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Schwarzwald-Baar-Kreis Nächste Runde im Drückjagd-Disput

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Bevor die Büchsen gespannt werden: Jens Borchers (rechts), Betriebsleiter von Fürstenberg-Forst und verantwortlicher Jagdleiter bei seiner Ansprache an der Kohlplatzhütte in Aulfingen, vor dem Beginn der revierübergreifenden Drückjagd. Foto: Archiv: Beathalter

Donaueschingen/Hüfingen/Bräunlingen - Die Diskussion um die revierübergreifende Drückjagd geht in eine weitere Runde. Jäger Sebastian Back hatte die Jagdmethode auf der Länge kritisiert, etwa den massenhaften Einsatz von Hunden. Nun bezieht er Stellung zu Äußerungen von Michael Rüttiger, Wildtierreferent des Ökologischen Jagdverbandes (ÖJV).

Der hatte zuvor erklärt, dass es auch im Jagdrevier auf der Länge einen entsprechenden Wildverbiss gebe und sich positiv zu revierübergreifenden Drückjagden geäußert.

Verbiss: "Herr Rüttiger hat sich nach seinen Angaben in meinem Jagdrevier umgesehen, um meine Äußerungen zu überprüfen. Wer hat Interesse daran, dass meine Angaben auf den Prüfstand kommen?", fragt sich Sebastian Back und ergänzt: "Wer fürchtet sich vor meinen Äußerungen?" Das Kontrollieren eines anderen Revieres zur Verifizierung von Angaben, ohne den Revierinhaber zuvor in Kenntnis zu setzen, sei mehr als schlechter Stil und unter Jagdausübungsberechtigten verpönt.

Sebastian Back: "Hier wird nicht mit offenem Visier gekämpft."

"Vielleicht unterstelle ich hier dem Referenten des ÖJV etwas, aber hier wird nicht mit offenem Visier gekämpft", so Back. Von zu regulierendem Verbiss spreche man dann, wenn die tolerierbare Menge der Aufnahme von Raufutter als Äsung, also dringend benötigter Nahrung, überschritten werde. "Dieses ist in meinem Revier nicht der Fall und so auch von der Behörde bestätigt."

Afrikanische Schweinepest: Gleichzeitig hebe Rüttiger auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) ab, die erst seit 2018 zum Problem geworden sei und führt sie als Berechtigung für alle Drückjagden an, bei denen auch dann wiederkäuendes Schalenwild geschossen wird, "obwohl wir in der Länge oder etwa auch in Deutschland noch keinen Ausbruch der ASP zu verzeichnen haben". Der sei territorial begrenzt und breche in sich zusammen, wenn nicht eine Verbreitung des Virus erfolge. "Die Ausbreitung wird provoziert, wenn die virustragenden Wildschweinrotten durch Drückjagden auseinander- und in andere Reviere verjagt werden.

Wiederkäuendes Schalenwild wie Reh-, Dam-, Rot-, Sika- und Muffelwild sind – sowie der Mensch – von der ASP nicht betroffen", sagt Back. Zur Rechtfertigung der Reduzierung des wiederkäuenden Schalenwildes könne die ASP also nicht herangezogen werden. Es sei absurd, dass Wildschweine beim Ausweichen dutzende Kilometer laufen, sagt Michael Rüttiger. "Sie suchen sich ein ruhiges Eck, dort bleiben sie liegen." Der Virus sei indes sehr überlebensfähig, eine befallene Wurstsemmel, achtlos weggeworfen reiche bereits aus. "Er macht Riesensprünge und ist plötzlich in einem anderen Gebiet."

Es gehe darum, schnell auszudünnen, dass er sich nicht festsetzen könne. Wie weit Schweine bei der Bejagung flüchten, lasse sich indes nicht eindeutig feststellen, erklärt Thorsten Beimgraben von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg: "Es gibt Projekte in denen man Schwarzwild besendert und jagdliche Störungen herbeigeführt hat. Diese Sauen haben sich kaum bewegt und mit einem kleinen Bogen gleich wieder eingestellt. Es gibt aus dem jagdpraktischem Bereich aber auch Beobachtungen, nach denen eine kilometerweite Flucht erfolgte. Es weiß keiner wie groß die Wahrscheinlichkeit für das eine oder andere Verhalten ist."

schwarzwaelder-bote.de hatte Sebastian Back im Wald besucht. Mehr dazu im Video: 

Hetze: Großer Vorwurf von Jäger Sebastian Back: Bei der Drückjagd kämen so viele Hunde zum Einsatz, es handle sich dabei um eine Hetze. Rüttiger entkräftigte das, zur Hetze gehöre der Kampf. "Der Tatbestand der Hetze wird nicht etwa durch einen Kampf bestimmt, sondern einzig und allein dadurch, dass die Hunde als Meute das Wild aufscheuchen und es verfolgen", sagt Back. Er ergänzt: "Dabei werden die Familienverbände zerrissen, die Jungtiere verlieren den Anschluss und gehen im Winter ein." Zudem sollen Hunde eingesetzt werden, die entsprechende Prüfungen vorweisen können. Das sei auch der Fall, so Rüttiger: "Hetze ist laut Jagdgesetzgebung verboten. Die Hunde bei der Drückjagd sollen bellen und so das Wild aufstöbern." Man setze daher etwa Wälderdackel ein, "die kläffen viel und sind eher langsamer", so Rüttiger.

Hetzerei sei kontraproduktiv für die Drückjagd. Laut Back befinden sich in den Meuten nicht nur ausgebildete Jagdhunde; denn das Jagdgesetz habe leider nicht formuliert, dass nur ausgebildete und geprüfte Hunde eingesetzt werden dürfen. "Die Hundemeuten sind häufig bunt besetzt. Ein Umstand, der Herrn Rüttiger wohl bekannt ist und den er ungeschickt abschwächen will, in dem er den Hinweis gibt, dass in der jagdlichen Praxis von zehn Hunden auf 100 Hektar auszugehen ist. Er weiß es doch besser, denn die Hunde sind mit ihrer Hetze nach 100 Hektar noch nicht fertig, sie kommen nicht zu ihrem Hundeführer zurück, sondern hetzen munter weiter", sagt Back.

Maisanbau: Der Maisanbau und der Schaden, den die Wildschweine anrichten, seien nicht dem wiederkäuenden Schalenwild anzulasten. "Dass der Waldbau Fehler in der Vergangenheit gemacht hat, damit der Wald anfällig für Borkenkäfer-Kalamitäten geworden ist, und eventuell auch der Klimawandel – dafür soll auch das Wild im Wald verantwortlich sein? Es geht nur um den Profit, denn die Tubexhüllen müssten ja arbeitintensiv, damit kostenintensiv, wieder eingesammelt werden. Kleinere Parzellen mit Gatterung sind ja auch zu teuer", sagt Back.

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