Das regionale Handwerk blickt minimal positiver in die Zukunft als im Vergleich zum Vorjahr. (Symbolfoto) Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die regionalen Handwerksbetriebe bewerten ihre Situation überwiegend als gut. Jedoch trüben ökonomische Risiken das Bild, so die Handwerkskammer Konstanz.

Mit der deutschen Wirtschaft geht es langsam wieder bergauf. Das stellen die führenden Wirtschaftsinstitute zum Ende des zweiten Quartals 2025 in Aussicht und erhöhen ihre Konjunkturprognosen für das Jahr 2026. Für 2025 rechnet das ifo-Institut mit einem minimalen Wachstum von 0,3 Prozent. Das schreibt die Handwerkskammer (HWK) Konstanz in einer Mitteilung.

 

Die prognostizierte Entwicklung zeichne sich auch im Handwerk ab, zumindest in der Stimmung der Betriebe im Gebiet der Handwerkskammer Konstanz. So blickt das regionale Handwerk in der Konjunkturumfrage im Vergleich zum Vorjahr minimal positiver auf die Situation. 62 Prozent der Betriebe bewerten im zweiten Quartal 2025 ihre Lage als gut (Q2/2024: 60 Prozent). Der Anteil mit einer befriedigenden Einschätzung bleibt unverändert bei 35 Prozent, während 3 Prozent ihre Lage schlechter beurteilen (Q2/2024: 5 Prozent).

Auch auf Landesebene liegt der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage als gut bewerten, bei 60 Prozent. Allerdings beurteilen mit 11 Prozent mehr Handwerksbetriebe in ganz Baden-Württemberg ihre Situation schlechter.

Bestehende Risiken lassen Betriebe abwarten

Ein klarer Trend lasse sich anhand der aktuellen Umfrage nicht ableiten. So gebe es auch einige Risiken, die die Betriebe abwarten lassen, wie etwa die Entwicklungen der US-Zölle. „Enttäuschend ist für die Betriebe auch die fehlende Entlastung bei der Stromsteuer“, wird Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz, in der Mitteilung zitiert. „Die neue Bundesregierung unterstützt die Industrie, das Handwerk fällt hinten runter. Ob Bäcker, Baubranche oder Metallverarbeitung – der Kostendruck in vielen Gewerken steigt. Unsere Berater berichten von einem erhöhten Bedarf an Beratungen zur Kurzarbeit.“

Insgesamt findet Rottler die ökonomischen Rahmenbedingungen alles andere als vertrauensgewinnend und optimal für Investitionen: „Von den versprochenen Entlastungen vor der Wahl ist bei den Handwerkern nichts angekommen. Die Zeit drängt. Vor allem viele kleinere Betriebe warten ab und halten sich gerade so über Wasser.“ Ob die positive Entwicklung der Konjunktur nachhaltig ist, werde sich erst noch zeigen müssen.

Umsatzentwicklung nicht einheitlich

Ziel der Regierung müsse es jetzt sein, das Geld aus den Investitionspaketen möglichst schnell und durchdacht einzusetzen. „Unsere Infrastruktur ist marode. Die ausstehenden Investitionen in Schulen, Brücken und Straßen bremsen unser Land aus“, macht Rottler klar.

So fällt die Umsatzentwicklung im Vergleich zum Vorjahr uneinheitlicher aus: 27 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Umsätzen (Q2/2024: 28 Prozent), während nur noch 49 Prozent stabile Umsätze angeben (Q2/2024: 58 Prozent). Gleichzeitig ist der Anteil der Betriebe mit rückläufigen Umsätzen auf 24 Prozent gestiegen (Q2/2024: 14 Prozent). Betroffen davon sind vor allem die Ausbau- und Gesundheitsgewerke und der Dienstleistungsbereich.

Beschäftigung bleibt konstant

Bei der Beschäftigtenentwicklung zeigt sich ein gemischtes Bild: 8 Prozent der Betriebe melden gestiegene Beschäftigtenzahlen, weniger als im Vorjahresquartal (13 Prozent). Gleichzeitig bleibt die Beschäftigung bei 75 Prozent konstant (Q2/2024: 68 Prozent), während 17 Prozent von einem Rückgang berichten (Q2/2024: 19 Prozent). Nach wie vor halten viele Betriebe an ihrer Belegschaft fest.

Optimistischerer Blick auf Umsätze

Von einer Verbesserung der Umsätze im nächsten Quartal geht fast jeder dritte Betrieb aus (Q2/2024: 27 Prozent). Damit ist die Sicht optimistischer als im Vorjahresquartal. Nur noch 16 Prozent rechnen mit sinkenden Umsätzen (Q2/2024: 28 Prozent).

Über die Hälfte der befragten Betriebe erwartet keine große Veränderung (54 Prozent; Q2/2024: 44 Prozent). Pessimistischer blickt die Baubranche auf das dritte Quartal. Hier glaubt nur noch ein Drittel der Betriebe, dass sich ihre Situation im nächsten Quartal verbessert (Q2/2024: 42 Prozent).

Auch in den industrienahen Gewerken erwarten nur noch rund 24 Prozent eine Verbesserung im dritten Quartal (Q2/2024: 32), 18 Prozent einen Umsatzrückgang. In den Gesundheitsgewerken erwarten nur noch acht Prozent eine positive Entwicklung (Q2/2024: 18 Prozent), 28 eine negative (Q2/2024: 18 Prozent).

So ist die Stimmung im regionalen Handwerk

Sascha Staiger, Metallbauermeister bei Staiger Schlosserei & Metallbau in Niederschach sagt: „Momentan läuft es gut. Wir sind für die nächsten vier Monate voll ausgelastet. Anfang des Jahres war es etwas unsicher, da Aufträge durch die allgemeine Wirtschaftslage fehlten. Aber im Frühling hat es angezogen. Ich kenne keinen Schlosser, der momentan keine Arbeit hat. Es gibt nicht mehr so viele Betriebe. Trotzdem würde ein vergünstigter Strompreis uns zugutekommen. Nachwuchssorgen haben wir nicht. Im September fängt ein neuer Auszubildender bei uns an. Wir haben viele Bewerber. Es spricht sich rum, dass wir eine gute Ausbildung anbieten.“

Florian Thieringer, Fliesenlegermeister bei Fliesen Lindinger in Zimmern o. R. ist der Meinung: „Wir sind mit der aktuellen Lage am Bau grundsätzlich zufrieden. Nach einem ruhigen Start ins Jahr sind die Auftragsbücher jetzt gut gefüllt. Das ist in den Wintermonaten schwieriger. Wir sind überwiegend im Sanierungsbereich tätig, und der läuft noch gut.“