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Schwarzwald-Baar-Kreis "Nein, euphorisch waren wir nicht"

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Svend Fochler (links) und Frank Albrecht schafften in der ehemaligen DDR den Sprung in den Profikader. Die beiden Ex-Nullachter blicken auf bewegte Zeiten zurück. Foto: Marc Eich Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Michael Bundesmann

Die beiden in der Region bestens bekannten Fußballer Svend Fochler und Frank Albrecht sind heute jeweils 48 Jahre alt. Die erste "Halbzeit" ihres bisherigen Lebens verbrachten sie in der ehemaligen DDR – dann wurde der Schwarzwald zu ihrer neuen Heimat.

Natürlich! An den 9. November 1989, dem Abend als die Mauer fiel, können sich die beiden Fußballer heute noch bis ins kleinste Detail erinnern. Svend Fochler war damals beim DDR-Oberligisten Energie Cottbus unter Vertrag, aß in seiner Wohnung allein zu Abend und wollte nicht glauben, was er da von der neuen Reisefreiheit aus dem Fernsehen vernahm. "Ich hätte es zu diesem Zeitpunkt nicht für möglich gehalten." Am nächsten Morgen setzte sich der Mittelfeldspieler in seinen Trabi und wurde auf dem Weg zur Mauer prompt in einen Auffahrunfall verwickelt. "Es gab einen Totalschaden. Aber ich habe meine damalige Freundin Ines dennoch bald an der Mauer getroffen."

"Es hat uns kaum an etwas gefehlt"

Frank Albrecht spielte zu dieser Zeit für Dynamo Fürstenwalde (2. Liga DDR), wollte an jenem Abend auch sofort in Richtung Berlin aufbrechen, "aber wir standen vor einem Auswärtsspiel und deshalb blieb ich lieber erst einmal daheim".

Wie die Gefühlswelt der beiden an diesem Abend aussah? "Nein, euphorisch waren wir nicht. Wir waren vor allem aber glücklich darüber, dass die Mauer ohne Gewalt gefallen war. Wir haben in der DDR eine schöne und spannende Jugendzeit erlebt – und als Profifußballer hatten wir sowieso einige Privilegien. Es hat uns kaum an etwas gefehlt", blicken die beiden Freunde zurück.

Kennengelernt hatten sie sich im Internat von Dynamo Berlin. Svend Fochler hatte bis dahin in seiner Heimatstadt Cottbus sein großes Talent bewiesen – Frank Albrecht war den Scouts bei seinem Heimatverein in Fürstenwalde aufgefallen.

Über ihre Jahre in der Kaderschmiede von Dynamo Berlin schwärmen sie noch heute. "Wir konnten unser Hobby Fußball zum Beruf machen. Wir Jungs verstanden uns hervorragend. Die fußballerische Ausbildung war neben der Schule sehr gut. Dass es mehr eine Kaserne für Jugendliche gewesen sein soll, stimmt nicht. Wir hatten privat auch unsere Freiheiten."

Beide schafften den Sprung in den Profikader der Berliner. Auf dem Weg dorthin hatte Svend Fochler auch noch 40 Einsätze in den Jugend-Nationalmannschaften der DDR. Ein Höhepunkt für ihn war das Jahr 1983, als es in der EM-Qualifikation in Braunschweig vor 38 000 Zuschauern gegen die BRD-Auswahl, damals gecoacht von Berti Vogts, ging. "Wir haben zwar mit 0:5 verloren, aber so einen Tag vergisst du dein Leben lang nicht", erinnert sich Svend Fochler.

Sich bei den Stars von Dynamo Berlin zu behaupten – war für die Freunde hart. Frank Albrecht kam in zwei Runden auf sieben Oberliga-Einsätze – Svend Fochler auf 22. Dies alles neben Fußball-Größen wie Andreas Thom oder Thomas Doll.

Für Albrecht ging es 1989 erst einmal zurück nach Fürstenwalde in die 2. Liga, ehe er beim Oberligisten Stahl Brandenburg unter Vertrag genommen wurde. "Es sind ein paar Dinge für mich in dieser Zeit nicht so optimal gelaufen, sonst hätte ich wahrscheinlich in der Oberliga schon den Durchbruch geschafft", blickt der Stürmer zurück.

Svend Fochler wechselte 1989 zurück zu seinem Heimatverein Energie Cottbus und wäre sogar fast in der 2. Bundesliga bei Eintracht Braunschweig gelandet. Mit dem dortigen Trainer Achim Streich war schon alles nach dem Probetraining klar – doch Energie wollte zu viel Ablöse. Der technisch starke Linksfuß war also zum Bleiben verdonnert.

Der Sommer 1991 sollte für Svend Fochler und Frank Albrecht ein Wendepunkt in ihrem Leben bedeuten. Sie waren nun 24 Jahre alt – im Profifußball kamen sie nicht so recht voran. Und ihre berufliche Ausbildung? Als junge Profifußballer in der DDR besaß man gerade mal fünf Optionen. Fochler hatte den Beruf Maschinenanlage-Monteur gelernt – Albrecht konnte sich Elektronik-Facharbeiter nennen. Nichts Brauchbares für die Zukunft.

Plötzlich Kontakt zum FC 08 Villingen

In dieser Zeit entstanden plötzlich die Kontakte nach Villingen. Der damalige Chef eines hiesigen Ausbildungszentrums war gebürtig aus Cottbus und mit 08-Chef Jürgen Hornstein befreundet. "Schon nach zwei Wochen war alles unter Dach und Fach", erinnert sich Fochler noch genau, wie er mit dem Finger auf der Landkarte den Weg von Cottbus nach Villingen neugierig nachfuhr. "Für uns war genau zu diesem Zeitpunkt eine vernünftige berufliche Ausbildung das A und O." Beide ließen sich in Villingen im kaufmännischen Bereich ausbilden, sind heute als Immobilienmakler und in der Möbelbranche erfolgreich tätig.

In sechs Jahren beim FC 08 schufen sie sich sportlich wie menschlich einen hervorragenden Ruf. Für ihre Eingewöhnung war auch förderlich, dass bei den Nullachtern mit Peter Gölnder, Jörg Fink und Steffen Schlegel bereits Spieler aus ihrer Heimat da waren. "Wir haben uns hier sofort wohlgefühlt. Als Fremde in einer neuen Stadt öffnet gerade der Sport zunächst viele Türen und stellt Kontakte her." Nach ihrer Zeit beim FC 08 waren Fochler und Albrecht erfolgreich als Trainer bei diversen Vereinen in der Region tätig.

Ob sie damals im Sommer 1991 wirklich alles richtig gemacht haben? Die beiden nicken sofort mit dem Kopf. "Wir haben immer schon etwas über den Tellerrand hinausgeschaut. Die berufliche Chance in Villingen kam zum idealen Zeitpunkt."

Kein negatives Wort fällt von ihnen über den Staat und das System, in dem sie aufwuchsen. "Wir waren glücklich – und wir sind heute glücklich. Unsere Heimat ist jetzt Villingen und Brigachtal."

Ihre Gedanken zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit? "Es ist in unseren Augen alles sehr gut zusammengewachsen, auch wenn es seine Zeit gebraucht hat. Auch unseren Familien daheim geht es gut."

 
 

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