Bratkartoffeln werden, aus Kartoffelbrei Kartoffelsuppe, aus Pfannenkuchen Flädle und so weiter. Aus dem, "was der Kühlschrank heute so hergibt", wird gerne mal ein Auflauf, der sich wunderbar variieren lasse. "Wenn ich das Basisrezept kenne, kann ich darauf aufbauen", verrät Kirner das Geheimrezept. Und Spaß mache das obendrein – "manche entdecken das Kochen als Feld der eigenen Kreativität!"

Auch die perfekt Hausfrau darf mal beim Pizzaservice bestellen

Überhaupt spüren Mellert und Kirner den Retrotrend auch in Sachen Haushalt. Selbst kochen ist wieder in. Das Besinnen auf das Gute der Region, saisonale Produkte und Nachhaltigkeit ebenfalls. Letztere wird sogar in ihren eigenen Putzschränken sichtbar: "Drei bis vier Reinigungsmittel reichen aus: ein Tensidreiniger wie Spüli oder ein Neutralreiniger, ein Allzweckreiniger für Fußböden und Fenster und ein Sanitärreiniger". Ein ähnliches Bild bietet die Waschküche: "Eigentlich braucht man nur ein Vollwaschmittel, eines für Farbiges und ein Feinwaschmittel", klärt Mellert auf.

In den Haushalten der Haushaltsprofis kommen übrigens schlaue Maschinen zum Einsatz – Dampfgarer, Mikrowelle und dergleichen können viel erleichtern, sagen die beiden – "man muss sie aber auch nutzen!" Ganz zu schweigen von all dem, was die "Hauswirtschaft 4.0" noch bringe. "Da kommt noch einiges zur Tür rein", ahnt Mellert und weiß, dass Saugroboter und Co. nur der Anfang sind. Interessant werde es in Sachen Zeitmanagement beispielsweise, wenn man die Geräte von unterwegs einschalten kann oder auch regionale Lebensmittel bestellen könne – "für Personen mit einem knappen Zeitbudget ist das eine Erleichterung". Für Berührungsangst vor der Technik aber ist auch im Haushalt künftig kein Platz.

Hauswirtschaft 4.0, das ist auch für die Profis noch "ein neues Feld", auf dem sich Gertrud Mellert und Edith Kirner laufend fortbilden. Doch so sehr die beiden auch das Bild der perfekten Hausfrauen verkörpern, bleiben einige fachfremde Merksätze nach dem Gespräch mit ihnen doch ganz besonders hängen: Auch eine perfekte Hausfrau darf den Fensterputzer oder die Pizza vom Lieferservice kommen lassen; zum Perfekt-Sein gehört auch Zeit für sich selbst, die sich auch mit Hilfe smarter Technik finden lässt und "wenn ich nur noch am Putzen, Kochen und Bügeln bin und keine Zeit mehr für Kinder, Partner und Freunde habe", dann ist dieser Haushalt alles – nur nicht perfekt.

Ihre Redaktion vor Ort Villingen

Cornelia Spitz

Fax: 07721 9187-60

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